Mehr Leberschäden durch Paracetamol in den USA: Und hierzulande?
Aktuelle US-Daten zeigen deutlich mehr Leberschäden durch Paracetamol. Wie Arztpraxen, Apotheken und Pflegefachkräfte hierzulande handeln und vorbeugen können.
Eine aktuelle Auswertung der University of Virginia zeigt: Die Zahl der Anrufe bei US-Giftnotrufzentralen wegen Leberschäden stieg von 10,9 auf 52,9 Fälle je eine Million Menschen. Eine häufige Ursache war Paracetamol – insbesondere als Einzelpräparat. Auch wenn sich die Untersuchung nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen lässt, ist sie Anlass genug, Ihre Patientinnen und Patienten entsprechend zu sensibilisieren.
Gesamtdosis immer mitdenken
Für Sie als MFA heißt das: Bei Schmerzen oder Fieber sollten Sie die gesamte eingenommene Paracetamol-Menge im Blick haben. Entscheidend ist nicht nur das Einzelpräparat. Weitere Erkältungs- oder Kombipräparate, die Patientinnen oder Patienten bereits einnehmen, können ebenfalls Paracetamol enthalten. Dokumentieren Sie bei Verdacht auf eine Überdosierung möglichst Präparat beziehungsweise Präparate, Stärke, Menge und Dauer der Einnahme.
Besondere Vorsicht ist bei Patientinnen und Patienten mit Lebererkrankungen, regelmäßigem Alkoholkonsum, geringem Körpergewicht oder Mangelernährung geboten. Für diese Gruppen gilt in der Regel eine niedrigere Tageshöchstdosis. Die exakte Dosierung richtet sich stets nach Präparat, Wirkstoffkonzentration, Alter, Körpergewicht und der jeweiligen Produktinformation.
Auch Kombipräparate prüfen
Als PTA oder PKA empfiehlt es sich, bei der Abgabe von paracetamolhaltigen Arzneimitteln nach weiteren Schmerz- und Erkältungsmitteln zu fragen, die ebenfalls Paracetamol enthalten könnten. Weisen Sie Ihre Patientinnen und Patienten darauf hin,
- die empfohlene oder verordnete Dosierung nicht zu überschreiten,
- die Einnahmeabstände einzuhalten und
- eine längere Einnahme ärztlich abklären zu lassen.
Darüber hinaus können Sie Ihre Patientinnen und Patienten auf typische, frühe Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Oberbauchschmerzen hinweisen. Diese können innerhalb von 24 Stunden nach einer Überdosierung auftreten.
Falls Patientinnen oder Patienten eine solche vermuten, sollten sie diese zeitnah ärztlich abklären lassen oder sich an eine der sieben Giftnotrufzentralen wenden. Der Giftnotruf Berlin ist beispielsweise rund um die Uhr unter der Telefonnummer 030 19240 erreichbar.
Im Zweifel sofort handeln
Pflegefachkräfte, aber auch Apothekenteams sollten bei Verdacht auf eine Überdosierung nicht auf Beschwerden warten: Einnahmezeitpunkt, geschätzte Menge, Präparat(e), Alter und Gewicht bereithalten und umgehend den Giftnotruf kontaktieren oder ärztliche Hilfe einschalten.