Temperaturkontrolle am Medikamentenkühlschrank: So machen MFA es richtig
Praxisalltag & Trends

Temperaturkontrolle am Medikamentenkühlschrank: So machen MFA es richtig

Montagmorgen, der erste Patient wartet auf seine Impfung – und das Thermometer zeigt 11 °C. War die Tür übers Wochenende nicht richtig zu? Sind die Impfstoffe jetzt überhaupt noch verwendbar? 

Genau solche Momente zeigen, warum die Temperaturkontrolle am Medikamentenkühlschrank echter Patientenschutz ist. Kühlpflichtige Arzneimittel und Impfstoffe sind temperaturempfindlich: Eine falsche Lagerung kann dazu führen, dass das Medikament unwirksam wird oder sogar gefährliche Auswirkungen auf die Gesundheit hat. Für MFA ist die Kontrolle deshalb fester Bestandteil des Alltags – sie schützt eure Patienten, verhindert teure Verluste und ist bei Praxisbegehungen ein häufiger Prüfpunkt.

Welche Temperatur ist richtig?

Für die meisten kühlpflichtigen Arzneimittel gilt +2 °C bis +8 °C. Zu warm beeinträchtigt die Wirksamkeit, zu kalt führt zu Frostschäden – ein eingefrorener Impfstoff ist unbrauchbar. Idealer Zielwert: etwa +5 °C.

Was gehört hinein – und was nicht?

Hinein gehören nur Arzneimittel, für die der Hersteller eine Kühllagerung vorschreibt (Impfstoffe, bestimmte Insuline, einige Biologika). 

Nicht hinein gehören Lebensmittel und Getränke (fällt bei jeder Begehung negativ auf), Fremdmaterialien sowie Arzneimittel direkt an der Rückwand oder im Türfach, wo es zu kalt bzw. zu warm wird.

Wie oft kontrollieren – und was dokumentieren?

Die Temperatur sollte mindestens einmal je Arbeitstag kontrolliert und dokumentiert werden. Festzuhalten sind:

  • Datum und Uhrzeit
  • Aktuelle Temperatur sowie Min- und Max-Wert
  • Kürzel oder Unterschrift
  • Auffälligkeiten und Maßnahmen (z. B. „abgetaut", „Tür stand offen")

Eine bundeseinheitlich feste Aufbewahrungsfrist gibt es für Praxen nicht – die Vorgaben kommen teils von eurer regionalen Kassenärztlichen Vereinigung (KV). 

Tipp zur Glaubwürdigkeit: Eine Liste, auf der über Monate nie eine Auffälligkeit steht, wirkt bei Prüfenden manchmal misstrauisch. Tragt also auch Routinevorgänge wie Abtauen oder Reinigungen ehrlich ein.

Warum Min-Max-Thermometer oder Datenlogger sinnvoll sind

Ein einfaches Thermometer zeigt nur den Moment der Ablesung – was nachts und am Wochenende passiert, bleibt unsichtbar. Ein Min-Max-Thermometer speichert Tief- und Höchstwert, ein Temperturdatenlogger zeichnet das sogar kontinuierlich auf. Achtet beim Gerät auf die Vorgaben für Praxiskühlschränke (DIN 58345): Die DIN-Norm sieht vor, dass der Kühlschrank in der Lage sein muss, die Innenraumtemperaturen aufzuzeichnen und bei Temperaturabweichungen einen optischen und akustischen Alarm auszulösen. 

Was tun bei einer Temperaturabweichung?

  1. Betroffene Arzneimittel kennzeichnen, trennen und nicht mehr verwenden
  2. Abweichung dokumentieren (Wert, Dauer, Ursache)
  3. Verwendbarkeit klären – Herstellerangaben prüfen, im Zweifel nachfragen
  4. Ursache beheben (Tür, Dichtung, Defekt) und ggf. Service informieren
  5. Maßnahme abschließend dokumentieren

Praktische Checkliste für MFA

Täglich:

  • Temperatur ablesen, Min- und Max-Werte prüfen (falls euer Kühlschrank kein digitales Monitoringsystem hat)
  • Werte dokumentieren, Kürzel/Unterschrift eintragen
  • Auffälligkeiten melden und dokumentieren
  • Tür nur kurz öffnen
  • Keine Lebensmittel oder Fremdmaterialien lagern

Wöchentlich, zumindest regelmäßig:

  • Verfallsdaten prüfen
  • Kühlschrank reinigen, Eisbildung kontrollieren
  • Türdichtung prüfen
  • Ordnung und Luftzirkulation kontrollieren
  • Alarmfunktion prüfen, Datenlogger auslesen (falls vorhanden)

Die Temperaturkontrolle ist in ein, zwei Minuten am Tag erledigt – und schützt gleichzeitig eure Patienten, euer Budget und euch selbst bei der nächsten Begehung. Mit Min-Max-Thermometer oder Datenlogger, sauberer Dokumentation und festen Routinen habt ihr das Thema sicher im Griff. 

Hand aufs Herz: Wie oft kontrolliert ihr den Kühlschrank? Kontrolliert ihr klassisch per Thermometer oder schon mit Datenlogger? Schreibt mir gerne in die Kommentare!

Viele Grüße
Eure Steffi

Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

E-Mail schreiben