Tablet statt Klemmbrett – Patientenaufklärung durch digitalen Aufklärungsbogen
Praxisalltag

Tablet statt Klemmbrett – Patientenaufklärung durch digitalen Aufklärungsbogen

Die digitale Aufklärung ist längst im Praxisalltag angekommen. Ganz egal, ob mit einem Tablet, am PC oder Smartphone: Der klassische Papierbogen bekommt zunehmend digitale Konkurrenz. Für Medizinische Fachangestellte (MFA) bringen digitale Tools zwar Entlastung beim Dokumentieren, aber auch neue Anforderungen im Umgang mit Technik, Datenschutz und Patientenkommunikation. 

Unsere Patienten müssen vor Eingriffen oder Behandlungen umfassend aufgeklärt werden. In der Vergangenheit hieß das: Formularstapel, Klemmbrett, Unterschrift. Doch immer mehr Praxen und Kliniken setzen inzwischen auf digitale Aufklärungsbögen. Sie versprechen effizientere Abläufe, weniger Papier und besser verständliche Informationen für unsere Patienten. Für uns MFA bedeutet das: Wir müssen einmal mehr unsere Rolle zwischen Technik und persönlicher Betreuung ausbalancieren. 

Was macht also eine gute Aufklärung mit digitalen Aufklärungsbögen aus? Welche Vorteile aber auch Grenzen haben die technischen Formate?

Was digitale Aufklärung wirklich leistet

Digitale Aufklärungsbögen ersetzen den altbekannten Papierbogen durch eine teils sogar interaktive Anwendung. Patienten können den Inhalt auf einem Tablet oder Bildschirm lesen, vergrößern, sich vorlesen lassen oder sogar übersetzt bekommen. Moderne Systeme bieten dabei weitaus mehr als bloß ein digitales Formular:

  • Anpassbare Inhalte: Ärztinnen und Praxisteams können teilweise bei Bedarf eigene Ergänzungen, Zusatzinformationen oder Hinweise integrieren. Allerdings ist das nicht bei allen Systemen möglich; die Software muss speziell dafür ausgelegt sein.
  • Barrierefreiheit: Für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen sind Funktionen wie Vorleseoptionen, variable Schriftgrößen und kontraststarke Darstellungen mittlerweile Standard.
  • Mehrsprachigkeit und Verständlichkeit: Digitale Texte lassen sich einfach in andere Sprachen umstellen oder in vereinfachter Sprache zusammenfassen – das senkt Hürden und verbessert das Verständnis.

Diese Features können uns MFA entlasten, wenn Patienten besondere Unterstützung benötigen durch beispielsweise Beeinträchtigungen. Zugleich kann es allerdings auch zeitaufwendiger sein, neben der allgemeinen Aufklärung zusätzlich technische Abläufe, wie eine elektronische Signatur, zu erklären. 

Vorteile im Praxisalltag

Für das Praxisteam bringen digitale Aufklärungsprozesse zahlreiche praktische Vorteile:

  • Weniger Papier, mehr Übersicht: Aufklärungsbögen werden sicher digital archiviert und sind im Patientenmanagement sofort auffindbar.
  • Zeitgewinn bei Wiederholungsaufklärungen: Standardtexte oder bekannte Eingriffe lassen sich schnell neu aufrufen.
  • Sichere Dokumentation: Digitale Signaturen erleichtern den Nachweis der Aufklärung und minimieren Fehlerquellen.

Für Patientinnen und Patienten entsteht zusätzlich ein Gefühl der Transparenz: Die digitale Aufklärung signalisiert Sorgfalt und schafft Vertrauen in die Arztpraxis.

Aber: Gespräche bleiben unersetzlich

Trotz aller Vorteile der digitalen Aufklärungsbögen bleibt die persönliche Beratung durch Ärztinnen und MFA unverzichtbar. Kein Bildschirm kann ein echtes Gespräch ersetzen, wenn es um Nachfragen, individuelle Erklärungen oder auch Ängste vor einem Eingriff geht. Auch rechtlich bleibt die mündliche Aufklärung wesentlicher Bestandteil jeder Einwilligung.

Digitale Aufklärungsbögen sollen daher unterstützen - nicht ersetzen. Für technikaffine Patientinnen und Patienten – ebenso wie für Menschen mit Beeinträchtigungen – können sie aber ein echter Vorteil sein: verständlicher, zugänglicher und stressfreier.

Der digitale Aufklärungsbogen ist ein Baustein moderner Patientenkommunikation. Für uns MFA kann er den Alltag erleichtern, wenn technische und organisatorische Abläufe stimmen. Doch egal, wie digital das Formular ist – am wichtigsten bleibt das persönliche Gespräch, das Vertrauen schafft und Verständnis sichert.

Wie geht ihr mit Aufklärungsgesprächen um? Nutzt ihr digitale Tools? Welche Erfahrungen habt ihr damit bislang gemacht? Was läuft gut und wo gibt es noch Verbesserungspotenziale?

Viele Grüße

Eure Steffi

Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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