Elektronische Patientenakte: Lücke zwischen Anspruch und Nutzung
Viele Versicherte kennen die elektronische Patientenakte, aber nur wenige nutzen sie aktiv. Das hat eine Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) ergeben. Was für eine Bedeutung haben diese Ergebnisse für Beschäftigte im Gesundheitswesen?
Der vzbv zieht nach gut einem Jahr ePA im Opt-out-Verfahren eine ernüchternde Zwischenbilanz. Die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hat zwar schon von der ePA gehört, doch weniger als ein Fünftel greift im Alltag wirklich darauf zu.
Warum wird die ePA so wenig genutzt?
Zu seinen Erkenntnissen ist der vzbv durch eine Umfrage gekommen, die ein unabhängiges Marktforschungsinstitut durchgeführt hat. Dabei hat sich unter anderem herausgestellt, dass zahlreiche Menschen sich gar nicht erst registrieren, weil sie diesen Prozess als zu aufwendig empfinden oder auf technische Probleme stoßen. Ein Großteil der Befragten beschäftigt sich nach eigener Aussage bislang überhaupt nicht mit der ePA. Das dürfte damit zusammenhängen, dass viele den Nutzen für sich persönlich nicht sehen. Hinzu kommen Bedenken in Bezug auf den Datenschutz und die IT-Sicherheit.
Was wünschen sich Patienten und Patientinnen?
Gleichzeitig formulieren die Versicherten klare Erwartungen: Sie wollen genau bestimmen, welche Praxis welche medizinischen Daten einsehen darf. Ein beliebtes Beispiel sind sensible Informationen etwa aus einer psychotherapeutischen Praxis. Zudem wünschen sich die Menschen digitale Untersuchungshefte, automatische Hinweise auf mögliche Wechselwirkungen von Medikamenten und eine Erinnerungsfunktion, beispielsweise für Impf- oder Vorsorgetermine.
Kritik aus hausärztlichen Praxen
Der Deutsche Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) berichtet, dass die meisten Patientinnen und Patienten ihre Akte nie öffnen und oft nicht einmal wissen, dass sie überhaupt eine ePA besitzen. Im Alltag nehmen viele Fachkräfte die ePA derzeit als unübersichtliche Sammlung von PDF-Dokumenten wahr, bei der es nicht einmal eine ausgereifte Suchfunktion gäbe. Sie klagen über häufige Störungen und Ausfälle.
Warum Sie trotzdem hinter der ePA stehen sollten
Es kostet alle Beteiligten viel Zeit, Fragen zur ePA zu beantworten (ohne dafür zuständig zu sein), sich selbst mit der Technik auseinanderzusetzen und Prozesse anzupassen. Aber mittelfristig wird die elektronische Patientenakte mit viele Vorteilen für alle Beschäftigten im Gesundheitswesen verbunden sein und Zeit sparen. Unter anderem sind Informationen schneller verfügbar, unnötige Doppeluntersuchungen werden vermieden, und Berechtigte können sich einen schnellen Überblick über den Gesundheitszustand der Patienten und Patientinnen verschaffen. Bei möglichen Wechselwirkungen von Medikamenten oder einer sektorenübergreifenden Behandlung werden diese positiven Faktoren schnell ersichtlich.
Tipps für Beschäftigte im Gesundheitswesen
Versuchen Sie, die ePA als Chance zu sehen: Die Digitalisierung wird Ihnen nach einer Umstellungsphase die Arbeit erheblich erleichtern. Weisen Sie also Patienten und Patientinnen sowie Ihre Kundschaft aktiv auf die Möglichkeiten der ePA hin. Pflegekräfte sollten daran denken, dass die Daten auch für Angehörige freigegeben werden können, was Abstimmungen und Gespräche erleichtert.
Bei Schwierigkeiten mit dem Anmeldeprozess oder generellen Fragen verweisen Sie auf die jeweilige Krankenkasse.