Die Abnehm-Pille kommt: Infos für Beschäftigte im Gesundheitswesen
Ab 1. September wird das Präparat verfügbar sein. Sie müssen sich auf viele Fragen von Patientinnen und Patienten einstellen.
Kaum ein Medikament hat in den vergangenen Jahren so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen wie der Wirkstoff Semaglutid, der per Injektion verabreicht wird und umgangssprachlich als „Abnehmspritze“ bekannt ist. Zu Beginn des dritten Quartals kommt er in Deutschland in Tablettenform auf den Markt (Handelsname: Wegovy). Schon jetzt werben Online-Händler aggressiv für das Präparat und kündigen es als „Diätpille“ an. Die einfache Handhabung der Tabletten dürfte die Tendenz verstärken, den Wirkstoff als „Lifestyle-Medikament“ anzusehen, das auf dem Weg zur Traumfigur helfen kann.
Beschäftigte im Gesundheitswesen sollten sich mit dem Thema auskennen, um Fragen beantworten zu können. Denn ein sorgsamer Umgang mit Wegovy ist unverzichtbar.
Für wen ist Wegovy geeignet?
Die Indikation ist dieselbe wie bei der Injektionsvariante: Die Zulassung bezieht sich auf Erwachsene mit Adipositas (Body-Mass-Index, BMI, über 30) oder mit Übergewicht (BMI zwischen 27 und 30) und mindestens einer relevanten Begleiterkrankung wie Diabetes mellitus, Prädiabetes, Bluthochdruck, obstruktiver Schlafapnoe oder einer Fettstoffwechselstörung.
Wegovy ist also nicht für Personen gedacht, die leichtes Übergewicht haben und nach einem schnellen Weg suchen, um wieder besser in die Hose zu passen.
Was passiert, wenn Wegovy abgesetzt wird?
Mit einer Gewichtsabnahme von zehn bis zwölf Kilogramm können Patientinnen und Patienten rechnen. Ist dieses Ziel erreicht, klettert die Anzeige der Waage jedoch schnell wieder nach oben, sobald die Pille abgesetzt wird. Langfristig sei es daher notwendig, die Ernährung umzustellen und sich mehr zu bewegen. Wer entsprechende Verhaltensänderungen befolgt, wird auch ohne Abnehmpille Gewicht verlieren.
Wie muss die Tablette eingenommen werden?
Wegovy sollte auf nüchternen Magen mit nur wenig Flüssigkeit eingenommen werden. Anschließend darf die Person für mindestens 30 Minuten nichts trinken und nichts essen – auch keine anderen Medikamente.
Welche Nebenwirkungen sind wahrscheinlich?
In dieser Hinsicht besteht kein großer Unterschied zur Semaglutid-Spritze. Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung und Durchfall kommen am häufigsten vor.
Warum sind Online-Verordnungen problematisch?
Fachleute warnen eindringlich vor Portalen, die einen Bezug über dort tätige Ärztinnen und Ärzte ermöglichen. Es sei unter anderem dringend erforderlich, eventuelle Begleiterkrankungen oder Ursachen der Gewichtszunahme im Vorfeld der Einnahme sorgfältig abzuklären. Das sei bei Online-Verordnungen häufig nicht der Fall.
Achtung vor Medikamenten-Fälschungen
Schon bei der Abnehmspritze haben viele Menschen versucht, sich das Präparat ohne ärztliche Verordnung über Online-Angebot zu verschaffen. Davor raten Ärztinnen und Ärzte dringend ab, da eine medizinische Kontrolle erfolgen müsse.
Die hohe Nachfrage führt außerdem dazu, dass Fälschungen vertrieben werden, die keine Wirkung haben und nur viel Geld kosten. Im schlimmsten Fall kann es sich um Tabletten mit einem anderen Wirkstoff handeln oder um verunreinigte Inhaltsstoffe. Die gesundheitlichen Risiken seien daher hoch.