Labortätigkeiten als MFA im Griff
Das Telefon klingelt, im Wartezimmer wird es unruhig, und aus dem Behandlungszimmer kommt ein Zuruf – währenddessen wartet der Kurierfahrer bereits ungeduldig an der Anmeldung auf die Laborproben. Kommt euch das bekannt vor? Das Praxislabor ist das absolute Herzstück der Diagnostik, aber nicht selten auch ein massiver Stressfaktor. Ein reibungsloses Labormanagement ist für die Praxisabläufe von zentraler Bedeutung. In diesem Beitrag zeige ich euch, wie ihr mit cleverer Probenlogistik, strukturierter Dokumentation und klaren Qualitätskontrollen Fehlerquellen minimiert und Ruhe in euren Laboralltag bringt.
1. Fehlerquellen in der Präanalytik ausschließen
Wusstet ihr, dass bis zu 70 % aller Laborfehler in der sogenannten Präanalytik passieren – also noch bevor die Probe überhaupt im Großlabor ankommt? Hier haben wir MFA die größte Verantwortung und zugleich auch den größten Hebel.
- Die richtige Reihenfolge: Wenn ihr mehrere Röhrchen abnehmt, ist die Reihenfolge entscheidend, um Kreuzkontaminationen der Additive zu vermeiden.
Praxistipp:Hängt euch ein kleines, laminiertes Kärtchen mit der korrekten Reihenfolge nach „SCHEF“ direkt an den Blutentnahmeplatz:
- Serum (rot/braun)
- Citrat (hellblau)
- Heparin (grün/orange)
- EDTA (rot/violett)
Fluorid (grau/gelb)
- Stauzeit minimieren: Lasst den Stauschlauch nicht länger als eine Minute am Arm. Eine zu lange Stauung führt zu Hämolyse und verfälscht Kalium- oder Gerinnungswerte massiv.
- Röhrchen schwenken, nicht schütteln: Kippt die Röhrchen direkt nach der Entnahme 5- bis 8-mal sanft über Kopf. Wer schüttelt, zerstört die Erythrozyten/rote Blutkörperchen (Hämolyse).
- Patientenvorbereitung prüfen: Fragt lieber einmal zu viel nach: „Haben Sie heute Morgen Ihre Schilddrüsentablette genommen?“, oder „Sind Sie wirklich nüchtern?“ Ein kurzes Nachhaken erspart euch und dem Patienten eine erneute Blutentnahme.
Blutkulturen immer als Erstes abnehmen.
2. Probenlogistik: Zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Nichts ist ärgerlicher als eine verlorene oder unbrauchbar gewordene Probe. Eine saubere Logistik ist das A und O.
- Etikettieren VOR der Entnahme: Beschriftet oder beklebt die Röhrchen immer im Beisein des Patienten und gleicht den Namen ab. Ein vertauschtes Röhrchen kann fatale Folgen haben.
- Temperaturketten einhalten: Manche Parameter (wie Ammoniak oder Homocystein) müssen zwingend auf Eis gelagert werden, andere dürfen auf keinen Fall in den Kühlschrank.
- Zentrifugieren mit System: Achtet auf die Gerinnungszeiten (Serum braucht meist 30 Minuten Standzeit vor dem Zentrifugieren) und die richtigen Drehzahlen. Ein Kurzzeitwecker am Laborplatz wirkt Wunder.
Praxistipp:Legt euch im Laborkühlschrank farbige Körbchen an (z. B. Rot = Express/Eis, Blau = Normale Kühlung), damit die Abholung durch den Fahrdienst reibungslos klappt.
3. Qualitätskontrolle (RiliBÄK): Pflichtaufgabe
Die RiliBÄK, Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen, legt die Anforderungen an das Labormanagement fest. So könnt ihr die Qualitätskontrolle zur festen, stressfreien Routine machen:
- Feste Zuständigkeiten: Ernennnt eine „Labor-Beauftragte“ und eine Stellvertretung im MFA-Team. Wenn alle verantwortlich sind, macht es am Ende keiner.
- Feste Zeiten: Führt die Kontrollmessungen immer morgens als allererste Amtshandlung durch, noch bevor der erste Patient da ist.
- Temperatur-Logbuch: Kontrolliert täglich die Temperatur des Laborkühlschranks und des Raumes.
Praxistipp: Digitale Thermometer mit Alarmfunktion und App-Anbindung nehmen euch das händische Aufschreiben ab und warnen, falls der Kühlschrank am Wochenende ausfällt.
4. Dokumentation und Befundmanagement
Was nicht dokumentiert ist, ist nicht passiert. Ein lückenloses System schützt euch rechtlich und spart wertvolle Zeit bei Rückfragen.
- Das Laborausgangsbuch (digital oder analog): Führt konsequent Buch darüber, welche Proben wann an welches Labor gegangen sind. Hakt ab, wenn der Befund da ist. So fällt sofort auf, wenn ein wichtiger Histologie-Befund nach zwei Wochen noch immer fehlt.
- Pathologische Werte markieren: Vereinbart im Team ein klares Vorgehen für kritische Laborwerte.
- Recall-System für Patienten: Nutzt die Praxissoftware, um Patienten für anstehende Kontrollen automatisch zu erinnern. Das entlastet euer Telefon enorm.
Praxistipp: Extrem abweichende Werte bekommen in der Software sofort einen roten Marker oder werden als Ausdruck mit einem Post-it („Eilt!“) direkt auf den Schreibtisch der Ärztin gelegt.
Struktur statt Stress
Ein gut gemanagtes Labor rettet euch an vollen Tagen sprichwörtlich den Hals. Indem ihr feste Routinen für die Präanalytik, klare Zuständigkeiten für die Qualitätskontrolle und wasserdichte Dokumentationsprozesse etabliert, minimiert ihr Fehlerquellen und sorgt für eine hohe Patientensicherheit.
Welcher Prozess im Labor raubt euch aktuell die meisten Nerven? Habt ihr ultimative Labor-Hacks, die ihr mit uns teilen wollt?
Viele Grüße
Eure Steffi