Austausch und Vorrat: Was bedeutet das im Apotheken-Alltag?
Seit wenigen Tagen gelten erleichterte Regelungen für den Austausch von Arzneimitteln, zumindest zu bestimmten Zeiten. Das ist mit einigen Herausforderungen verbunden.
Liegt ein dringender Fall vor und steht das verordnete Arzneimittel nicht zur Verfügung, kann die Apotheke jetzt innerhalb bestimmter Zeitfenster ein geeignetes Alternativpräparat abgeben. Dabei müssen Anwendungsgebiet sowie Art und Menge der Wirkstoffe mit der Verordnung übereinstimmen. Auch die pharmazeutische Qualität und die Darreichungsform müssen vergleichbar bleiben. Die Regel erlaubt keinen Wechsel des Wirkstoffs und keine Änderung der Stärke. Sie schafft jedoch Spielraum, wenn ein Arzneimittel rasch gebraucht wird und die konkret verordnete Form nicht beschafft werden kann. Die Apotheke kann diese Ausnahme zu den genannten Zeiten nutzen, auch wenn sie selbst keinen Notdienst versieht.
Ähnlich sieht es bei Rabattarzneimitteln aus. Diese dürfen ebenfalls durch Alternativen aus dem Lagerbestand ausgetauscht werden, wenn für die rabattierten Arzneimittel Lieferengpässe bestehen. Mit Lieferengpass ist in diesem Fall eine „angemessene Frist“ gemeint.
Der Austausch bei dringendem Bedarf ist zu folgenden Zeiten möglich:
- Montag bis Samstag: 0 bis 8 Uhr
- Montag bis Freitag: 18:30 bis 24 Uhr
- Samstag: 14 bis 24 Uhr
- Sonntag und gesetzliche Feiertage: 0 bis 24 Uhr
- Heiligabend und Silvester: 14 bis 24 Uhr
Tipps für Apothekenteams
Das ist die Grundlage, die Ihnen vermutlich weitgehend bekannt ist. In der Praxis sollten Sie dabei einige Aspekte beachten. Insbesondere ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder psychischen Problemen sind häufig stark auf das visuelle Erscheinungsbild ihrer Medikamente fixiert. Erhält eine Patientin oder ein Patient statt Tabletten plötzlich Kapseln, Tropfen oder Brausetabletten, kann der Austausch der Darreichungsform zu massiver Verunsicherung führen. Diese sollten Sie im Beratungsgespräch auffangen. Gegebenenfalls ändert sich mit der Darreichungsform auch die Handhabung, etwa beim Zählen von Tropfen statt beim Teilen einer Tablette. Das Team im Handverkauf muss daher oft zeitintensive Aufklärungsarbeit leisten.
Trotz möglichen Zeitdrucks sollten Sie jede Abweichung im System dokumentieren und begründen. Nur so lassen sich Retaxationen vermeiden.