Arbeitszeit in Apotheken: Überstunden sind ein Problem
Eine aktuelle ADEXA-Befragung zeigt deutliche Unterschiede zwischen erfasster und geleisteter Arbeitszeit in Apotheken. Auch tarifliche Regelungen werden häufig nicht eingehalten.
Die Apothekengewerkschaft ADEXA hat eine Befragung unter 1.123 Beschäftigten durchgeführt. Ziel war es, die tatsächlichen Arbeitsbedingungen in öffentlichen Apotheken zu erfassen und mit den geltenden Vorgaben zu vergleichen.
Viele Mitarbeitende berichten von festen Arbeitszeiten und damit von einer gewissen Verlässlichkeit im Alltag. Viele Apothekenleitungen berücksichtigen auch persönliche Wünsche bei der Planung. Trotzdem würden Dienstpläne in der Mehrheit häufig kurzfristig geändert, und das zum Teil mit kurzen Vorlaufzeiten.
Arbeitszeiterfassung in Apotheken
Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts aus dem Jahr 2022 verpflichtet Betriebe eigentlich zur vollständigen Erfassung der Arbeitszeit der Beschäftigten. In der Praxis setzt jedoch nur etwa jede zweite Apotheke diese Vorgabe um.
Ein Problem stellen zudem vielerorts Tätigkeiten vor und nach den eigentlichen Öffnungszeiten dar. PTA oder PKA fahren Computer hoch, bereiten Arbeitsplätze vor oder machen den Kassenabschluss, ohne dass diese Zeiten gezählt würden – selbst bei vorhandenem Zeiterfassungssystem. Faktisch bleibt diese Arbeitszeit daher in vielen Fällen unbezahlt.
Auch Pflicht-Fortbildungen und Teambesprechungen gelten nicht in allen Apotheken als Arbeitszeit, müssen also im Grunde in der Freizeit geleistet werden.
Überstunden gleichen viele Betriebe durch Freizeit aus. Eine Bezahlung erfolgt hingegen deutlich seltener.
Mehrarbeitszuschläge werden mehrheitlich nicht gezahlt
Laut Tarifvertrag fallen für Mehrarbeit eigentlich Zuschläge an. Allerdings gaben nur 5,7 Prozent der Befragten an, diese tatsächlich zu erhalten. 67,6 Prozent verneinten das sogar klar. Das heißt: Selbst in Apotheken, wo Überstunden korrekt erfasst werden, erfolgt die Bezahlung nicht immer entsprechend dem Tarifvertrag.
Tipps für PTA und PKA
Überstunden und fehlende Zuschläge anzusprechen, ist ein heikles Thema. Zunächst sollten Sie sich daher mit Ihren Kollegen und Kolleginnen abstimmen und geschlossen als Team auftreten. Klären Sie gemeinsam, wie hoch die Überstunden tatsächlich sind. Dafür kann es Sinn machen, zunächst über einige Wochen die reale Arbeitszeit korrekt zu notieren. Womöglich ist der Apothekenleitung gar nicht bewusst, welchen Umfang die Mehrarbeit hat – oder Sie selbst schätzen den Zeitaufwand falsch ein.
Bei einer hohen Zahl an unbezahlten Überstunden sollten Sie im nächsten Schritt das Gespräch suchen und eine Zeiterfassung vorschlagen, beziehungsweise gegebenenfalls darum bitten, dass auch die Vor- und Nacharbeiten einbezogen werden, da es sich ebenfalls um arbeitsbezogene Tätigkeiten handelt.
Ob Sie im gleichen Gespräch auf die tariflich festgelegten Zuschläge für Mehrarbeit verweisen sollten, können Sie von der Reaktion der Apothekenleitung abhängig machen. Mitunter ist es sinnvoller, Verbesserungen nach und nach durchzusetzen.