Ein Pflaster, das bei Licht Wirkstoffe abgibt
Schweizer Forschenden arbeiten an einem neuartigen Pflaster, das Fachkräfte entlasten könnte. Gedacht ist es für die Behandlung chronischer Wunden.
Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) in St. Gallen sind gerade dabei, ein Material für ein Pflaster zu entwickeln, bei dem Licht bestimmt, wann und in welcher Menge ein Wirkstoff austritt. Das soll die Behandlung chronischer Wunden erleichtern und Fachkräfte entlasten.
Für diese Neuheit haben die Forschenden winzige Teilchen (Nanopartikel aus Siliziumdioxid) mit dem Antiseptikum Chlorhexidin gefüllt. Anschließend umhüllten sie die Partikel mit einem Kunststoffmantel, der sogenannte molekulare Fotoschalter enthält. Das klingt kompliziert, wissen müssen Sie aber nur Folgendes: Trifft LED-Licht auf diese Schalter, verändern sie ihre Struktur. Die Hülle schwillt an, lässt Wasser hindurch und gibt den Wirkstoff frei. Sobald das Licht erlischt, zieht sich die Hülle wieder zusammen und schließt den Speicher.
Licht gezielt für die Behandlung einsetzen
Der Unterschied zu verfügbaren wirkstoffhaltigen Wundauflagen liegt vor allem darin, dass Fachkräfte die Wirkstoffabgabe von außen steuern würden. Sie könnten nicht nur ein Präparat auswählen, sondern über Lichtdauer, Lichtstärke und Wellenlänge auch Zeitpunkt und Dosis beeinflussen.
Perspektivisch könnte das Pflaster mehrere Wirkstoffe enthalten. Unterschiedliche Lichtwellenlängen würden jeweils passende Fotoschalter aktivieren. In Kombination mit einem Sensor, der Art und Zahl der Wundbakterien erfasst, könnte das System sogar die Therapie selbstständig am jeweiligen Bedarf ausrichten. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik.
Klinische Studien stehen an
Wenn das Konzept gelingt, könnte das bei der Wundversorgung die Zahl der notwendigen Verbandwechsel reduzieren und zu insgesamt weniger Behandlungsterminen führen.
Bislang funktioniert das neue Material aber nur im Labor. Klinische Studien müssen jetzt folgen. Bis das Pflaster auf den Markt kommt, wird es daher noch eine Weile dauern.