Mehr Flexibilität für MFA – zwischen Gleitzeit, 4-Tage-Woche und Homeoffice
Flexibilität ist kein Luxus mehr, sondern ein Muss – das gilt insbesondere auch für die Arbeitszeitmodelle, die Arztpraxen ihrem Praxisteam anbieten sollten. Viele Medizinische Fachangestellte (MFA) wünschen sich mehr Einfluss auf einen flexiblen Beginn und auch planbares Ende ihrer Arbeitstage. Doch wie weit lässt sich das mit festen Sprechzeiten vereinbaren? Nach dem ersten Teil dieser Reihe zu den klassischen Arbeitszeitmodellen zeige ich euch in diesem Blog Möglichkeiten mit mehr Flexibilität auf.
Neues Denken für alte Strukturen kann helfen, qualifizierte Teammitglieder langfristig zu halten. Ein Eingehen auf die persönlichen und privaten Bedürfnisse ist unerlässlich, um wichtige Fachkräfte für sich zu gewinnen. Verschiedene Flexibilisierungsansätze in der Arbeitszeit können dabei den Unterschied machen.
Gleitzeit – mehr Freiheit mit Verantwortung
In größeren Teams klappt Gleitzeit erstaunlich gut. „Wir haben feste Kernzeiten, aber an zwei Tagen pro Woche habe ich Gleitzeit. Wenn ich an den Tagen später komme, ist das kein Problem“, erzählt Melanie, MFA in eine Arztpraxis mit orthopädischem Schwerpunkt. Gleitzeit braucht eine gute Organisation, Vertrauen und klare Vertretungsregeln.
Vorteile:
- Flexibler Start in den Tag oder flexibles Arbeitszeitende, um private Termine wahrzunehmen – ohne einen halben Urlaubstag einreichen zu müssen
- Entlastung bei familiären Verpflichtungen
- Zufriedenere Mitarbeitende
Nachteile:
- Abstimmung notwendig
- Arbeitsschwerpunkte und -Aufgaben müssen gut organisiert und eingeplant werden
- In kleinen Praxen schwer umsetzbar
4-Tage-Woche – komprimiert, aber intensiv
Vier Tage, dafür längere Schichten: Das Modell ist beliebt. „Ich nutze den freien Tag für private Termine. Ich habe den Mittwoch frei. Eine Kollegin hat immer freitags frei und verlängert sich ihr Wochenende“, sagt Tatjana.
Vorteile:
- Ein freier Tag jede Woche für private Termine und Pläne
- Voller Einsatz an den vier Tagen für die Arztpraxis, was auch dem Arbeitgeber sehr entgegenkommt
Nachteil:
- Längere Arbeitstage, wenn man nicht die Stunden deutlich reduziert
Tipp: Ein Workshop zur Stressprävention kann helfen, lange Tage gut zu bewältigen.
Homeoffice – möglich, aber als MFA eher begrenzt
Patientenkontakte bleiben der Kern des Berufs. Trotzdem können Aufgaben wie Abrechnung oder Organisation von zu Hause erledigt werden. Besonders Praxismanagerinnen können hiervon teilweise profitieren.
Vorteile:
- Arbeiten in ruhiger Umgebung, hohe Konzentration bei Verwaltungsaufgaben
- Wegfall von Pendelzeiten und mehr persönliche Flexibilität
- Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, besonders bei Kindern oder Angehörigenpflege
- Möglichkeit, auch bei leichten Erkrankungen oder eingeschränkter Mobilität tätig zu bleiben
Nachteile:
- Fehlender direkter Kontakt zu Team und Patienten
- Erschwerte spontane Absprachen oder Rückfragen
- Datenschutz- und IT-Anforderungen (gesicherte Praxissoftware, stabile Verbindung)
- Gefahr der Entkopplung vom Praxisteam bei häufigem Homeoffice-Einsatz
Tipp: Homeoffice funktioniert am besten, wenn klare Zeitfenster, Datenschutzrichtlinien und Kommunikationsroutinen festgelegt sind – z. B. tägliches virtuelles Team-Check-in.
Praxisbeispiel: Ein MVZ in Köln erlaubt seinen Verwaltungs-MFA, freitags Homeoffice zu machen – Ergebnis: weniger Fehlzeiten, mehr Zufriedenheit.
Abendsprechstunden – Modell für Spätaufsteher
Sprechstunden am Abend sind mittlerweile keine Seltenheit mehr. Insbesondere für berufstätige Patienten und privat Versicherte sind ausgedehnte Sprechzeiten interessant und ein Wettbewerbsvorteil für die Praxis. Gerade in Großstädten werden abendliche Sprechstunden immer häufiger. Wer Familie hat, empfindet das als MFA oft als Belastung, andere genießen jedoch einen späteren Start in den Tag oder einen freien Vormittag und sind gerne in den Abendstunden im Einsatz.
Vorteile:
- Entlastung der morgendlichen Stoßzeiten
- Attraktiv für MFA, die lieber später starten oder morgens private Termine erledigen
- Bessere Patientenbindung durch flexible Sprechzeiten
- Möglichkeit, Schichtdienste klar zu strukturieren (z. B. Früh-/Spätdienste)
Nachteile:
- Gefahr der Ermüdung bei langen oder aufeinanderfolgenden Abenddiensten
- Späte Arbeitszeiten erschweren Familienorganisation, besonders mit kleinen Kindern
- Erhöhter Abstimmungsbedarf im Team (Vertretung, Schlüsselübergabe, Sicherheit)
- Eingeschränkte Freizeitplanung bei häufig wechselnden Spätschichten
Praxisbeispiel: In einer internistischen Praxis in Leipzig wechseln sich zwei MFA wochenweise ab – eine übernimmt vormittags, die andere nachmittags bis 19 Uhr. So bleibt die Praxis flexibel und das Team ausgeglichen.
Mehr Flexibilität funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen. Wer Vertrauen, klare Strukturen und Offenheit kombiniert, schafft zufriedenere Teams – und eine gute Patientenbindung gleich dazu.
Welche Erfahrungen habt ihr mit diesen Arbeitszeitmodellen gemacht?
Viele Grüße
Eure Steffi