Aus der Ferne den Puls messen
In einer Studie aus Halle haben Forschende einen speziellen Sensor getestet. Langfristig könnte er die Arbeit von Pflegekräften erheblich erleichtern.
Pflegekräfte der Universitätsmedizin Halle haben vier Wochen lang einen Radarsensor getestet. Sie setzten ihn in einer geriatrischen Abteilung und in der Dialyse ein. Der Sensor hing jeweils über dem Bett. Er erfasste Puls und Atemfrequenz ohne körperlichen Kontakt zu den Patientinnen und Patienten, und er meldete, wenn jemand das Bett verließ.
So arbeitet der Sensor
Herz und Lunge heben und senken den Brustkorb bei jedem Schlag und Atemzug um Bruchteile eines Millimeters. Der Sensor sendet Funkwellen aus, die Kleidung und Bettdecke durchdringen. Vereinfacht gesagt, fängt er die Wellen anschließend wieder auf und erkennt daran, wie sich der Brustkorb bewegt. Eine Software errechnet daraus Puls und Atemfrequenz und schickt die Werte verschlüsselt auf ein Tablet. Eine Kamera braucht das Gerät nicht.
Die Pflegekräfte waren mit dem Umgang nach einer halben Stunde vertraut und konnten die Werte ablesen. Das manuelle Messen entfiel. Nachts konnten sie die Patientinnen und Patienten daher sogar durchschlafen lassen, obwohl sie die Vitalwerte regelmäßig checkten. Im Alltag könnte das so aussehen: Die Nachtschicht verfolgt am Tablet, wie Herr M. atmet, und geht zu ihm, sobald sich die Werte ändern.
Das neue Verfahren stuften die Forschenden als besonders vorteilhaft ein für Personen mit einem erhöhten Risiko für Stürze oder ein Delir.
Die guten Erfahrungen im geriatrischen Bereich bestätigten sich allerdings nicht bei der Messung über Sensoren während der Dialyse. Dort werden Werte in Echtzeit benötigt, die über den Sensor nicht geliefert werden können. Er gibt die Berechnungen mit Zeitverzögerung aus.
Wann kommt die Technik?
Behörden in den USA und der EU haben das Gerät bereits als Medizinprodukt zugelassen. An der Studie nahmen aber nur 13 Pflegekräfte teil. Die Forschenden fordern daher zusätzliche Studien in mehreren Kliniken. Bis die Sensor-Messung zum Alltag gehört, dürfte es daher noch eine Weile dauern.