Lebensphasen im Fokus – Elternzeit, Hausbesuche, Teilzeitrente, Arbeitszeitkonto & Jobsharing
Praxisalltag, Freizeit

Lebensphasen im Fokus – Elternzeit, Hausbesuche, Teilzeitrente, Arbeitszeitkonto & Jobsharing

Kaum ein Beruf begleitet Menschen so beständig wie der der Medizinischen Fachangestellten (MFA) – im besten Fall über Jahrzehnte. Dabei verändern sich private Anforderungen, körperliche Belastbarkeit und Prioritäten. Flexible langfristige Modelle helfen, MFA in ihrem Beruf zu „halten“ und dabei auch motiviert zu bleiben. Die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Lebensphasen müssen Arztpraxen dabei im Blick behalten. Ich zeige euch in diesem Blog-Beitrag verschiedene Arbeitszeitmodelle, die die Lebensrealität abbilden. 

MFA und Eltern-Dasein unter einem Hut: Elternzeit und Wiedereinstieg

Die Geburt eines Kindes ist ein absoluter Wendepunkt im Leben – auch und gerade für MFA. Viele fragen sich: „Wie schaffe ich den Spagat zwischen Job, Familie und mir selbst?“ Das deutsche Elternzeitgesetz macht’s möglich. Nach den §§ 15–18 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) können Beschäftigte bis zu drei Jahre pro Kind in Elternzeit gehen – ein großes Plus an Familienfreundlichkeit, aber auch eine Herausforderung für jedes Praxisteam.

Sarah, MFA in einer HNO-Praxis, sagt: „Ich habe rechtzeitig Elternzeit beantragt, um nach der Geburt flexibel zu bleiben. Meine Kolleginnen haben die Mehrarbeit super aufgefangen – und beim Wiedereinstieg durfte ich sogar erst mal mit wenig Stunden starten.“

Vorteile

  • Sichere Auszeit für die Kinderbetreuung
  • Schutz vor Kündigung während der Elternzeit
  • Anspruch auf Rückkehr zur (ähnlichen) Stelle
  • Flexible Teilzeit während Elternzeit möglich

Nachteile

  • Potenziell eine Einkommenslücke
  • Team muss Mehrarbeit auffangen und langfristig planen
  • Nicht jeder individuelle Elternzeitwunsch umsetzbar

Reduzieren im Alter – mit Teilzeitrente entspannt den Übergang gestalten

Wenn sich nach jahrzehntelanger Praxiserfahrung das Gefühl einstellt: „Ich schaffe nicht mehr das volle Pensum, aber aufhören möchte ich auch noch nicht“, dann bietet sich die Teilzeitrente an. Ab einem Alter von 55 Jahren besteht grundsätzlich die Möglichkeit, in die sogenannte „Teilzeitrente“ zu gehen. Ein gesetzlicher Anspruch besteht hier allerdings nicht, das heißt, dass der Arbeitgeber diesem Vorhaben zustimmen muss. 

Im sogenannten „Blockmodell“ arbeitet der Arbeitnehmer in Vollzeit und baut „Überstunden“ auf bei einem Teilzeitgehalt. Nach Ende der Arbeitszeit innerhalb des Modells ist der Mitarbeiter freigestellt („Freistellungsphase“) – bei Fortzahlung des Teilzeit-Gehalts. Der offizielle Renteneintritt wird dadurch verzögert. 

Eine andere Option ist das „Gleichverteilungsmodell“: Während der Altersteilzeit wird die Arbeitszeit um die Hälfte reduziert. Es ist also eine dauerhafte Teilzeittätigkeit vor Renteneintritt. 

Bei beiden Modellen muss der Arbeitgeber 20 Prozent des reduzierten Gehalts aufstocken und mindestens 80 Prozent der bisherigen Rentenversicherungsbeiträge zahlen. Das Rentenniveau des Arbeitnehmers verändert sich durch die Modelle. Hier muss individuell genau geprüft werden, welches Modell in welcher Form zu empfehlen ist. 

Vorteile

  • Erfahrungsträger bleiben im Team
  • Reduziertes Arbeitspensum, individuell wählbar
  • Finanzielle Flexibilität, Rentenbezug und Gehaltsanteil kombinierbar

Nachteile

  • Weniger Gehalt als früher
  • Koordination mit Rentenkasse nötig
  • Manche Tätigkeiten körperlich möglicherweise nicht mehr möglich

Hausbesuche – flexible Einsätze, viel Eigenverantwortung

Immer mehr MFA mit Zusatzqualifikation (z.B. VERAH oder NäPa) übernehmen eigenständig Hausbesuche. Das bedeutet: Morgens Kasack schnappen, Auto starten, und raus zu „den eigenen Patienten“. Hier ist nicht nur Allround-Wissen, sondern auch Organisationstalent gefragt.

Die Arbeitszeiten können hier in großer Eigenverantwortung und flexibel geplant werden. Petra, erfahrene VERAH: „Ich liebe die Abwechslung! Kein Tag ist wie der andere, und die Dankbarkeit der älteren Patienten ist echt schön.“

Vorteile

  • Abwechslung und viel Eigenverantwortung
  • Intensiveres Verhältnis zu den Patienten
  • Flexible Tagesgestaltung möglich

Nachteile

  • Organisation aufwändig (Material, Termine)
  • Unterwegs meist allein, fachlicher Austausch fehlt manchmal
  • Wetter, Verkehr und spontane Einsätze können stressen

Arbeitszeitkonto & Sabbatical – Überstunden sinnvoll nutzen

Ein Arbeitszeitkonto (oder Langzeitkonto) ist wie ein Sparkonto für Stunden: Überstunden, Mehrarbeit oder nicht genommener Urlaub werden gesammelt und später als bezahlte Freistellung genutzt – etwa für ein Sabbatical. Das erfordert zwar Disziplin und Planung, bietet aber einen echten Motivationsschub, wenn ein „Auszeit-Joker“ im Hinterkopf wartet.

In einer großen Gemeinschaftspraxis sammelt MFA Lisa seit zwei Jahren Plusstunden, um ein halbes Jahr eine Weltreise zu machen. „Das Zeitwertkonto macht’s möglich – ohne Gehaltseinbußen!“

Vorteile

  • Längere Auszeiten sind flexibel möglich (aber bitte unbedingt frühzeitig mit dem Arbeitgeber abstimmen!)
  • Gehalt & Sozialversicherung laufen weiter
  • Motivation und Bindung ans Team steigen

Nachteile

  • Umsetzung in kleinen Praxen oft schwierig
  • Viel Disziplin und Vorabsprache nötig
  • Vertretung muss langfristig organisiert werden

Jobsharing – geteiltes Glück, halbe Last

Jobsharing heißt: Zwei MFA teilen sich eine Vollzeitstelle. Ob wegen Familie, Weiterbildung oder einfach mehr Freizeit – so bleiben Beruf und Privatleben im Gleichgewicht. Das klappt, wenn sich beide gut abstimmen und die Aufgaben klar verteilt sind.
Jasmin sagt: „Mein Tandem-Partnerin und ich sprechen uns täglich per Sprachnachricht ab. So ist immer alles rund und keiner geht unter.“

Vorteile

  • Flexible Arbeitszeiten, ideale Vereinbarkeit mit Privatleben
  • Vertretung im Urlaub oder bei Krankheit meist kein Problem
  • Lange Öffnungszeiten möglich (Morgen-/Nachmittags-Teams)

Nachteile

  • Abstimmung und Kommunikation sind ein Muss und zugleich eine Herausforderung
  • Nicht jede Praxis oder Chefin findet Jobsharing praktikabel
  • Verantwortlichkeiten müssen glasklar geregelt sein

Wer Arbeitszeitmodelle klug kombiniert und genau hinsieht, was in der aktuellen Lebenssituation wirklich gebraucht wird, bleibt – so der Tenor aus vielen Praxen – länger gesund, motiviert und zufrieden im Beruf. Dennoch ist jedes „ausgefallene“ Arbeitszeitmodell auch mit gewissen Herausforderungen und Hürden verbunden.

Mit welcher Lebenssituation seid ihr konfrontiert? Gibt es ein Arbeitszeitmodell, mit dem ihr liebäugelt? Was macht aus eurer Erfahrung viel Sinn und was funktioniert eher nicht gut? Ich bin gespannt, welche Erfahrungen ihr teilt.

Viele Grüße

Eure Steffi

Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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