Im Winter aktuell: Fragen zu Vitamin D
In der sonnenarmen Zeit steht die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten hoch im Kurs. Wem können Sie dazu raten?
Die menschliche Haut kann bei ausreichender UV-B-Bestrahlung Vitamin D selbst bilden. In Deutschland reicht die Kraft der Sonne allerdings nur etwa von März bis Oktober dafür aus. Haben gesunde Menschen ihre Speicher gut gefüllt, können sie im Winter davon zehren. Doch unsere moderne Lebensweise führt häufig zu einer geringen Sonnenexposition und einem nachfolgendem Vitamin-D-Mangel – insbesondere im Winter. Auf der anderen Seite sind zu hohe Einnahmen auch nicht sinnvoll. Was also gilt?
Als Beschäftigte im Gesundheitswesen werden Sie häufig mit diesem Thema konfrontiert. Wir haben Ihnen die wichtigsten Infos zusammengestellt.
Welche Risikogruppen für einen Vitamin-D-Mangel gibt es?
- Säuglinge ohne Vitamin-D-Prophylaxe, die ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden: Im Regelfall erhalten Säuglinge ab der ersten Lebenswoche bis zum zweiten erlebten Sommer – also für 12 bis 18 Monate – 500 Internationale Einheiten (I.E.) = 12,5 Mikrogramm (µg) Vitamin D täglich. Insbesondere bei Präparaten in Tropfenform besteht die Gefahr einer Überdosierung.
- Menschen mit sehr geringer Sonnenexposition, wie zum Beispiel bettlägerige Patientinnen und Patienten oder Personen, die regelmäßig Nachtschicht haben und tagsüber kaum ins Freie gehen.
- Personen, die sich – beispielsweise aus religiösen Gründen – nur vollständig bekleidet im Freien aufhalten.
- Dunkelhäutige: Bei ihnen ist in unseren Breitengraden die Vitamin-D-Bildung reduziert.
- Senioren und Seniorinnen (ab circa 65 Jahren): Die Fähigkeit der Haut, Vitamin D herzustellen, nimmt mit dem Alter ab.
- Menschen mit Erkrankungen, die mit einer ungenügenden Verdauung im Darm einhergehen. Dazu gehören beispielsweise Zöliakie, chronisch-entzündliche Darmerkrankung wie Morbus Crohn oder die zystische Fibrose (Mukoviszidose).
- Personen mit chronischen Nieren- oder Lebererkrankungen: Bei ihnen kann das Vitamin D nicht in seine aktive Form umgewandelt werden.
- Patienten und Patientinnen, die dauerhaft Arzneimittel einnehmen, die den Calcium- oder Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen. Dazu zählen zum Beispiel Antiepileptika, antivirale Medikamente, Fungizide oder hochdosierte Glukokortikoide.
Auch vielen Schwangeren wird häufig eine Vitamin-D-Einnahme empfohlen, meist in Kombination mit Folsäure und Jod.
Welche Dosierungen sind bei einem Mangel empfehlenswert?
Ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel kann die Knochen „erweichen“ und zu Rachitis (bei Kindern) oder Osteomalazie (bei Erwachsenen) führen. Schon eine moderate Unterversorgung begünstigt Osteoporose.
Dagegen beziehungsweise zur gezielten Vorbeugung davor stehen hochdosierte Arzneimittel zur Verfügung. Sie enthalten oder empfehlen eine Tagesdosis über 20 µg = 800 I.E. Vitamin D beziehungsweise zählen entsprechende Anwendungsgebiete auf. Liegt die empfohlene Tagesdosis über 1000 I.E. = 25 µg, sind die Produkte verschreibungspflichtig. Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte das Thema unbedingt mit seinem Hausarzt oder seiner Hausärztin besprechen und den Vitamin-D-Status bestimmen lassen.
Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel
Weit verbreitet sind Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D, die viele Menschen auf eigene Faust einnehmen. Ende 2025 hat Stiftung Warentest die meisten der getesteten Produkte als „wenig geeignet“ eingestuft, da sie überwiegend zu hoch dosiert waren.
Wieder gilt: Eine ärztliche Beratung ist unbedingt empfehlenswert. Sensibilisieren Sie Patientinnen und Patienten beziehungsweise Ihre Kundschaft für eine mögliche Überdosierung. Zu hohe Vitamin-D-Spiegel können unter anderem den Calciumhaushalt gefährlich stören und zum anderen das Sturzrisiko erhöhen und so zu vermeidbaren Knochenbrüchen führen.
Zur regelmäßigen Einnahme – ohne Vitamin-D-Bestimmung – sind tägliche Gaben von 800–1000 I.E. (20–25 µg) am besten geeignet.