Deloitte-Studie: Drogerie statt Arztpraxis?
Viele Deutsche wünschen sich leichter zugängliche Gesundheitsangebote und wären bereit, diese auch in Supermärkten und Drogerien wahrzunehmen, statt nur in Arztpraxen und Apotheken.
Das internationale Beratungsunternehmen Deloitte hat im Februar eine Verbraucher-Befragung in Deutschland durchgeführt. Demnach empfindet knapp ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger die medizinische Versorgung in Deutschland als unzureichend, vor allem wegen überfüllter Praxen und langer Wartezeiten auf Termine. Viele Befragte haben den Eindruck, dass Krankenhäuser, Ärztinnen, Ärzte sowie Apotheken die steigende Nachfrage kaum bewältigen können und Ausweichmöglichkeiten fehlen.
Rund 60 Prozent können sich daher vorstellen, bestimmte Gesundheitsleistungen direkt im Einzelhandel zu nutzen, etwa in Drogerien, Einkaufszentren oder Supermärkten. Besonders Drogerien gelten für viele als geeigneter Ort, gefolgt von großen Einkaufszentren und klassischen Supermärkten. Das heißt aber auch: Ein erheblicher Anteil möchte solche Leistungen weiterhin ausschließlich in Praxen oder Apotheken in Anspruch nehmen, was zeigt, dass Vertrauen in die Versorgungskompetenz eine wichtige Rolle spielt.
Chancen und Hürden für den Einzelhandel
Die Supermarkt-Befürworter sahen in solchen Konzepten klare Vorteile: kürzere Wartezeiten, gut erreichbare Standorte auf alltäglichen Wegen und unkomplizierte Terminbuchungen. Besonders gefragt wären einfache diagnostische Angebote wie Seh- oder Hauttests, die mehr Personen im Einzelhandel ansiedeln würden als den Kauf rezeptfreier Medikamente oder telemedizinische Gespräche. Viele Menschen würden für Angebote zur Gesundheitsversorgung sogar ihren Stammmarkt wechseln, um Gesundheitsservice und Einkauf verbinden zu können.
Auf der anderen Seite bezweifelt fast die Hälfte der Skeptiker, dass es in solch einem Setting die fachliche Qualität gewährleistet werden könne. Bedenken wegen der Hygiene bestanden hingegen kaum.
Fachpartner für neue Konzepte
Die Unternehmensberatung empfiehlt dem Einzelhandel daher, bei entsprechenden Konzepten eng mit Praxen, Apotheken und weiteren zertifizierten Partnern zu kooperieren und hohe Ausbildungsstandards für ihr Personal zu setzen, um die Qualität zu sichern.
Ergänzende Sortimente wie Nahrungsergänzungsmittel, Naturheilmittel oder medizinische Hilfsmittel könnten zusätzlich neue Kundengruppen anziehen und dazu beitragen, sich von der Konkurrenz abzusetzen.
Die Offenheit der Verbraucher gegenüber einer breiter aufgestellten Versorgungslandschaft überrascht nicht. Vorherige Umfragen hatten unter anderem bereits gezeigt, dass die Deutschen sich vorstellen könnten, rezeptfreie Medikamente verstärkt in Drogerien, aber auch in Supermärkten zu kaufen.