Zi-Umfrage: Hohe Unzufriedenheit mit Praxissoftware
Viele Praxen klagen über fehleranfällige Software, hohe Kosten und unzureichenden Support. Gleichzeitig befürchten sie, dass ein Wechsel des Praxisverwaltungssystems mit hohem Aufwand verbunden wäre. Doch die Bereitschaft, auf einen anderen Anbieter umzusteigen, wächst.
Immer mehr Praxisteams sind frustriert von ihrer aktuellen Praxissoftware. Eine aktuelle Erhebung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) hat ergeben, dass mehr als jede dritte Praxis über einen Wechsel des Praxisverwaltungssystems (PVS) nachdenkt. Hauptgründe sind zu komplizierte Bedienoberflächen, versteckte Gebühren und ein schlechter Kundenservice. Besonders häufig bemängeln die Teilnehmenden fehlerhafte Funktionen, die im Arbeitsalltag viel Zeit kosten.
Kaum Verbesserungen gegenüber dem Vorjahr
An der bundesweiten Befragung des Instituts haben mehr als 3.100 Praxen und medizinische Versorgungszentren teilgenommen. Sie bewerteten insgesamt 32 Softwaresysteme, die gemeinsam über drei Viertel des Markts abdecken. Besonders zufrieden äußerten sich die Befragten aber nicht: Auf einer 100-Punkte-Skala zur Benutzerfreundlichkeit erreichten die verschiedenen Angebote im Durchschnitt nur 63,1 Punkte – die Werte sind nur leicht gestiegen, obwohl dieser Punkt schon im vergangenen Jahr ganz oben auf der Liste stand.
Dementsprechend verwundert es nicht, dass die Weiterempfehlungsrate ebenfalls stagniert: bei 5,7 von 10 Punkten. Etwa die Hälfte der Befragten hält zudem die Preise für überzogen und bemängelt eine fehlende Kostentransparenz.
Große Qualitätsunterschiede und immer die gleichen Probleme
Deutliche Unterschiede zeigen sich zwischen den einzelnen Anbietern: Manche Systeme werden durchgehend positiv bewertet, andere schneiden in fast allen Kategorien schlecht ab. Die größte Unzufriedenheit entsteht durch unzureichende Benutzerfreundlichkeit. Auch der Support bleibt ein Schwachpunkt: Rund die Hälfte der Nutzenden beklagt sich über lange Wartezeiten bei Rückmeldungen beziehungsweise Problemen. Dem stünden jedoch hohe Lizenzkosten und zum Teil sogar Preissteigerungen gegenüber.
Besonders störanfällig ist nach wie vor das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), dicht gefolgt von der Verbindung zur Telematikinfrastruktur (TI). Auch elektronische Rezepte (E-Rezepte) führen häufig zu Fehlermeldungen. Dagegen laufen die Abrechnung, Terminplanung und Diagnosekodierung laut Nutzerbefragung weitgehend stabil.
Der Wechsel zu einem besseren PVS
Viele Praxen zögern trotz ihrer Unzufriedenheit einen Wechsel hinaus, weil sie befürchten, dass die Umstellung mit einem hohen Aufwand verbunden sein könnte oder sogar Daten verloren gingen.
Diese Sorgen scheinen allerdings weitgehend unberechtigt zu sein. Praxen, die bereits einen Wechsel vollzogen haben, berichten in der Regel von positiven Erfahrungen: Über 70 Prozent gaben an, dass die Datenübertragung zuverlässig funktionierte. Auch Schulungen und Einführungsmaßnahmen wurden von den meisten als praxisnah und hilfreich empfunden.
Das Zi stellt auf seiner Website ein interaktives Vergleichsportal zur Verfügung. Dort lassen sich die getesteten Systeme hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit, Preisstruktur und Fehlerquote vergleichen – eine nützliche Orientierungshilfe für alle, die über einen Wechsel nachdenken.
Hier geht’s zum interaktiven PVS-Vergleichsportal.
Tipps für MFA
Als MFA sollten Sie Schwierigkeiten mit der Softwarenutzung sammeln und dokumentieren. Es empfiehlt sich, kleine Teamrunden einzurichten, um häufige Fehlermeldungen oder wiederkehrende Probleme zu analysieren. Wenn dabei der Eindruck entsteht, dass das PVS unzuverlässig ist, dient diese Liste gleichzeitig als Gesprächsgrundlage, um gemeinsam mit der Praxisleitung über einen Wechsel nachzudenken. Mittelfristig stellt ein gut funktionierendes PVS eine erhebliche Entlastung im Arbeitsalltag dar, auch wenn Sie sich in ein neues System erst einarbeiten müssten. Unbedingt empfehlenswert sind Schulungen, um die Umstellung zu erleichtern.