Fallbeispiel: Ulcus cruris arteriosum nach Verletzung mit Wundheilungsstörung

Mit 90 Jahren steht Frau F. noch immer mitten im Leben: sportlich, aktiv und voller Energie. Doch bei einer ihrer sportlichen Aktivitäten verletzt sie sich unerwartet. Zurück bleibt eine Wunde – ungewöhnlich geformt wie ein Herz.

Lesedauer: ca. 6 Minuten 

Geschlecht

weiblich

Alter

90 Jahre

Führende Wundursache

Arteriosklerose

Diabetes mellitus

nein

Risikofaktoren

erschwerte Mobilität bei Gonarthrose, pAVK

Lokalisation der Wunde

Unterschenkel links, medial

Wundart

chronisch

Infizierte Wunde?

nein

Wundgrund

Fibrin, Granulation, Biofilm

Wundrand

leicht mazeriert und stellenweise Einblutung

Exsudation

mäßig, schleimig, gelb

Wundumgebung

trocken und schuppig

Ausgangssituation

Frau F. hat sich beim Sport am linken Unterschenkel verletzt. Daraufhin bildete sich ein Hämatom, das operativ entfernt werden musste. Mit der Zeit entwickelte sich eine Wundheilungsstörung, die zunächst hausärztlich behandelt wurde. Nach ungefähr einer Woche bekam Frau F. akut starke Schmerzen im linken Bein, woraufhin sie einen Gefäßchirurgen aufsuchte. Dieser diagnostizierte eine Durchblutungsstörung durch Arteriosklerose.

Mittels interventioneller Radiologie konnte eine sofortige Revaskularisation erfolgreich durchgeführt werden. Bei der Entlassung aus der gefäßchirurgischen Klinik wurde Frau F. empfohlen, die weitere Wundversorgung in einer spezialisierten pflegerischen Einrichtung durchführen zu lassen.

Bei der ersten Vorstellung in der pflegerischen Wundversorgungseinrichtung ist die Mobilität von Frau F. aufgrund der Arthrose im linken Knie stark eingeschränkt. Das Knie wird durch eine Kniebandage gestützt, und Frau F. läuft in stark gekrümmter Körperhaltung mit Unterarmgehstützen. Eine adäquate Aktivierung der Muskelvenenpumpe ist zu diesem Zeitpunkt nicht möglich.

Die Wunde ist 2,9 cm lang, 2,6 cm breit und 2 mm tief und hat die Form eines Herzens.

Frau F. äußert ausdrücklich ihr Ziel:
„Ich möchte mich möglichst bald meiner Knieoperation unterziehen“,
um ihre sportlichen Aktivitäten wieder häufiger und schmerzfreier durchführen zu können. Sie ist bereit, alles zu tun, um die Wundheilung zu beschleunigen.

Anamnese

Diagnose

Behandlungs- und Heilungsverlauf

Die Wunde ist 2,9 cm lang, 2,6 cm breit und 2 mm tief. Sie ist mit Fibrin belegt, weist etwas Granulationsgewebe sowie Biofilm auf (Foto 1). Die Exsudation ist mäßig, schleimig, gelblich und geruchlos. Der Wundrand ist stellenweise mazeriert und zeigt Einblutungen. In der Wundumgebung sind leichte Hämatome sichtbar, die Haut ist trocken und teilweise schuppig. Frau F. verspürt nur bei der Wundreinigung leichte Schmerzen. An der linken Wade zeigt sich ein deutliches Inaktivitätsödem.

Wundversorgung

  • Reinigung der Wunde mit einem Antiseptikum
  • Schutz des Wundrandes mit Zinkcreme
  • Pflege der Umgebungshaut mit einer ureahaltigen Creme
  • Auftragen einer  PHMB-haltigen Salbe (0.04%)
  • Abdeckung mit PU-Schaum und Superabsorber
  • Fixierung mit Mullwickel
  • Wegen des Ödems am linken Unterschenkelwird, nach ärztlicher Rücksprache, ein moderater Unterschenkelkompressionsverband mit Watte und elastischer Fixierbinde angebracht
  • Darüber Anlage der verordneten Kniebandage
  • Der Verbandwechsel soll alle drei Tage erfolgen

Zur Verbesserung des Gangbildes erhält Frau F. einen Gehbock. Zusätzlich wird vom behandelnden Arzt Krankengymnastik verordnet.

Foto 1

Verlauf nach einem Monat

Nach einem Monat misst die Wunde 1,5 cm in der Länge, 2,4 cm in der Breite und ca. 1 mm in der Tiefe. Die Fibrinbeläge sind deutlich reduziert, der Wundgrund besteht überwiegend aus Granulationsgewebe, Biofilm ist nicht mehr vorhanden (Foto 2). Die Exsudation ist gering, serös und gelblich. Der Wundrand ist intakt, die Umgebungshaut noch leicht trocken, ansonsten unauffällig. Die Schmerzen bei der Wundreinigung haben weiter abgenommen. Das Ödem am Bein ist rückläufig.

Wundversorgung

  • Reinigung mit sterilem Wasser
  • Weiterhin Schutz des Wundrandes mit Zinkcreme
  • Abdeckung weiterhin mit Superabsorber
  • Fixierung, Kompressionsverband, Verbandswechselintervall sowie krankengymnastische Übungen werden beibehalten

Frau F. nimmt ihre Therapie sehr ernst und kommt mit dem Gehbock gut zurecht. Das Abrollen des Fußes gelingt zunehmend besser.

Foto 2

Weiterer Verlauf

Nach weiteren drei Wochen ist die Wunde 0,9 cm lang, 2,0 cm breit und 1 mm tief. Es ist kaum noch Fibrin sichtbar (Foto 3). Die Exsudation ist gering, serös und gelblich-rötlich. Der Wundrand ist leicht ödematös, die Umgebungshaut wieder etwas schuppig. Die Schmerzsituation ist unverändert, das Ödem weiter rückläufig.

Wundversorgung

  • Fortführung der bisherigen Wundversorgung
  • Intensivierung der Hautpflege

Foto 3

Vier Wochen später ist die Wunde nur noch 0,4 cm lang, 0,7 cm breit und 0,5 mm tief. Granulationsgewebe und Dermis sind sichtbar (Foto 4). Die geringe Exsudation ist serös und bräunlich. Wundrand und Umgebungshaut sind intakt. Schmerzen bestehen auch während der Wundreinigung nicht mehr, das Ödem ist weiter reduziert.

Wundversorgung

  • Der Wundrandschutz entfällt
  • Die übrige Versorgung bleibt gleich
  • Einsatz eines Mehrkomponentenkompressionsverbandes „lite“

Frau F. spricht mit ihrem Orthopäden und bittet um einen zeitnahen Operationstermin.

Foto 4

Abschluss

Zwei Wochen später ist die Wunde vollständig abgeheilt (Foto 5). Bereits beim letzten Termin vor der Abheilung wurden die Beine für Kompressionsstrümpfe der Klasse 1 ausgemessen, die nun direkt angezogen werden können. Frau F. wird ausführlich angeleitet, wie sie die Strümpfe mithilfe von Handschuhen und einer Anziehhilfe selbstständig anziehen kann. Da dies sehr gut gelingt, bleibt sie wie gewünscht selbstständig zu Hause.

Der Termin für die geplante Knieoperation findet drei Wochen später statt. Frau F. ist der pflegerischen Einrichtung sehr dankbar und weiß nun, dass sie dort jederzeit eine kompetente Anlaufstelle hat.

Die 90-Jährige kann wieder gemeinsam mit ihrem Ehemann ihren Aktivitäten nachgehen.

Foto 5

Bitte beachten Sie, dass es sich hier um ein konkretes Fallbeispiel handelt, das nur eine mögliche Behandlungsoption darstellt. Beachten Sie zudem, dass wir nicht gewährleisten können, dass in den von uns dargestellten Fallbeispielen ausschließlich Produkte von DRACO® zur Anwendung gekommen sind.

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