Ältere Patienten: Herausforderungen und Chancen für MFA
Praxisalltag

Ältere Patienten: Herausforderungen und Chancen für MFA

Herr Schmidt (82) kommt fast jede Woche zu euch: Diabetes, Herzinsuffizienz, drei Tabletten pro Mahlzeit – und seine Tochter fragt nach jedem Termin in der Praxis nach, was besprochen wurde. Als MFA jongliert ihr Zeit, Medikamentenlisten und Familienfragen. Doch mit DMP-Strukturen und einer Fortbildung „Ambulante Versorgung älterer Menschen“ wird aus Chaos ein klarer Plan – zum Wohl von Patienten und Praxis.

Demografie verändert den Praxisalltag

Über 50% eurer Patienten sind älter als 65, viele chronisch krank und multimorbide. Diese Gruppe bringt besondere Lebensumstände mit: pflegende Angehörige, die sich in die Versorgung einmischen, Polymedikation mit Wechselwirkungsrisiken und einen Alltag, der sich fast nur um Krankheitsthemen dreht. Als MFA koordiniert ihr Termine, erklärt Medikamente und unterstützt Familien. Hier helfen Disease Management Programme (DMP) – und gezielte Fortbildung.

Lebensumstände chronisch Kranker

Chronisch Kranke leben oft „im Krankheitsmodus“ – der Fokus liegt auf Symptomen, Medikamenten, Kontrollterminen und den Inhalten der Arztgespräche:

  • Polymedikation: 5–10 Medikamente täglich, Vergesslichkeit, was zu fehlender Compliance führt, mögliche Wechselwirkungen.
  • Pflegende Angehörige: Angehörige organisieren Termine, fragen nach – sie sind oft selbst überfordert, weil sie in einer anderen Lebensphase mit ihren eigenen Herausforderungen leben.
  • Abhängigkeit: Mobilität ist eingeschränkt, Praxisbesuche dienen teils als „Sozialkontakt“.
  • Psychische Belastung: Angst vor Verschlechterung, Isolation und Konsequenzen der Erkrankung(en) auf den eigenen Alltag und das Älter-werden.

Als MFA kann man an manchen Stellen helfen, aber keine 1:1 Betreuung ermöglichen. Ihr könnt Medikamentenpläne ausdrucken, Angehörige (nach Zustimmung des Patienten!) einbinden und Verständnis signalisieren.

Tipp: Schaut einmal in unseren DRACO-Blog-Artikel rein (z. B. „Dauerpatienten 70+: Zwischen Fürsorge und Praxis-Realität“: https://www.draco.de/blog/dauerpatienten-70-zwischen-fuersorge-und-praxis-realitaet/) – praxisnahe Tipps inklusive!

DMP – strukturierte Versorgung nutzen

Disease-Management-Programme (DMP) für die Behandlung von Diabetes, Asthma/COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) oder KHK (koronare Herzkrankheit) bieten klare Leitlinien, feste Terminvorgaben und Qualitätssicherung. Viele Praxen sind schon DMP-zertifiziert – hier seid ihr MFA entscheidend:

  • Feste Terminkorsos: z. B. Diabetes: Basis-Termin, 6-Wochen-Check, Quartalskontrolle.
  • Dokumentation: DMP-Blätter ausfüllen, Laborwerte eintragen, Patienteninformationen.
  • Qualitätsziele: HbA1c im Zielbereich, Impfstatus prüfen, Fußstatus dokumentieren.

Tipp: Hier findet ihr Fortbildungen zu DMP: https://www.draco.de/wundeplus/dmp-fuer-chronische-krankheiten/ und hier noch mehr Informationen: https://www.draco.de/blog/dmp-schulung-und-fortbildung-fuer-mfa-alles-wissenswerte

Herausforderungen für MFA in der Praxisversorgung

Trotz DMP bleibt der Alltag komplex – typische Stolpersteine:

Zeitmanagement:

  • Chroniker brauchen längere Gespräche
  • Lösung: Bietet feste DMP-Sprechstunden oder Zeitfenster für chronisch kranke Patienten an (z.B. dienstags und donnerstags vormittags), „Kümmerer-MFA“ als feste Ansprechpartnerin.

Kommunikation:

  • Vergesslichkeit, Hör-/Sehschwäche, Angst vor Komplikationen
  • Lösung: Große Schrift und leichte Sprache, Bilder zur Erklärung, Angehörige mit einbeziehen.

Medikamentenmanagement:

  • Pillenboxen falsch gefüllt, Doppelgaben, Wechselwirkungen
  • Lösung: Medikamentenpläne ausdrucken, im Austausch mit der Apotheke stehen und ggf. dorthin verweisen, DMP-Checklisten nutzen.

Angehörigenbeteiligung:

  • Überforderte Kinder wollen „alles wissen“, sind teilweise aber auch überfordert mit medizinischen Informationen, Antragsstellungen mit Kassen etc. – als MFA müsst ihr Fürsorge und auch Datenschutz ausbalancieren
  • Lösung: Vollmacht verschriftlicht einholen, klare Info-Materialien mitgeben.

Fortbildungen zu DMP bei DRACO WUNDE+

Die Weiterbildungsplattform DRACO WUNDE+bietet verschiedene Fortbildungen zu DMP an, die genau auf euch MFA zugeschnitten sind – praxisnah und zukunftsweisend.

Inhalte:

Praxisrelevanz:

Hoch! Bis 2030 sind 25% der Bevölkerung über 65, chronische Erkrankungen steigen um 30%. MFA mit Know-how im Bereich dieser chronischen Erkrankungen sind gefragt.

Hier findet ihr den Link zu der Fortbildung: https://www.draco.de/wundeplus/dmp-fuer-chronische-krankheiten/

Zukunftsperspektive – MFA als Geriatrie-Expertin

Die Versorgung älterer Menschen wird zentrales Praxis-Thema. Mit DMP-Know-how und Geriatrie-Fortbildung werdet ihr unverzichtbar:

  • HZV-Modelle (Hausarzt-zentrierte Versorgung) erweitern DMP um Bonus-Systeme
  • Digitale Helfer in Form von Apps für das Medikamentenmanagement oder auch Telemedizin für Kontrollen und Zwischendurch-Gespräche
  • Team-Delegation wird zukünftig relevanter, indem mehr Aufgaben und Verantwortung an MFA übergehen werden (Blutdrucktraining, Wundversorgung)

Ältere, chronisch kranke Patienten brauchen eure MFA-Präsenz, aber vor allem Struktur – beispielsweise durch Teilnahme an einem DMP. Mit Fortbildungen in diesem Bereich seid ihr zukunftssicher – für euch selbst, eure Patienten und die Praxis.

Wie stellt ihr die Versorgung chronisch kranker, älterer Patienten sicher? Welche Tipps und Ideen könnt ihr mit euren Kolleginnen und Kollegen teilen? Schreibt es in die Kommentare!

Viele Grüße

Eure Steffi

Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

E-Mail schreiben