Erfahren, souverän, selbstbewusst: Älter werden im Praxisalltag als MFA
Praxisalltag

Erfahren, souverän, selbstbewusst: Älter werden im Praxisalltag als MFA

Älter werden im Beruf als MFA bedeutet nicht „langsamer“ zu werden, sondern oft routinierter, gelassener und fachlich nur noch besser. In diesem Beitrag möchte ich euch zeigen, wie ihr eure Erfahrung sichtbar macht, gesundheitlich langfristig arbeitsfähig bleibt und euren Praxisalltag so gestaltet, dass ihr euch auch mit 50+ immer noch wohlfühlt. Ihr bekommt konkrete Tipps zu Ergonomie, Stressprävention, Work-Life-Balance und dazu, wie ihr euer Wissen an jüngere Kolleginnen weitergeben und aktiv zu einem starken Team beitragen könnt. 

Älter werden als Chance – Eure Erfahrung ist Gold wert

Viele Praxen merken deutlich, wie sehr sie auf erfahrene MFA angewiesen sind – nicht zuletzt durch den Fachkräftemangel. Für euch bedeutet das: Eure Routine, Patientenkenntnis und euer Verständnis von Abläufen sind echte Schlüsselfaktoren im Team.

Typische Stärken erfahrener MFA:

  • Überblick über Abläufe, Schnittstellen und „inoffizielle“ Wege aus Erfahrungswissen heraus, die den Alltag erleichtern.
  • Langjährige Patientenbeziehungen, die Vertrauen und Bindung schaffen.
  • Hohe Fachkompetenz, z.B. bei Abrechnung, Dokumentation oder speziellen Untersuchungen.


Als erfahrene MFA merkt ihr bereits am Tonfall am Telefon, ob ein Patient „nur“ verunsichert ist oder ob etwas Dringendes dahintersteckt. Ihr stellt die richtigen Fragen, sortiert Termine und entlastet damit die Kollegen in eurem Team.

Tipp für den MFA-Alltag:

Im Mitarbeitergespräch oder in der nächsten Gehaltsverhandlung könntet ihr beispielsweise anbieten: „Ich kann besonders gut bei schwierigen Patientensituationen unterstützen und neue Kolleginnen einarbeiten – das möchte ich noch gezielter einbringen. Ich stelle mich als Mentorin zur Verfügung.“

Arbeitsplatzergonomie: Lange gesund arbeiten

Gerade im Alter spüren viele Rücken, Schultern oder Knie – oft wegen jahrelanger ungünstiger Haltungen. Eine gute ergonomische Gestaltung in der Praxis ist deshalb entscheidend.

Wichtige ergonomische Stellschrauben:

  • Bildschirmarbeitsplatz:
    • Bildschirmoberkante auf Augenhöhe, etwa eine Armlänge Abstand.
    • Unterarme locker auf dem Tisch, Ellbogen im rechten Winkel, Schultern entspannt.
    • Maus und Tastatur nahe am Körper, Handgelenke gerade, ggf. ein Maus-Pad mit Unterstützung zum Ablegen der Hand.
  • Anmeldung & Telefon:
    • Headset statt Telefon zwischen Schulter und Ohr.
    • Steh-Sitz-Wechsel, z.B. mit höhenverstellbarem Tisch oder Aufsatz.
  • Behandlung & Labor:
    • Untersuchungsliege an die Körpergröße anpassen, um sich nicht ständig zu tief beugen zu müssen. 
    • Zu schwerem Tragen konsequent „Nein“ sagen und Hilfsmittel oder Unterstützung nutzen.

Tipps für den MFA-Alltag:

  • Bittet aktiv um eine ergonomische Anpassung eures Arbeitsplatzes und argumentiert mit langfristiger Arbeitsfähigkeit.
  • Führt im Team einmal im Quartal einen „Ergonomie-Check“ durch: Alle schauen kurz auf Haltung und Einstellungen z.B. an der Anmeldung.

Stress vorbeugen und Resilienz stärken

Mit den Jahren steigt oft die Verantwortung – und damit auch die Belastung. Gleichzeitig verfügen ältere MFA meist über eine bessere Selbsteinschätzung und achten mehr auf eigene Grenzen.

Strategien zur Stressvorsorge:

  • Realistische Tagesplanung: Pufferzeiten für Notfälle einplanen, nicht jede Lücke „vollstopfen“.
  • Grenzen setzen: Nicht automatisch jede Zusatzaufgabe übernehmen, sondern Prioritäten klären: „Wenn ich diese Aufgabe übernehmen soll, muss ich die andere Aufgabe X auf nächste Woche verschieben.“
  • Kurzpausen ernst nehmen: 5 Minuten ohne Telefon, ohne Patientengespräch, nur durchatmen.

Einfache Techniken:

  • 3-mal tief in den Bauch atmen, bevor ihr ans Telefon geht oder in ein schwieriges Gespräch startet.
  • Mentale „Stopp-Taste“: Bei Überforderung kurz gedanklich aussteigen und fragen: „Was ist jetzt wirklich dringend?“

Tipp für den MFA-Alltag:
Eine langjährige MFA führt in der Praxis eine „Stress-Ampel“ ein: Rot = überlastet, Gelb = „viel los, aber ok“, Grün = entspannt. Im Team-Meeting wird besprochen, wie man sich gegenseitig unterstützt, wenn jemand auf „Rot“ steht – z.B. Aufgaben umverteilen oder kurzfristig Termine strecken.

Work-Life-Balance und persönliche Grenzen

Mit zunehmendem Alter ändern sich oft Lebensumstände: Pflege von Angehörigen, Enkelkinder, eigene Gesundheit – die Liste kann ganz schön lang werden. Eine gute Work-Life-Balance ist dann keine „Luxusidee“, sondern Voraussetzung für langfristige Einsatzfähigkeit.

Mögliche Stellschrauben:

  • Flexible Arbeitszeitmodelle: Teilzeit, Arbeitszeitkonto, Jobsharing, stufenweiser Übergang in die Rente.
  • Klare Erreichbarkeitsregeln: Seid ihr nach Dienstschluss wirklich offline?
  • Geplante Auszeiten: Urlaub langfristig einplanen, auch bei Personalmangel, statt ständig zu verschieben.

Praxisbeispiele:

  • Eine MFA 60+ reduziert auf vier Vormittage pro Woche und übernimmt dafür die Organisation der DMP-Sprechstunden, Rückruf-Listen und Abrechnung – weniger körperliche Belastung, hohe fachliche Verantwortung.
  • Zwei erfahrene MFA teilen sich eine Vollzeitstelle im Jobsharing: Eine ist mehr in der Patientenversorgung, die andere stärker im Backoffice und Qualitätsmanagement.
  • Für weitere Anregungen zu Arbeitszeitmodellen habe ich euch am Ende einen interessanten Beitrag verlinkt! 

Tipps für den MFA-Alltag:

  • Bereitet ein Gespräch mit der Praxisleitung vor: Welche Aufgaben fallen euch besonders leicht, welche strengen körperlich an? Welche Arbeitszeitmodelle würden euch helfen?
  • Übt täglich aufs Neue, freundlich, aber klar „Nein“ zu sagen, wenn eine Grenze erreicht ist, z.B.: „Heute schaffe ich keinen Zusatzdienst mehr – ich brauche die Pause, um morgen wieder voll einsatzfähig zu sein.“

Eigene Stärken kennen und sichtbar machen

Mit den Jahren sammeln sich viele Kompetenzen an – aber nicht alle sind euch jederzeit bewusst. Sich seiner Stärken klar zu sein, hilft beim Delegieren, Verhandeln und in der Zusammenarbeit.

Typische Stärken älterer MFA:

  • Souveräner Umgang mit schwierigen Patientinnen.
  • Verlässlichkeit bei Abrechnung, Dokumentation und Praxisorganisation.
  • Hohe Kommunikationskompetenz im Team und mit anderen Einrichtungen.

So macht ihr eure Stärken im Team (und bei euren Vorgesetzten) sichtbar:

  • Führt für ein bis zwei Wochen eine einfache „Stärken-Liste“: Was gelingt mir leicht? Wo fragen andere mich um Hilfe?
  • Bringt diese Punkte in das nächste Mitarbeitergespräch ein, z.B. mit konkreten Beispielen.
  • Bietet aktiv an, bestimmte Bereiche zu übernehmen, z.B. QM, Hygienepläne, Organisation von Fortbildungen.

Delegieren lernen: Nicht alles selbst tragen

Viele erfahrene MFA haben die Haltung: „Ich mache das schnell selbst, dann ist es richtig.“ Mit zunehmendem Alter kann diese Strategie jedoch auslaugen – und sie nimmt jüngeren Kolleginnen wichtige Lernchancen!

Grundprinzipien des Delegierens:

  • Aufgaben auswählen, die gut übertragbar sind (z.B. einfache Laborarbeiten, Vorbereitung von Formularen, Routineanrufe).
  • Klar erklären, was das Ziel ist, und bei Bedarf eine kurze praktische Einweisung geben.
  • Nachfragen zulassen und Feedback geben, statt beim ersten Fehler alles wieder an sich zu ziehen.

Tipp für den MFA-Alltag:

Statt selbst jedes Rezepttelefonat zu übernehmen, zeigt eine erfahrene MFA einer jüngeren Kollegin, wie sie Rückfragen sicher klärt, Rücksprache mit dem Arzt hält und Dokumentation korrekt erledigt. Nach einigen Wochen übernimmt die Jüngere diesen Bereich eigenständig – und die Ältere hat Kapazität für komplexere Aufgaben.

Wissen weitergeben: Mentoring statt „Früher war alles besser“

Ältere MFA sind ideale Mentorinnen für neue Mitarbeitende – ob Azubis, Berufsanfänger oder Quereinsteiger.

Formen der Wissensweitergabe:

  • Offizielles Mentoring: Die Praxisleitung benennt euch bewusst als Ansprechpartnerin für bestimmte Themen oder neue Kolleginnen.
  • Kurzschulungen im Alltag: 10 Minuten in der Teamsitzung, in denen ihr z.B. Abrechnungsbesonderheiten oder Tipps für das Telefon vorstellen.
  • Checklisten und Anleitungen: Häufige Abläufe schriftlich festhalten – nicht nur im Kopf behalten.

Praxisbeispiel:
Eine MFA mit 30 Jahren Berufserfahrung erstellt zusammen mit einer jüngeren Kollegin kleine „Spickzettel“ für typische Abläufe (z.B. Vorbereitung bestimmter Untersuchungen, Umgang mit akuten Beschwerden am Telefon). Diese hängen gut sichtbar im Backoffice und werden regelmäßig aktualisiert.

Tipp für den MFA-Alltag:

Achtet bewusst auf eure Sprache: Statt „Das haben wir aber schon immer so gemacht“ lieber „Ich zeige dir, wie wir das früher organisiert haben – vielleicht können wir das mit unseren neuen Tools gut kombinieren.“

Positives Feedback

Ältere MFA können das Selbstbewusstsein und die Entwicklung jüngerer Teammitglieder enorm stärken – und damit die gesamte Arbeitsatmosphäre verbessern.

Ansätze für positives Feedback:

  • Ehrliches Lob aussprechen: „Du hast das Gespräch mit dem verärgerten Patienten eben sehr ruhig und klar geführt – das war stark von Dir.“
  • Erfolge sichtbar machen, z.B. in kurzen Teamrunden: „Seit Lisa die Impfsprechstunde koordiniert, sind die Abläufe viel klarer.“

Nachfragen statt bewerten: „Wie hast du die Situation erlebt? Was würdest du beim nächsten Mal anders machen?“

Praxisbeispiel:
Eine erfahrene MFA nimmt sich jede Woche 10 Minuten Zeit mit einer jüngeren Kollegin, um gemeinsam eine Situation aus der vergangenen Woche zu reflektieren. Ergebnis: Die jüngere Kollegin wird sicherer, traut sich mehr zu, und das Team profitiert von wachsender Kompetenz.

Älter werden im Beruf als MFA bedeutet: Eure Erfahrung ist wertvoller denn je – für Patientinnen, für das Team und für die gesamte Praxisorganisation. Wenn ihr eure Stärken kennt, euren Arbeitsplatz ergonomisch gestaltet, auf eure Grenzen achtet und euer Wissen aktiv teilt, könnt ihr noch viele Jahre gesund und mit Freude im Beruf bleiben.


Wählt einmal zwei bis drei Tipps aus diesem Beitrag aus – z.B. einen Ergonomie-Check am Arbeitsplatz, eine kleine tägliche Bewegungsroutine und ein bewusstes Lob für eine jüngere Kollegin – und setzt diese innerhalb der nächsten Woche direkt bei der Arbeit um. Erzählt in der nächsten Teamsitzung davon und regt an, dass jeder im Team einen Schritt in Richtung gesünderer, wertschätzender Zusammenarbeit geht.

Was macht ihr, um die Stärken eurer erfahrenen MFA im Team zu nutzen und gewinnbringend für die Praxis einzubringen?

Viele Grüße

Eure Steffi

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Die Autorin Steffi, MFA/Wundexpertin (ICW)
Steffi Blog

Nach der Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten in einer dermatologischen Praxis für 5 Jahre im Praxisalltag als MFA, seit 2014 bei Dr. Ausbüttel (DRACO®). Wundexpertin (ICW) und bloggende MFA mit Leidenschaft.

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