Wenn Patientinnen und Patienten nicht ehrlich sind
 - Arztpraxis

Wenn Patientinnen und Patienten nicht ehrlich sind

Eine aktuelle Studie zeigt: Viele Menschen verschweigen in der Arztpraxis wichtige Informationen. Sie als MFA können gezielt gegensteuern.

YouGov hat im Auftrag von Doctolib online über 1.000 Erwachsene befragt. Sie wurden repräsentativ ausgewählt. Dabei gab mehr als jede dritte Person an, in der Arztpraxis schon einmal bewusst nicht die Wahrheit gesagt oder wichtige Informationen zurückgehalten zu haben. Besonders häufig verschweigen Patientinnen und Patienten Symptome, private oder soziale Belastungen sowie psychische Probleme. Viele verharmlosen oder leugnen zudem Tabak- und Alkoholkonsum, Gewicht sowie ungesundes Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Auch die Frage, ob jemand Therapien und Empfehlungen wirklich umsetzt, lädt häufig zum Flunkern ein. 

Die Studie macht deutlich, dass vor allem jüngere Erwachsene Informationen zurückhalten und dass den meisten Menschen mögliche Folgen wie Fehldiagnosen, unwirksame Therapien oder unnötige Untersuchungen durchaus bewusst sind. Als Gründe nannten die Befragten unter anderem Angst vor Bewertung. Außerdem glauben viele Deutsche, bestimmte Angaben seien für die Behandlung unwichtig. 

Was das für Ihren Praxisalltag bedeutet
Als MFA stehen Sie oft früher und länger im Kontakt mit Patientinnen und Patienten als die Ärztin oder der Arzt. Diese Nähe stärkt Vertrauen und öffnet Türen, um mehr Informationen zu gewinnen. 

Interessanterweise verharmlosen viele Menschen sogar körperliche Beschwerden, etwa die Dauer oder Stärke der Symptome – obwohl sie wegen dieser Probleme einen Termin in der Praxis vereinbart haben. 

Tipps für MFA 

In dieser Hinsicht können Sie als MFA einen wichtigen Beitrag leisten: In der Regel führen Sie ein kurzes Vorgespräch, um den Anlasse für den Besuch für den Arzt oder die Ärztin zu hinterlegen. Erklären Sie bei dieser Gelegenheit, warum bestimmte Angaben für Diagnose und Behandlung wichtig sind. Signalisieren Sie, dass Sie Verständnis für Scham und Unsicherheit haben und dass auch kleine Schritte in Richtung Veränderung zählen. Betonen Sie zudem, wie wichtig es ist, Symptome nicht zu beschönigen. 

Wenn Patientinnen und Patienten nicht ehrlich sind
Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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