Begehungen in der Arztpraxis: Checkliste für MFA-Alltag
Montagfrüh und das Gesundheitsamt steht vor der Tür. Dienstag kündigt die Berufsgenossenschaft eine Begehung an. Mittwoch tagt euer Hygiene-Zirkel… Wie könnt ihr das alles managen? Als MFA seid ihr oft die erste Anlaufstelle. Mit klarer Struktur, aktuellen Unterlagen und Teamkoordination könnt ihr eine Begehung in euren Praxisalltag integrieren, sodass es ein Praxistag wie jeder andere wird. Die Begehungen dienen der Sicherheit von Patienten und euch selbst und sind gut vorzubereiten.
Begehungen als Qualitätsgarant
In Arztpraxen finden regelmäßig Begehungen statt, um Hygiene, Arbeitssicherheit und Qualitätsstandards zu überprüfen. Sie werden von Behörden oder Verbänden durchgeführt und dienen der Vorbeugung von Risiken für Patienten und das Praxisteam. Für MFA sind sie nicht unbedingt Teil des Alltags: Für Begehungen unterstützt ihr bei der Vorbereitung, begleitet den Rundgang und sorgt für reibungslose Abläufe.
Mit einer guten Checkliste (siehe unten) könnt ihr jede Begehung gut vorbereiten und die Vorbereitungen in euren Alltag integrieren.
Verschiedene Anlässe für Begehungen
Begehungen haben je nach Träger unterschiedliche Schwerpunkte, aber es ist immer das Ziel, Standards einzuhalten. Hier die wichtigsten Anlässe:
- Gesundheitsamt: Überwacht Infektionsprävention, Hygienepläne und Räumlichkeiten; Routinechecks oder nach Beschwerden.
- BG (Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege): Prüft Arbeitssicherheit, Gefahrenstoffe und ergonomische Arbeitsplätze.
- DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung): Koordiniert Arbeitsschutz, inkl. Unfallprävention und Gefährdungsbeurteilungen.
- LAsD (Landesamt für soziale Dienste): Fokussiert auf Hygiene in (zahn-)ärztlichen Praxen, prüft Desinfektion, Sterilisation und Medizinprodukte.
- HSU (Hygieneschutzbeauftragter/Unternehmen): Interne oder externe Hygieneberatung, dient oft als Vorbereitung auf Behördenkontrollen.
Eine Begehung dauert üblicherweise zwischen zwei bis drei Stunden und findet an normalen Praxistagen statt.
Checkliste: Häufige Fallstricke – so vermeidet ihr sie
Trotz guter Vorbereitung lauern typische Fehlerquellen, die Kontrolleure immer wieder entdecken. Diese lassen sich mit einfachen Routinen ausschließen – und sparen euch Nerven sowie unnötige Nachbesserungsfristen.
❌ Keine aktuellen Unterweisungen
Teammitglieder können keine Schulungen zu Hygiene oder Arbeitssicherheit nachweisen – oft fehlen Unterschriften oder eingetragene Daten, wie Termine.
✔ Jährliche Schulungen + Dokumentation
Jedes Teammitglied absolviert jährlich Unterweisungen (z. B. Hygiene, Brandschutz), Unterschrift und Datum finden sich in einer Schulungsmappe. Digitale Signaturen oder Plattformen wie Wunde+ erleichtern das.
Hier ein Link zu wichtigen Unterweisungen auf DRACO WUNDE+ https://www.draco.de/fortbildungen/jaehrliche-unterweisung
❌ Abgelaufene Materialien
Desinfektionsmittel, Handschuhe oder Verbandsmaterial mit überschrittenem Haltbarkeitsdatum (der übliche Klassiker, der jedem passieren kann, aber leicht zu vermeiden ist)
✔ Regelmäßige Lagerkontrolle (z. B. 1× pro Monat)
Alle Vorräte nach Ablauf prüfen, abgelaufene Materialien aussortieren, neue Materialien hinter den älteren verräumen und in Entnahmen und neues Material in der Lagerliste dokumentieren. Monatlicher Check dauert 10 Minuten und verhindert Überraschungen.
❌ Fehlende Prüfprotokolle von Geräten
Autoklaven, Kühlschrank-Temperaturprotokolle oder Wasseranalysen fehlen oder sind lückenhaft.
✔ Digitale oder analoge Sammelmappe anlegen
Alle Validierungen, Kalibrierungen und Protokolle zentral in einer „Geräte-Mappe“ ablegen – monatlich vervollständigen. Externe Dienstleister liefern dafür manchmal Vorlagen für eine einfache Dokumentation.
❌ Desinfektionsmittel nicht ordnungsgemäß beschriftet
Flaschen ohne Etikett oder mit unlesbarem Etikett, unklare Verdünnung oder Mischungsdatum – Hygienegrundregeln werden missachtet.
✔ Klare Etiketten, Datum, Konzentration
Jede selbstgemischte Lösung mit „Materialname, Datum, Konzentration, Mischdatum, Verantwortliche“ beschriftet. Vorlagen drucken und standardisieren.
❌ Unklare Zuständigkeiten
Niemand weiß, wer für Reinigung, Abfallentsorgung oder Desinfektionsplan verantwortlich ist. Das wird bekanntermaßen schnell zu einem Problem.
✔ Feste Verantwortlichkeiten (z. B. „Hygienebeauftragte MFA“)
Im Hygiene- und Organigramm klare Zuständigkeiten definieren (z. B. „MFA X: Instrumentenaufbereitung“). Jede/r kennt seinen Bereich – monatlich im Team besprechen.
❌ Unvollständige Gefährdungsbeurteilung
Veraltete oder fehlende Beurteilungen zu Chemikalien, Biostoffen oder Ergonomie. Gefährdungsbeurteilung muss für jede (!) in der Praxis arbeitende Person erstellt werden, auch für Reinigungspersonal und einen Hausmeister.
✔ Jährliche Überprüfung durch Arbeitsschutzbeauftragten
Mit Vorlage der BG aktualisieren und Team einweisen.
❌ Unsaubere Lager- und Abfallräume
Vollgestellte Regale, offene Abfallsäcke, keine Trennung von Infektions- und Restmüll.
✔ Wöchentlicher Ordnungsrundgang
MFA übernimmt Check: Regale beschriftet, Abfall getrennt, Gänge frei.
❌ Fehlende Händedesinfektionsspender
Nicht an jedem Behandlungsplatz, leer oder defekt.
✔ Inventarliste + Funktionstest
Alle Spender regelmäßig prüfen, Nachfüllen, defekte ersetzen.
Vorbereitet für jeden Check
Praxisbegehungen schützen Patienten und euch. Mit einigen Arbeitsschritten im Praxisalltag reduziert ihr die Vorbereitung auf Begehungen und habt weniger Stress. Eure Vorbereitung sichert die wichtigen Qualitätsstandards und kontinuierliche Akkreditierungen. Bleibt dran, dann läuft alles rund.
Wie bereitet ihr euch auf Begehungen vor? Welche Erfahrungen habt ihr bisher damit gemacht?
Viele Grüße
Eure Steffi