Fallbeispiel: Sekundärheilende Wunde nach Abszessspaltung

Vom Urlaub zur Hausärztin und ins Krankenhaus. Dieser Urlaub endete nicht mit Heimweh, sondern mit einem schmerzhaften Abszess.  

Lesedauer: ca. 6 Minuten 

Geschlecht

weiblich

Alter

58 Jahre

Führende Wundursache

Sekundäre Wundheilung

Diabetes mellitus

nein

Risikofaktoren

nein

Lokalisation der Wunde

Rechte Gesäßhälfte

Wundart

chronisch

Infizierte Wunde?

nein

Wundgrund

Granulation, Biofilm, Subkutangewebe

Wundrand

unauffällig

Exsudation

Stark, serös, trübe

Ausgangssituation

Am Ende des Urlaubs in Südfrankreich bildete sich ein schmerzhafter Abszess an der rechten Gesäßhälfte der 58-jährigen Frau F. Ihr Hausarzt wies sie direkt ins Krankenhaus ein. Vor Ort wurde sie behandelt. 
Frau F. ging daraufhin in eine ambulante Versorgung, um die Wunde dort weiterhin versorgen zu lassen. 
Dort zeigte sich eine Wunde von 2 cm Länge, 4,1 cm Breite und einer Tiefe von 5,5 cm. 
Während der Wundreinigung gibt Frau F. Schmerzen von maximal NRS(Numerische Rating-Skala) 5 an, die allerdings schnell nachlassen und auch ohne Schmerzmittel aushaltbar sind. 
Ihr Wunsch ist es, so schnell wie möglich wieder arbeiten gehen zu können.

Anamnese

Diagnose

Der Wundverlauf auf einen Blick

Foto 1
Foto 2
Foto 3
Foto 4
Foto 5

Behandlungs- und Heilungsverlauf

Anfangs ist die Wunde 2 cm lang, 4,1 cm breit (Foto 1) und 5,5 cm tief (Foto 2). Der Wundgrund besteht aus mit Biofilm belegtem Subkutan- und Granulationsgewebe. Sowohl der Wundrand als auch die Umgebungshaut sind unauffällig. Die starke Exsudation ist serös, trübe und geruchlos. Zu diesem Zeitpunkt sind keine Infektionsanzeichen erkennbar. 

Wundversorgung: 

  • Wundreinigung erfolgt mit sterilem Wasser.
  • Der Biofilm wird so gut es geht mit einer Pinzette und steriler Kompresse entfernt.
  • Prophylaktisch wird eine PHMB-haltige Salbe auf den Wundgrund aufgetragen.
  • Als Wundfüllung wird eine Hydrofaser eingesetzt.
  • Fixiert wird das Ganze mit einem Superabsorber und Fixiervlies.
  • Der Verbandswechsel soll zunächst alle zwei Tage stattfinden. 

Während der Wundversorgung wird Frau F. vom Duschen abgeraten, damit keine neuen Keime in die Wunde gelangen. Ebenso soll sie sich nach dem Waschen gründlich abtrocknen, vor allem in der Wundumgebung, um zusätzliche Hautirritationen zu vermeiden. 

Nach zwei Wochen ist am Wundrand Epithelgewebe zu sehen. Die Wunde ist 1,7 cm lang, 4 cm breit und 4,9 cm tief. Es ist am Wundgrund deutlich weniger Biofilm zu sehen; die inzwischen klare Exsudation ist weiterhin geruchlos und hat nur wenig nachgelassen (Foto 3). Während der Wundspülung und der mechanischen Reinigung gibt die 58-Jährige inzwischen weniger Schmerzen an (NRS 3). Da Frau F. sonst so gerne arbeitet und auch in der Freizeit aktiver ist, hätte sie befürchtet, dass ihr die Einhaltung der Ruhe schwerer fallen würde, aber insgesamt kommt sie mit der Situation gut klar. 

Wundversorgung: 

  • Die Versorgung wird unverändert fortgesetzt. 

Drei Wochen später hat sich die Wundsituation stark verbessert. Die Wunde weist eine Breite von 0,8 cm, eine Länge von 1,9 cm und eine Tiefe von nur noch 1,9 cm auf. Die Epithelisierung vom Wundrand her ist deutlich erkennbar (Foto 4). 
Am Wundgrund ist – soweit einsehbar – immer noch etwas Biofilm zu erkennen, der durch mechanisches Debridement mit Pinzette und steriler Kompresse gut zu entfernen ist. Die inzwischen mäßige Exsudation ist weiterhin klar und geruchlos. Schmerzen gibt Frau F. nicht mehr an. 
Endlich ist es ihr möglich, zum Essen kurze Zeit zu sitzen. Eine kleine Freude kommt bei dem Ehepaar auf. 

Wundversorgung: 

  • Die Versorgung wird wie zuerst beschrieben fortgesetzt.
  • Das Intervall der Versorgung wird auf alle drei bis vier Tage verlängert. 

Die Wunde ist nach weiteren ungefähr zweieinhalb Wochen so gut wie abgeheilt (Foto 5). Im Bereich des Epithel- und Narbengewebes ist noch eine kleine offene Stelle von etwa 0,1 cm Durchmesser zu sehen. 
Mit großer Freude kann Frau F. verkündet werden, dass sie wieder arbeiten gehen darf. Ihr wird allerdings geraten, nach vollständiger Abheilung der Wunde – zwei bis drei Wochen später – darauf zu achten, nicht länger als eine halbe Stunde am Stück zu sitzen. Ihr Arbeitsplatz ist mit einem Stehtisch ausgestattet, somit kann sie das Sitzen und Stehen immer abwechseln. 
Ihr Mann hat sich die Versorgung zeigen lassen und möchte diese nun zu Hause übernehmen. 

Wundversorgung: 

  • Die Wundversorgung wird unverändert fortgesetzt.
  • Der Verband kann bis zu fünf Tage auf der Wunde bleiben.
  • Gegebenenfalls muss nur das Fixiervlies gewechselt werden. 

Zehn Tage später meldet sich Frau F. mit der erfreulichen Nachricht, dass die Wunde vollständig abgeheilt ist. 
Sie kann ihrer Arbeit und ihren Freizeitaktivitäten wieder vollständig nachgehen. 
Wunde gut. Ende gut. 

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.

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