Beratung bei Sportverletzungen

Beratung bei Sportverletzungen

Sport und körperliche Aktivität sind für Gesundheit und Lebensqualität essenziell, sie fördern Herz-Kreislauf-Funktionen, erhalten Mobilität und Muskelkraft und wirken präventiv gegen zahlreiche Erkrankungen. Dennoch gehören Verletzungen untrennbar zur Bewegung dazu: Ob Hobby-Jogger, Freizeitsportler, Mannschaftsspieler oder Senioren, jeder, der körperlich aktiv ist, kann sich verletzen. In Deutschland ereignen sich jährlich Millionen von Sportverletzungen, die oft zunächst in der Apotheke beraten werden. 

Sofortmaßnahmen – Erste Hilfe nach der PECH-Regel

Die Erstversorgung akuter Verletzungen folgt dem einfachen, aber effektiven Prinzip der PECH-Regel:

P – Pause: Sofortige Unterbrechung der Aktivität und Ruhigstellung des betroffenen Bereichs
E – Eis: Kälteanwendung reduziert Schwellung, Entzündung und Schmerz (Eis nie direkt auf die Haut)
C – Compression: Leichter Druckverband mindert Blutungs- und Schwellungsausmaß
H – Hochlagern: Hochlagerung oberhalb des Herzniveaus unterstützt den venösen Abfluss und reduziert Schwellung

Diese Maßnahmen sollten innerhalb der ersten Stunden nach dem Unfall eingeleitet werden, um langfristige Schäden zu begrenzen und die Heilung zu optimieren. 

Medikamentöse Begleitung und physikalische Maßnahmen

Bei Schmerzen eignen sich je nach Beschwerdebild Analgetika und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR):

  • Paracetamol: Analgetisch ohne ausgeprägte entzündungshemmende Wirkung bei leichten Schmerzen
  • Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen: Entzündungshemmend, schmerzlindernd, geeignet bei Schwellungen und Entzündungszeichen

Wichtig ist, potenzielle Nebenwirkungen (z. B. gastrointestinale Risiken) und Wechselwirkungen mit Begleitmedikation abzufragen, insbesondere bei NSAR-Therapie. 

Klassifikation von Sportverletzungen

Grundsätzlich lassen sich Verletzungen in stumpfe Verletzungen (durch Stoß, Schlag, Sturz) und offene Verletzungen (mit Hautdurchtrennung) einteilen. 

Stumpfe Verletzungen

Zerrungen und Muskelfaserrisse

Muskelgewebe wird überlastet, teilweise reißen einzelne Faserbündel.

Prellungen (Kontusionen)

Durch stumpfe Gewalteinwirkung kommt es zu Einblutungen in Weichteile, erkennbar als Bluterguss und Schwellung.

Verstauchungen (Distorsionen)

Gelenke werden über den physiologischen Bewegungsumfang hinaus bewegt, was zu Bänderdehnungen oder -rissen führen kann.

Knochenbrüche (Frakturen)

Bei hoher Krafteinwirkung kann es zu vollständigen oder teilweisen Knochenbrüchen kommen.

Für die Erstversorgung von stumpfen Verletzungen stehen bewährte Maßnahmen zur Verfügung, die darauf abzielen, Schmerzen und Schwellungen zu reduzieren und die Regeneration zu unterstützen. Unterschieden wird hier grob in zwei Phasen: 

1. Akutphase

  • Schonen des Muskels, um eine Verschlimmerung der Verletzung zu vermeiden. 
  • Kühlen als wirksame Maßnahme etabliert, da es schmerzlindernd wirkt, die Einblutung ins Gewebe verringert und Entzündungsreaktionen begrenzt.
  • Hochlagern der betroffenen Extremität reduziert den venösen Rückfluss und hilft, Schwellungen zu minimieren. 
  • Ergänzend kann ein Kompressionsverband angelegt werden, der die Gewebeschwellung begrenzt und die Stabilität des Muskels unterstützt. 
  • Tapeverbände können bereits in der akuten Phase die Stabilität verbessern, Schwellung reduzieren und bewusst physiologische Bewegungsabläufe unterstützen. Sie sind besonders sinnvoll bei leichten bis mäßigen Band- und Muskelverletzungen, nicht jedoch bei kompletten Rupturen oder Knochenbrüchen.
  • Auch eine medikamentöse Therapie mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Präparaten kann sinnvoll sein. Allerdings stets im Kontext möglicher Kontraindikationen und Begleiterkrankungen.

2. Wiederherstellung der Muskelfunktion

  • Wärmebehandlungen wie warme Kompressen oder Bäder können die Durchblutung im betroffenen Bereich anregen und so die Regeneration der Muskulatur unterstützen.
  • Physiotherapie spielt eine zentrale Rolle in der Nachbehandlung, indem sie durch gezielte Dehn- und Kräftigungsübungen hilft, die Elastizität und Stärke des Muskels wiederherzustellen.
  • Leichte Massagen können Verspannungen lösen und die Durchblutung fördern, sollten jedoch erst nach Abklingen der akuten Schmerzen angewendet werden.
  • Zusätzliche Stabilität kann weiterhin durch Taping oder den Einsatz von Bandagen erreicht werden.

Offene Verletzungen

Offene Verletzungen umfassen alle Läsionen, bei denen die Hautbarriere durchbrochen ist. Diese sind besonders infektionsgefährdet, da mikrobielle Erreger leichter in tieferes Gewebe eindringen können.

Wundversorgung bei offenen Verletzungen

Bei offenen Wunden, die beim Sport entstehen, gilt:

  1. Reinigung und Desinfektion
  • Grobreinigung mit klarem Wasser (bei grobem Schmutz ggf. vorsichtiges Abbürsten)
  • Verschmutzte Wunden werden unter fließendem, lauwarmem Wasser oder mit isotonischer Kochsalz- bzw. Ringerlösung gründlich gereinigt. Größere Schmutzpartikel können vorsichtig mit einer sauberen Pinzette oder einem Wundreinigungstuch entfernt werden
  • Blutende kleine Schnittwunden sollten/ können zunächst kurz und ohne Druck ausbluten, um Verunreinigungen herauszuspülen
  • Hört die Blutung nicht spontan auf, hilft das Abdrücken mit einer sterilen Kompresse oder einem sauberen Tuch (5–10 Minuten)
  • Desinfektion mit geeigneten Mitteln wie Povidon-Jod, Polyhexanid oder Octenidin. Letzteres darf nur oberflächlich angewendet werden (kein tiefes Einbringen)

   2. Verbandstechniken

  • Wundschnellverbände (Pflaster): Auswahl nach Wundgröße und Lokalisation
  • Hypoallergene Varianten bei Klebe-Intoleranzen
  • Hydroaktive Verbände für optimales feuchtes Wundmilieu

   3. Feuchte Wundheilung als Standard

Wunden heilen am effektivsten in einem feuchten Wundmilieu, da dies die Granulations- und Epithelisierungsphase unterstützt und Narbenbildung minimiert. Moderne hydroaktive Auflagen (Hydrokolloid, Hydrogel, Alginate) sind hier hilfreich, abhängig von Exsudatmenge und Infektionsstatus. 

Wann sollte ärztliche Hilfe gesucht werden?

Bestimmte Befunde übersteigen die Selbstversorgungs- und OTC-Beratungskompetenz und erfordern medizinische Abklärung:

  • Großflächige, tiefe oder klaffende Wunden
  • Anhaltende Blutung
  • Stark verschmutzte Wunden
  • Gefühlsstörungen oder Bewegungseinschränkungen
  • Verbrennungen zweiten Grades mit Blasenbildung
  • Biss- oder Stichwunden sowie Fremdkörper, die nicht selbst entfernt werden können
  • Wunden in empfindlichen Regionen (z. B. Gesicht)
  • Anzeichen einer Infektion (Rötung, Wärme, Eiter)

Blasenmanagement

Blasen an den Füßen entstehen häufig durch Reibung bei Sportaktivitäten. Sie sind eine häufige und oftmals schmerzhafte Begleiterscheinung beim Laufen und Wanderungen. 

Hydrokolloid-Blasenpflaster sind die Mittel der Wahl. Sie schaffen ein feuchtes Wundheilungsklima, nehmen überschüssige Flüssigkeit auf, polstern Druckstellen und reduzieren Schmerzen. Solche Pflaster haften auch bei Bewegung und Feuchtigkeit besser als klassische Wundpflaster.

Das Blasenpflaster sollte erst gewechselt werden, wenn es sich von selbst ablöst oder durch Flüssigkeitsaufnahme sichtbar gesättigt ist.

Hauptauslöser für Blasen beim Laufen sind:

Druck und Reibung zwischen Fuß und Schuh oder Socken, besonders bei neuen oder schlecht sitzenden Schuhen. Rutschende und schlecht sitzende Socken, die Falten bilden und damit Druckspitzen erzeugen. Feuchtigkeit im Schuh, z. B. durch Schweiß, die Reibung verstärkt und die Haut weicher macht. 

Blasen sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume in den oberen Hautschichten, die meist durch Druck und Reibung an der Haut entstehen, typischerweise am Fuß bei ungeeignetem Schuhwerk oder langem Gehen. Der Flüssigkeitsinhalt besteht aus Gewebeflüssigkeit und Proteinen und kann bei Gefäßverletzungen auch Blut enthalten. Die Blase selbst ist ein natürlicher Schutzmechanismus, da sie die darunterliegende Hautschicht vor weiterer Belastung schützt. Vorzugsweise werden Blasen nicht eröffnet, um den natürlichen Schutz zu bewahren. Bei notwendigen Öffnungen sorgt die sterile Versorgung und geeignete Blasenpflaster für ein günstiges Heilungsmilieu.

Beratung zur Vorbeugung

Die wichtigste präventive Maßnahme besteht darin, den Kunden zur passenden Ausrüstung zu beraten. Geeignetes Schuhwerk wählen und neue Schuhe einlaufen, z. B. durch kürzere Spaziergänge oder Treppensteigeinheiten vor längeren Touren. Atmungsaktive, gut sitzende Socken ohne Falten empfehlen. Zwei Paar Socken übereinander erhöhen die Reibung und sollten nicht genutzt werden. Auf Schutz der Hautstellen im Voraus hinweisen: Anti-Blasen-Sticks, Vaseline, Gelpolster oder Tape können die Reibung reduzieren. Fußpuder kann helfen, Feuchtigkeit zu reduzieren und so das Risiko der Blasenbildung zu senken.

Ursachen und Prävention – Beratung zur Reduktion des Verletzungsrisikos

Typische Risikofaktoren für Sportverletzungen sind: unzureichendes Aufwärmen, plötzliches Überfordern der Muskulatur, schlechte Technik, falsches Schuhwerk und mangelnde Erholung. 

Untrainierte oder ungewohnte Belastungen führen leichter zu Muskel-, Sehnen- und Bänderverletzungen. Fehlerhafte Belastungssteigerung ohne ausreichende Vorbereitung überfordert den Bewegungsapparat. Einseitige Belastung und muskuläre Dysbalancen können die Stabilität von Gelenken beeinträchtigen. Umweltfaktoren wie unebene Untergründe oder schlechte Sicht erhöhen das Verletzungsrisiko. Ein adäquates Warm-Up mit leichter Aktivierung der großen Muskelgruppen sowie Dehnübungen am Ende der Vorbereitung können helfen, Verletzungen zu reduzieren.

Beratung zur Verletzungsprävention umfasst:

  • Aufwärmen vor Belastung und abgestimmte Trainingspläne
  • Angemessene Ausrüstung (gute Schuhe, Schutzkleidung)
  • Realistische Leistungssteigerung und ausreichende Erholung zwischen Trainingseinheiten
  • Aufklärung über Warnsignale wie anhaltende Schmerzen, die auf Überlastung hindeuten

Fazit für die Beratungspraxis

Sportverletzungen sind häufige Beratungsanlässe in der Apotheke und im Pflegealltag. Eine strukturierte Analyse des Unfallgeschehens, die fundierte Beratung zu Sofortmaßnahmen, geeigneten Medikamenten und Versorgungstechniken sowie Hinweise zur Prävention stärken die Patienten-Compliance und die Heilungschancen. Dabei sind schnelle Erste-Hilfe-Maßnahmen nach der PECH-Regel, die richtige Wundversorgung und eine sachkundige Schmerz- und Entzündungsbehandlung zentrale Bausteine der professionellen Beratung.

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Der Autor Daniel Finke

Daniel Finke ist Apotheker und neben dieser Tätigkeit seit mehreren Jahren als Referent für zahlreiche Apothekerkammern, Verbände und Pflegeeinrichtungen tätig. Sein Schwerpunkt liegt auf den praxisrelevanten Themen aus der Selbstmedikation, der leitliniengerechten Therapie und der Arzneimittel-Therapie-Sicherheit der Patienten.