Social Prescribing als Ende der Einsamkeit
Auf einer Konferenz hat die Charité in Berlin dargelegt, wie sich der Praxisalltag verändern könnte. Denn es gibt Konzepte, die über die medizinische Versorgung der Patientinnen und Patienten hinausgehen.
Als MFA kennen Sie das Phänomen: Manche Menschen kommen sehr häufig in die Sprechstunde, obwohl sie nicht so krank sind, wie es den Anschein hat, und das ist nicht nur bei älteren Personen der Fall. Anders gesagt: Wer allein lebt, sucht soziale Kontakte. Das ist auch richtig so. Denn Einsamkeit macht langfristig krank. Finanzielle Sorgen oder Probleme in der Familie können ebenfalls eine große Belastung für die Gesundheit darstellen. Es verwundert also nicht, dass Praxisteams häufig die Vermutung haben, dass beispielsweise Stress oder fehlende soziale Kontakte die Behandlung einer Erkrankung behindern oder sogar die eigentlichen Auslöser sind. Was also tun? Selbstverständlich können Sie als MFA das nicht auffangen. Die Lösung heißt Social Prescribing.
Ein Rezept für ein besseres Leben
Wie groß der Bedarf ist, zeigt eine Zahl – Hausärztinnen und Hausärzte schätzen, dass es bei bis zu 40 Prozent der Termine in irgendeiner Weise auch um psychosoziale Probleme geht.
Was also wäre, wenn Sie als MFA und die ärztliche Leitung aufmerksam sind und gezielt nachhaken, wenn es Hinweise auf weitergehende Probleme gibt? Im nächsten Schritt könnten Sie die Betroffenen weiterleiten, nämlich an Menschen, die nach den richtigen Angeboten suchen, wie Beratungsstellen, Gruppen für gemeinsame Freizeitaktivitäten und so weiter. Diese sogenannten Link Worker (Verbindungsarbeiter) bilden also die Schnittstelle zwischen den Praxen und den Angeboten.
Dieser Gedanke folgt dem Prinzip der klassischen Überweisung: Wenn eine Patientin Physiotherapie benötigt, erhält sie eine Überweisung an eine physiotherapeutische Praxis. Ein Patient braucht mehr soziale Kontakte? Dann könnte er eine Überweisung an einen Link Worker erhalten – das ist Social Prescribing. Der Begriff lässt sich mit „sozialen Verordnungen“ übersetzen.
Das klingt nur nach einer schönen Idee? Keineswegs. Denn die Charité hat bereits erste Studienergebnisse und praktische Erfahrungen aus Modellen in Hausarztpraxen und Stadtteilprojekten vorgestellt. Das größte Problem besteht aus Sicht der Fachleute darin, dass die Link Worker in den Strukturen fehlen.
Tipps für MFA
Die Idee des Social Prescribing steckt noch in den Kinderschuhen. Sie können im Alltag aber bereits jetzt schon etwas tun: Stellen Sie zusammen mit Ihren Kolleginnen eine kleine Liste wichtiger regionaler Anlaufstellen zusammen, etwa Beratungsstellen, Seniorentreffpunkte und Ähnliches. Halten Sie diese bereit, um sie bei Bedarf an Patientinnen und Patienten auszugeben.