IT-Sicherheit für MFA: So blockt ihr Hacker ab
Praxisalltag

IT-Sicherheit für MFA: So blockt ihr Hacker ab

„Hallo, wir haben Zugriff auf Ihre Server und eine Anwendung installiert, mit der wir Informationen über weitere Nutzer und Passwörter erhalten. Ein Mitarbeiter von Ihnen hat seine Informationen und sein Standard-Passwort „MFA123:)“ in eine von uns geschickte E-Mail eingetragen. So sind wir in Ihr System gelangt. Um weiteren Schaden von Ihren Patienten abzuwenden und Ihren Betrieb am Laufen zu halten, zahlen Sie uns 100.000 Euro.“

Solche Szenarien sind Realität – aber mit klarem Wissen über Bedrohungen wie Phishing oder Ransomware und einfachen Schutzmaßnahmen könnt ihr als MFA viel verhindern. Diese Regeln sind keine Raketenwissenschaft, sondern Alltags-Tools, die eure Praxis vor Ausfällen und Erpressung bewahren. Und ich gebe euch in diesem Blog einen allerersten Einblick. Bitte bedenkt, dass das Thema umfangreich ist.

Warum IT-Sicherheit für jede Praxis zählt

In Zeiten digitaler Patientenakten, Telematikinfrastruktur und Cloud-Lösungen sind Arztpraxen ein gefundenes Fressen für Cyberkriminelle. Sensible Patientendaten wie Diagnosen, Therapien oder Versichertennummern ziehen Hacker an, die Systeme lahmlegen oder Daten erpressen wollen. Als MFA verarbeitet ihr täglich diese Infos über E-Mail, Praxissoftware oder auch mit USB-Sticks – und seid damit die erste Verteidigungslinie. Mit grundlegenden Kenntnissen und Maßnahmen schützt ihr nicht nur Daten, sondern auch die Praxisfähigkeit.

Cyberkriminalität entschlüsselt – Die gängigen Tricks

Cyberangriffe klingen kompliziert, sind es aber oft nicht: Kriminelle nutzen einfache menschliche Fehler aus, um Zugang zu Konten zu bekommen und dann Daten zu stehlen oder zu erpressen. Hier die wichtigsten Bedrohungen, klar abgegrenzt:

  • Phishing: Falsche E-Mails oder SMS täuschen vor, vom Chef, der Kasse oder IT-Dienstleister zu kommen. Klickt man darauf, landet man auf einer Fake-Seite, die Passwörter abgreift. Ziel: Kontoübernahme und Zugriff auf Patientendaten.
  • Malware: Schadsoftware, die sich über Downloads, USB-Sticks oder infizierte Websites einschleust. Sie spioniert Daten aus oder bereitet größere Angriffe vor – oft unsichtbar, bis es zu spät ist.
  • Ransomware: Eine spezielle Malware, die Dateien oder die gesamte Praxissoftware verschlüsselt und Lösegeld (oft in Krypto-Währung) verlangt. Ohne Backup oder Schlüssel sind Akten wochenlang blockiert.

Diese Angriffe zielen immer auf Erpressung: Gestohlene Daten werden verkauft, veröffentlicht oder als Druckmittel genutzt. Der Einstieg erfolgt meist über euch Mitarbeiter – nicht über komplizierte Hacker-Tricks.

Schutz vor Angriffen – MFA als erste Barriere

Die beste IT-Sicherheit beginnt beim Menschen: Als MFA seid ihr die erste Schutzbarriere, weil Angriffe oft über E-Mails, USBs oder Alltagsgeräte laufen. Technik allein reicht nicht – eure Wachsamkeit schon. Praktische Tipps:

  • Passwörter und Authentifizierung: Nutzt starke, einzigartige Passwörter (mind. 12 Zeichen, Klein- und Großbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen) und bestenfalls eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (z. B. App-Code neben dem Passwort). Teilt niemals eure Passwörter und bitte klebt sie auch nicht auf den Bildschirm als Sticky Notes.
  • E-Mails prüfen: Absender, Links und Anhänge zweimal checken – bei Zweifel eine Kollegin oder einen Kollegen fragen. 

    Schaut einmal hier:

    microsoft@mfa.de

    micr0soft@mfa.de

    Erkennt ihr den Unterschied? Ein Buchstabe „O“ wurde durch die Zahl Null ersetzt. In der Hektik des Alltags fällt so ein Detail manchmal schlicht nicht auf. 

    Besondere Vorsicht ist bei Dringlichkeit geboten:

    Klickt niemals auf Anhänge oder Links in einer Mail mit dem Betreff „Dringend: Ihr Passwort läuft ab!“ oder „Ihr Chef hat heute Geburtstag! Gratulieren Sie auf LinkedIn“.

  • Updates und Scans: Immer aktuelle Software, Antivirenprogramme und Firewalls laufen lassen. Verwendet grundsätzlich niemals private oder unbekannte USB-Sticks und steckt diese niemals in den Praxis-PC oder ein anderes Gerät eurer IT-Infrastruktur.
  • Backups: Regelmäßige, getrennte Datensicherungen (täglich + wöchentlich) solltet ihr auch offline lagern. Bei Ransomware: Netzstecker raus, IT-Dienstleister rufen.
  • ​Durch Teamregeln wie „Niemand öffnet verdächtige Mails allein“ entsteht ein starkes Schutznetz – eure tägliche Routine macht den Unterschied.

§ 75b SGB V – Die Pflichtrichtlinie umsetzen

Seit 2021 müssen alle vertragsärztlichen Praxen die IT-Sicherheitsrichtlinie nach § 75b SGB V umsetzen – eine verbindliche Regel der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Sie schützt Patientendaten vor Verlust, Manipulation oder unbefugtem Zugriff durch Mindestanforderungen zu Vertraulichkeit (kein Spionieren), Integrität (keine Änderungen) und Verfügbarkeit (keine Ausfälle).

Umsetzung in der Praxis:

  • Risikoanalyse: Praxisinhaber erstellt eine Bedrohungsübersicht (meistens in Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister) und plant Maßnahmen, um die Risiken zu minimieren.
  • Technische Schritte: Firewalls, Verschlüsselung, Zugriffsrechte regeln (z. B. MFA dürfen nur auf eigene Daten zugreifen, Updates erfolgen durch den Administrator) werden festgelegt.
  • Organisatorisch: Alle Mitarbeiter werden regelmäßig geschult, es gibt klare Prozesse bei Vorfällen und regelmäßige Checks. Dabei kann es sich beispielsweise um Phishing-Mails handeln, die der IT-Dienstleister an die Praxismitarbeiter schickt, um die Praxismitarbeiter im Alltag zu schulen. Bei mehrmaligem Anklicken auf die darin enthaltenen „falschen“ Verlinkungen, wird der betroffene Praxismitarbeiter nachgeschult. Die Dokumentation der Schulung ist natürlich Pflicht – für Audits der Kassen.

Als MFA unterstützt ihr durch Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen, wie die genutzten Geräte bei Abwesenheit zu sperren, Backups zu prüfen oder auch Vorfälle umgehend zu melden, die IT-Sicherheit in eurer Praxis. So erfüllt eure Praxis die Vorgaben und ihr haltet eure Infrastruktur und Patientendaten sicher.

Schulungen als Schlüssel – WUNDE+ macht fit

Regelmäßige Schulungen nehmen die Angst vor IT-Themen und machen euch zu Profis. Die wichtigste Barriere seid ihr als Anwender selbst – eure Wachsamkeit verhindert 90 % der Angriffe.

Die Online-Fortbildung „IT-Sicherheit in der Arztpraxis“ von WUNDE+ (https://www.draco.de/online-fortbildungen/course/view.php?id=54) erklärt euch verschiedene Bedrohungen praxisnah, mit anschließendem Test und Zertifikat: ideal als MFA-Weiterbildung – sogar von zu Hause auf der Couch – und für den notwendigen § 75b-Nachweis.

Technik und Richtlinien sind essenziell, doch die stärkste IT-Sicherheit kommt aus dem Team: Aufmerksame MFA, die Phishing erkennen, Passwörter sichern und Regeln einhalten. Mit § 75b SGB V habt ihr klare Vorgaben – nutzt Schulungen wie die von WUNDE+, um fit zu bleiben. So bleibt eure Praxis sicher, datenschutzkonform und vor Erpressern geschützt.

Was macht ihr, um eure Praxis vor Cyberangriffen zu schützen? 

Viele Grüße

Eure Steffi

Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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