Digitale Gewalt erkennen
Digitale Überwachung, Drohungen und Datenmissbrauch können die Gesundheit massiv belasten. Fachleute haben Unterlagen zusammengestellt, um Sie als Beschäftigte im Gesundheitswesen für die Anzeichen zu sensibilisieren.
Digitale Gewalt hinterlässt in der Regel keine sichtbaren Verletzungen. Dennoch kann sie zu großen gesundheitlichen Problemen führen, und sie nimmt zu. Der Runde Tisch Berlin (RTB) hat daher gemeinsam mit der Organisation HateAid eine Praxisempfehlung zu diesem Thema entwickelt, die speziell auf Mitarbeitende in Kliniken, Praxen und Apotheken zugeschnitten ist.
Es ist aber nicht nur aus beruflichen Gründen sinnvoll, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, auch privat könnten Sie auf Opfer treffen oder sogar selbst negative Erfahrungen machen.
Was ist mit digitaler Gewalt gemeint?
Die Tatpersonen setzen zum Beispiel Ortungsdienste, Tracker oder Spionageprogramme ein, um ihre Opfer zu stalken. Sie versuchen, Nachrichten zu lesen, auf Konten zuzugreifen, setzen intime Bilder als Druckmittel ein oder belästigen Menschen nach einer Trennung über Messenger, E-Mail und soziale Netzwerke. Womöglich bringen sie gefälschte Bilder oder Videos in Umlauf oder begehen sogar Identitätsdiebstahl, indem sie im Netz unter den Namen ihrer Opfers auftreten. Für die Betroffenen ist die Belastung groß – oftmals wissen sie nicht einmal, wer sich hinter den digitalen Attacken verbirgt.
Mittelfristig macht sich der Druck oftmals psychisch und physisch bemerkbar: Ängste, depressive Verstimmungen, Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Erschöpfung oder Konzentrationsprobleme sind typische Folgen. Manche Menschen ziehen sich zurück, vermeiden Termine oder wirken permanent angespannt.
Tipps für Beschäftigte im Gesundheitswesen
Wichtig ist es zunächst einmal, mit dem Thema grundsätzlich vertraut zu sein und es als mögliche Ursache von Beschwerden ernst zu nehmen. Ausreichendes Hintergrundwissen versetzt sie in die Lage, beispielsweise Andeutungen zu verstehen.
Zudem sollten Sie sicherstellen, dass Sie sich in Bezug auf den Datenschutz immer hundertprozentig korrekt verhalten, um Tatpersonen nicht ungewollt zu unterstützen. Ändern Sie beispielsweise keine Telefonnummern oder E-Mail-Adressen von Patientinnen und Patienten, ohne dass diese selbst ausdrücklich darum bitten – und zwar persönlich.
Halten Sie zudem die Liste mit Anlaufstellen bei digitaler Gewalt bereit, die der RTB ebenfalls zum Download bereitstellt.
Hier geht’s zu den Praxisempfehlungen zu digitaler Gewalt.