Pflanzliche Ernährung bei Kindern
Immer mehr Familien verzichten auf Fleisch oder auf alle tierischen Produkte. Neue Studien zeigen, was das für die Gesundheit bedeutet.
Als Beschäftigte im Gesundheitswesen werden Sie vermutlich immer mal wieder mit Fragen von Eltern konfrontiert, die sich für ihre Kinder eine fleischlose Ernährung wünschen, aber sicherstellen wollen, dass es ihnen trotzdem an nichts fehlt. Womöglich ist es bei Ihnen privat ähnlich. Wir haben daher die aktuellen Erkenntnisse für Sie zusammengefasst.
Fleisch landet in vielen Familien seltener auf dem Teller. Laut der Studie „nemo Erwachsene“ des Max-Rubner-Instituts leben 4,8 Prozent der Erwachsenen in Deutschland vegetarisch oder vegan. Unter den 14- bis 29-Jährigen essen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) schon 14 Prozent kein Fleisch mehr. Viele Eltern geben ihren Ernährungsstil an ihre Kinder weiter. Aber ist das tatsächlich gesund?
Aktuelle Forschungsergebnisse
Ein Team der Universität Florenz hat 59 Studien mit insgesamt mehr als 48.600 Kindern und Jugendlichen ausgewertet. Demnach nahmen die vegetarisch lebenden Kinder besonders viel Ballaststoffe, Folat, Vitamin C und Magnesium auf, aber weniger Eiweiß, Vitamin B12, Vitamin D, Zink und Eisen – weswegen sie häufiger an Blutarmut litten als Kinder, die mit einer gemischten Kost versorgt wurden. Bei vegan lebenden Kindern fehlte zudem oft Calcium.
Beide Gruppen waren im Durchschnitt etwas kleiner und schlanker, wiesen aber bessere Cholesterinwerte auf. Die Forschenden ziehen daraus den Schluss, dass Eltern es gut planen müssen, wenn ihre Kinder keine tierischen Produkte essen wollen oder sollen. Nahrungsergänzungsmittel sind zumindest bei einer vollständig pflanzlichen Ernährung unverzichtbar.
Gesunde Ernährung für Kinder
Die DGKJ hat ihre Stellungnahme 2026 überarbeitet. Ihre Fachleute warnen: Je mehr Lebensmittelgruppen eine Familie streicht, desto eher fehlen dem Kind Nährstoffe. Vitamin B12 müssen vegan lebende Kinder immer zusätzlich über Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Auch bei einer vegetarischen Ernährung sollten Eltern den Vitamin-B12-Wert prüfen lassen. Je nach Speiseplan benötigen die Kinder eventuell zusätzliches Jod, Eisen, Zink und Calcium. Wichtig: Pflanzendrinks können Milchprodukte in Bezug auf die Nährstoffversorgung nur ersetzen, wenn der Hersteller sie mit Calcium anreichert. Gegebenenfalls sei eine zusätzliche Gabe von Vitamin-D und Omega-3-Fettsäuren ebenfalls erforderlich.
Ob als PTA oder PKA in der Apotheke oder als MFA in der Arztpraxis: Empfehlen Sie Eltern, regelmäßig Blutuntersuchungen für ihre Kinder. Fehlende Nährstoffe sollten über einen angepassten Speiseplan oder Nahrungsergänzungsmittel ausgeglichen werden. Gegebenenfalls kann eine professionelle Ernährungsberatung empfehlenswert sein.