Social Media für die Praxis: So punkten MFA und das Team online
Soziale Medien sind für Arztpraxen kein Muss, aber eine Chance – wenn sie richtig umgesetzt werden. Als MFA könnt ihr mit informativen Posts zu medizinischen Themen oder organisatorischen Hinweisen zu Praxisterminen oder Impfzeiten, direkt euren Patienten helfen und die Praxis sympathisch positionieren. Social Media kann Nähe und Modernität in eurer Außenwahrnehmung schaffen.
Social Media als Praxis-Turbo
Während Patienten täglich stundenlang auf Instagram und Co. scrollen, haben viele Praxen noch keine eigene Präsenz. Dabei bieten soziale Medien enormes Potenzial: Infotainment (Information + Unterhaltung), moderne Patientenbindung und sogar Mitarbeitergewinnung. Die Bundesärztekammer gibt klare Leitplanken dazu (das lest ihr weiter unten). Außerdem möchte ich euch einige Anregungen geben, wie ihr als MFA den Umgang mit sozialen Medien sicher navigieren und eure Praxis positionieren könnt.
Wann Social Media? (Und wann lieber nicht?)
Argumente für Social Media
- 80% der Patienten suchen online nach Praxen. Mit Posts zu Wartezeiten, Impfaktionen oder „So läuft ein Termin“ könnt ihr eure Patienten informieren und Prozesse verständlicher machen.
- Euer Praxis-Image wird aufgewertet. Ihr erscheint nahbar und könnt auch medizinisch wichtige Themen positionieren.
- Ihr könnt euer Patientenklientel über eine Social Media Präsenz beeinflussen, indem ihr gezielt junge Familien ansprecht.
- Mitarbeiterbindung und -Gewinnung über kurze Image-Posts, in denen ihr euren Teamgeist – beispielsweise mit Humor – zeigt. Damit könnt ihr auch auf offene Jobstellen hinweisen. Wer will da nicht in euer Team kommen?
Argumente gegen Social Media
- Der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen. Eine „einfache“ Präsenz in den sozialen Medien kann mit 15–30 Minuten je Arbeitstag kalkuliert werden. Wenn ihr intensiv posten und kommunizieren wollt, ist nach oben kaum ein zeitliches Ende abzuschätzen. Mittlerweile gibt es spezialisierte Social Media Agenturen, die sich auf die Betreuung von Gesundheitsdienstleistern spezialisiert haben.
- Ein vorhandenes Risiko von Bewertungsstress und potenziell negativer Kommunikation über diverse Plattformen. Was einmal im Internet steht, kann nicht mehr gelöscht werden und jede eurer Reaktionen will gut überlegt und bestenfalls geplant sein.
- Auch berufsrechtliche Fallstricke sind in Erwägung zu ziehen (mehr dazu unten).
Fazit: Für junge Praxen oder Fachrichtungen mit einem Schwerpunkt kann es sehr sinnvoll sein. Für eine kleine Solo-Praxis mit älterem Patientenklientel ist es eher ein optionaler Gedanke.
Infotainment statt Werbung – MFA-Inhalte, die punkten
Unter Infotainment versteht man das Aufbereiten nützlicher Informationen mit einem unterhaltsamen und sympathischen Touch. Es wird kein Heilversprechen gegeben, sondern Mehrwert geschaffen.
Anregungen für Posts
- „Grippewelle: Unsere Impfzeiten Di und Fr 8–10 Uhr“
- „Vor der Blutabnahme: 8 Std. fasten“
- „COPD-Schulung startet nächste Woche – 5 freie Plätze!“
- „Hinter den Kulissen: So bereiten wir euren Termin vor“ (keine Patienten erkennbar!)
Zielgruppen:
- Patientenbindung: Terminerinnerungen, Wartezeit-Tipps, saisonale Informationen, lokale Aktivitäten
- Neupatienten: „Parkplätze hinten, 2 Std. kostenlos“
- Mitarbeiter: Teamevents, wie Weihnachtsfeier (Team-Bild, keine Praxisräume).
Dos and Don'ts – MFA Social-Media-Checkliste
DO's
- Praxis-Logo + Impressum im Profil
- Standard-Reaktionen auf Nutzerfragen freundlich „in der Schublade“ vorbereitet haben und zeitnah beantworten („Für Termine rufen Sie bitte an.“ Oder „Wir geben online keine Therapieempfehlung ab – das machen wir gerne im persönlichen Gespräch in unserer Arztpraxis mit Ihnen“)
- Stories („Heute volle Impfstunde!“ oder „Bei Bedarf auch zu Hause: Hausbesuche für unsere immobilen Patienten“)
- Hashtags: #EureStadtArztname #Impfen #Praxisname.
DON'Ts
- Vorher-Nachher-Bilder (Heilversprechen)
- „Bester Arzt der Stadt“ (Wettbewerbsverstoß)
- Patientenfotos (Schweigepflicht)
- „Bei Schmerzen X tun“ (Fernbehandlung)
12+1 Goldene Regeln der Bundesärztekammer – MFA-Version
Die Handreichung der Bundesärztekammer gilt 1:1 auch für euch als MFA. Hier die Kernregeln, praxisnah übertragen:
- Ärztliche Schweigepflicht beachten – auch bei „anonymen“ Fallbeispielen.
- Keine Kollegen diffamieren – Netiquette auch bei Streit hinter den Kulissen.
- Grenzen Arzt-Patient nicht überschreiten – „Privatnachrichten“ ablehnen.
- Keine Fernbehandlung – Patientin schickt Foto ihrer Wunde, dann bitte Termin vereinbaren.
- Zurückhaltung bei medizinischen Debatten – keine Online-Diagnosen, keine persönlichen Meinungen, keine Vermutungen.
- Keine berufswidrige Werbung – „#1 in unserer Stadt“ ist natürlich absolut tabu.
- Verantwortung mit Reichweite – 10 Follower? Locker. 10.000? Vorsicht geboten!
- Datenschutz beachten – Einwilligungen auch für Teamfotos einholen.
- Keine Urkunden posten – Approbation bleibt privat.
- Patientenselbstoffenbarung verhindern – Kommentare moderieren und ggf. löschen, wenn zu viele (vor allem objektiv falsche) Details oder Informationen geteilt werden, bspw. eine Therapie empfohlen wird.
- Produktbezogene Aussagen vorsichtig handhaben – keine „Wundermittel“-Empfehlungen, besser gar keine produktbezogenen Empfehlungen online abgeben.
- Haftpflicht prüfen – sind mögliche Social-Media-Schäden abgedeckt?
+1 MFA-Regel: Posten nur mit Team-OK – Nie ohne Rücksprache mit Arzt/Praxisleitung!
Hier der Link zu den 12 Regeln: https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/BAEK/Themen/Digitalisierung/2023-01-19_Handreichung_Aerzte_in_sozialen_Medien.pdf
Weitere Chancen – über die Patientenbindung hinaus
- Mitarbeitergewinnung: „Aushilfe gesucht! 2x/Woche, 15 €/Std.“ ➜ bei einem etablierten Social Media Profil steigert das eure eingehenden Bewerbungen deutlich.
- Team-Building: „MFA-Umfrage als Reel: wie steht ihr zum Praxiskaffee?“ ➜ zeigt eure interne Stimmung und schafft ein sympathisches Bild von eurem Team.
- Netzwerken: ihr könnt mit virtuell gleichermaßen aktiven Apotheken, Physiotherapeuten etc. kooperieren („Gemeinsame Impfkampagne“).
- Krisenkommunikation: „Praxis wegen Stromausfall geschlossen – Infos folgen“.
Soziale Medien sind kein Zeitfresser, sondern können ein Patientenmagnet sein – wenn ihr die 12 Regeln (+1) einhaltet. Fangt klein an: 1 Post/Woche, 5 Minuten Stories. Mit der Bundesärztekammer-Handreichung navigiert ihr sicher. Eure Patienten scrollen eh – zeigt ihnen, dass ihr modern seid!
Wie geht ihr mit den sozialen Medien in eurer Praxis um? Seid ihr zufrieden damit? Was würdet ihr gerne verändern?
Viele Grüße
Eure Steffi
PS: Anregungen für eure eigene Praxis-Website findet ihr unter diesem Link: https://www.draco.de/fuer-aerzte/online-sichtbar-sein