Daumen tapen

Daumen tapen

Der Daumen ist ein zentrales Werkzeug der Handfunktion – ob beim Greifen, Tippen oder im Sport. Verletzungen, Überlastung oder chronische Beschwerden können die Beweglichkeit und Kraft erheblich einschränken. Das Tapen des Daumens bietet eine effektive Möglichkeit zur Prävention, Stabilisierung und Schmerzlinderung.

Daumen tapen: Anleitung

Anleitung 1: Daumen tapen bei Schmerzen und Schwellung im Sattelgelenkbereich

Anleitung 2: Daumen tapen bei Instabilität und eingeschränkter Repositionskontrolle

Anleitung 3: Daumen tapen zur Stabilisierung bei Gelenkinstabilität

Anleitung 4: Daumen tapen bei Schmerzen im Daumensattelgelenk und Daumengrundgelenk

Anleitung 5: Daumen tapen bei ulnarer/radialer Bandverletzung, z. B. Skidaumen

Anleitung 6: Daumen tapen bei Skidaumen – weitere Anlage

Anleitung 7: Daumen tapen bei Daumenverstauchung

Anleitung 8: Daumen tapen bei Morbus de Quervain

Wichtige Hinweise - vor dem Tapen

Anatomie des Daumens

Der Daumen (lat. Pollex) vereint hohe Beweglichkeit mit Griffkraft. Für das Taping sind drei Gelenke relevant:

Die Articulatio carpometacarpalis pollicis (Daumensattelgelenk) zwischen Os trapezium und Os metacarpale ermöglicht die Opposition und ist häufig bei Rhizarthrose betroffen. Die Articulatio metacarpophalangea pollicis (Daumengrundgelenk) ist der typische Verletzungsort beim Skidaumen – hier rupturiert das Ligamentum collaterale ulnare (ulnares Seitenband) durch forcierte Abduktion. Die Articulatio interphalangea pollicis (Daumenendgelenk) ist klinisch seltener Ziel einer Tape-Anlage.

Die Thenar-Muskulatur (Daumenballen) steuert Opposition und Adduktion; sie kann bei Überlastung oder nach Ruhigstellung mit Muskelanlagen unterstützt werden.

Häufige Erkrankungen und Verletzungen des Daumens

Krankheitsbild Symptome Ätiologie
Rhizarthrose (Daumensattelgelenkarthrose) Schmerzen bei Belastung (Greifen, Drehen), Kraftverlust, Bewegungseinschränkung, Deformität Degenerative Veränderungen des Daumensattelgelenks, Knorpelverschleiß
Skidaumen (Ruptur des Ligamentum collaterale ulnare) Akuter Schmerz ulnar am Daumengrundgelenk, Instabilität, Schwellung, Kraftverlust Hyperextension und Abduktion des Daumens (z. B. Sturz mit Skistock)
Tendovaginitis de Quervain (Sehnenscheidenentzündung) Schmerzen radial am Handgelenk, verstärkt bei Daumenabspreizung, Finkelstein-Test positiv Überlastung der Sehnen von Musculus abductor pollicis longus und Musculus extensor pollicis brevis
Daumenluxation Fehlstellung, Schmerz, Funktionsverlust Trauma mit Gelenkkapsel- und Bandverletzung
Fraktur (Phalanx oder Metacarpale I) Schmerz, Schwellung, Hämatom, Bewegungseinschränkung Direkte Gewalteinwirkung, Sturz
Überlastungssyndrome Chronische Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Bewegungseinschränkung Repetitive Belastung (z. B. Smartphone-Nutzung, Gaming)
Kapselriss Lokaler Schmerz, Schwellung, Instabilitätsgefühl Überdehnung oder Trauma der Gelenkkapsel

Epidemiologie

Erkrankungen des Daumens gehören zu den häufigsten Beschwerden im Bereich der Hand.

Die Rhizarthrose betrifft etwa 10 % der Gesamtbevölkerung. Ab dem 50. Lebensjahr steigt die Häufigkeit deutlich: Etwa 15 % der Frauen und 7 % der Männer sind betroffen. Postmenopausal entwickelt jede dritte bis vierte Frau radiologisch nachweisbare Veränderungen am Daumensattelgelenk. Bei über 70-Jährigen liegt die Prävalenz bei bis zu 60 %. Frauen sind insgesamt 6- bis 10-mal häufiger betroffen als Männer – hormonelle Faktoren gelten als mitursächlich.

Der Skidaumen (Ruptur des Ligamentum collaterale ulnare am Daumengrundgelenk) zählt zu den häufigsten Bandverletzungen der Hand. Die Inzidenz liegt bei etwa 50 pro 100.000 Einwohner jährlich. Die ulnare Seitenbandverletzung tritt circa 10-mal häufiger auf als die radiale.

Die Tendovaginitis stenosans de Quervain weist eine Prävalenz von etwa 0,5 % bei Männern und 1,3 % bei Frauen auf. Die Erkrankung manifestiert sich vorwiegend zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr; Frauen sind 5- bis 8-mal häufiger betroffen – insbesondere während Schwangerschaft, Stillzeit und in der Menopause.

Warum ist der Daumen besonders anfällig für Verletzungen?

Der Daumen unterscheidet sich anatomisch von den anderen Fingern:

Daumensattelgelenk (Articulatio carpometacarpalis pollicis): Dieses Gelenk ermöglicht die Beweglichkeit in mehreren Ebenen und ist daher sehr komplex – aber auch anfällig für Überlastung und Arthrose.

Daumengrundgelenk (Articulatio metacarpophalangea pollicis): Stabilisiert den Daumen bei Druck und Belastung, z. B. beim Greifen oder Stützen.

Durch diese spezielle Konstruktion ist der Daumen einerseits extrem flexibel, andererseits besonders verletzungsgefährdet – etwa bei Stürzen, im Ballsport oder durch Überlastung im Alltag (z. B. „Handydaumen").

Häufig gestellte Fragen

Was bringt es, den Daumen zu tapen?

Kann das Tapen des Daumens Muskelabbau verursachen?

Wie lange kann ich das Tape am Daumen tragen?

Wie tape ich das Sattelgelenk des Daumens?

Welches Tape ist für den Daumen am besten geeignet?

Welches Tape für Bowling?

Wie stelle ich meinen Daumen ruhig?

Was tun bei Schmerzen im Daumengelenk?

Wie lange dauert ein Kapselriss im Daumen?

Was tun bei verstauchtem Daumen?

Wie merkt man eine Sehnenscheidenentzündung im Daumen?

Wie erkennt man Arthrose im Daumen?

Was tun bei entzündeter Daumensehne?

Studien zur Wirkung von Kinesiologischen Taping bei Daumenbeschwerden

Die aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit des kinesiologischen Tapings am Daumen ist insgesamt begrenzt und heterogen. Einige Studien deuten auf kurzfristige positive Effekte hin, während andere keinen signifikanten Nutzen feststellen konnten.

Özyürek et al. (2016) untersuchten in einer Fallserie mit 15 Patienten "The Effectiveness of Kinesio Taping in De Quervain's Tenosynovitis: A Case Series". Die Ergebnisse zeigten signifikante Verbesserungen in Schmerz und Funktion ohne Komplikationen bei Anwendung von kinesiologischem Taping.

Shakeri et al. (2018) verglichen in ihrer randomisierten kontrollierten Studie "Effect of Kinesio Taping and Low-Level Laser Therapy in Patients With de Quervain Tenosynovitis: A Randomized Controlled Trial" die Kombination von Kinesio-Taping und Low-Level-Lasertherapie mit konventioneller Therapie bei De-Quervain-Tenosynovitis. Die Kombinationstherapie zeigte signifikante Verbesserungen in Schmerzreduktion und Funktion im Vergleich zur Kontrollgruppe.

Schulz & Finch (2014) untersuchten in ihrer Fallstudie "Progression from thumb spica splint to kinesiology tape for hyperextension injury of the thumb metacarpophalangeal joint" die schrittweise Anwendung von Daumenorthese und kinesiologischem Tape bei einer Hyperextensionsverletzung des Daumengrundgelenks. Nach der Behandlung konnte der Patient schmerzfrei greifen, präzise greifen, einen Schlüssel drehen und einen Stift halten.

Keçeci & Demir (2021) führten eine Pilotstudie "Immediate Effects of Kinesio Taping on Pain, Pressure Pain Threshold, and Hand Functions in Patients with Hand Osteoarthritis: A Pilot Study" zur Wirkung von Kinesio-Taping bei Patienten mit Handarthrose, einschließlich Rhizarthrose, durch. Die Ergebnisse zeigten positive Effekte auf Schmerzen, Bewegungsumfang, Handkraft und funktionelle Fähigkeiten.

Das “Daumen Tapen” kann als nicht-invasive, kostengünstige Ergänzung zur Therapie dienen. Wichtig ist eine exakte Indikation, korrekte Anlagetechnik und sinnvolle Kombination mit weiteren Maßnahmen wie Dehnübungen und Physiotherapie

 

Wie ist die Wirksamkeit von Kinesiologie Tapes wissenschaftlich einzuordnen?

Literatur und Buchempfehlungen

Die Autorin Agnieszka See

Agnieszka See ist Gesundheits- und Krankenpflegerin. Sie arbeitet auf einer neurologischen Intensivstation. Als Wundexpertin ICW ist sie für die Wundversorgung auf ihrer Station verantwortlich. Als Heilpraktikerin verfügt sie über ein breites naturheilkundliches Wissen. Ihr persönliches Ziel ist die Kooperation zwischen der Medizin und der Naturheilkunde. Seit Herbst 2022 ist sie für Dr. Ausbüttel als Moderatorin tätig.