West-Nil-Virus bei Mücken in Berlin verbreitet – bundesweites Risiko?
In Berlin wurden bei heimischen Stechmücken teils hohe Infektionsraten mit dem West-Nil-Virus festgestellt. Das Infektionsrisiko könnte auch bundesweit erhöht sein.
Eine aktuelle Studie der Charité zeigt: In Berlin zirkuliert das West-Nil-Virus viel stärker als bisher angenommen. In einzelnen Gebieten waren bis zu fünf Prozent der untersuchten Mücken infiziert. Auffällig: Besonders betroffen waren nicht die Orte mit den meisten Mücken, sondern bestimmte Wohngebiete und Friedhöfe. Entscheidend scheint die Umgebung zu sein – etwa Vogelarten, Wasserflächen und Biodiversität. Das Virus ist lokal etabliert und kein Einzelfall, der eingeschleppt wurde.
Zum Hintergrund: Das Virus wird vor allem zwischen Vögeln und Stechmücken übertragen. Menschen sind sogenannte Fehlwirte, können sich jedoch infizieren. In Deutschland werden seit 2019 regelmäßig Fälle registriert, insbesondere im Osten des Landes. Inzwischen treten auch in anderen Bundesländern Infektionen auf. Fachleute gehen davon aus, dass der Klimawandel die Ausbreitung des West-Nil-Virus begünstigt.
West-Nil-Virus auch bundesweit verbreitet?
Die aktuelle Untersuchung deutet darauf hin, dass das West-Nil-Virus auch bundesweit stärker verbreitet ist und das Infektionsrisiko unterschätzt wird. Damit steigt die Bedeutung von Aufklärung, Prävention und Diagnose. Arztpraxen sollten bei unklaren Symptomen auch tropische oder exotische Erkrankungen wie Infektionen durch das West-Nil-Virus in Betracht ziehen.
Die Infektionen verlaufen in der Regel mild oder ohne klare Symptome, weswegen sie oft unerkannt bleiben. Typische Anzeichen sind Fieber, Hautausschlag sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. In seltenen Fällen kann es zu schweren neurologischen Verläufen kommen.
Bei unklaren fieberhaften Erkrankungen auch an tropische Infektionen denken
Für Praxisteams gilt es, bei unklaren fieberhaften Erkrankungen auch an tropische Infektionen wie das West-Nil-Virus zu denken. Es wird durch heimische Stechmücken übertragen. In Teilen Süd- und Westdeutschlands breitet sich außerdem die Asiatische Tigermücke aus. Sie kann im Prinzip Chikungunya-, Dengue- oder Zikaviren übertragen. Auch wenn Forschende hierzulande bis heute noch keine von ihr übertragenen Infektionen festgestellt haben, bedeutet das nicht, dass diese Viren nicht längst im Umlauf sind. Besondere Aufmerksamkeit ist außerdem bei Menschen geboten, die von Fernreisen zurückkehren.
Als MFA empfiehlt es sich, besonders auf Risikogruppen wie ältere oder immungeschwächte Patientinnen und Patienten zu achten und die Anamnese gezielt mit Fragen zu Mückenstichen und Aufenthalten im Freien zu unterstützen.
Für Apothekenteams gewinnt das Thema ebenfalls an Bedeutung:
Sensibilisieren Sie Ihre Kundinnen und Kunden für wirksamen Mückenschutz durch Anti-Mückensprays und passende Kleidung.
Empfehlen Sie bei grippeähnlichen Symptomen nach Mückenstichen eine Abklärung durch Ärztin oder Arzt.
Klären Sie über das steigende Risiko durch wärmere Sommer und die Ausbreitung tropischer Mücken und Viren auf.
Auch Pflegefachkräfte sollten bei betreuten Personen auf unspezifische Anzeichen und Symptome achten. Besonders geschwächte Menschen können aktiv vor Mückenstichen geschützt werden, zum Beispiel durch Netze oder geeignete Kleidung.
Was jetzt grundsätzlich wichtig ist:
Klären Sie aktiv zu den Risiken durch tropische Viren sowie zum Mückenschutz auf – in Arztpraxis, Apotheke und Pflege.
Seien Sie wachsam bei unspezifischen, grippeähnlichen Symptomen im Sommer.
Empfehlen Sie eine frühzeitige ärztliche Abklärung bei Risikopatientinnen und -patienten.
So können Sie als MFA, PTA/PKA oder Pflegefachkraft dazu beitragen, Infektionen früher zu erkennen und schwere Verläufe zu verhindern.