Wundauflagen

Dekontaminierende Wundauflagen

Chronische Wunden sind immer mit Bakterien besiedelt. Diese gehören aber oft zur normalen Hautflora und schädigen die Wunde nicht. Erst wenn die Bakterienzahl deutlich zunimmt und es zu einer kritischen Kolonisation oder lokalen Infektion kommt, sollte mit dekontaminierenden Wundauflagen gearbeitet werden. Nach erfolgtem Wundabstrich kann die Therapie meist lokal erfolgreich durchgeführt werden. Zur Verfügung stehen mittlerweile eine Vielzahl dekontaminierender Wundauflagen mit Polyhexanid (PHMB) oder Silber (Ag). Viele dieser Wundauflagen bekämpfen die Bakterien innerhalb der Wundauflage. Dadurch werden die Keimzahl und auch daraus entstehende belastende Gerüche reduziert.

Einsatzgebiete von dekontaminierenden Wundauflagen

Mäßig bis stark exsudierende, kritische kolonisierte bis infizierte Wunden

Produkte (dekontaminierende Wundauflagen) 

Schaumstoffwundauflagen

Schaumstoffwundauflagen mit oder ohne Haftrand bestehen aus Polyurethanschaum. Die porenreichen Wundauflagen saugen wie Schwämme mittels Kapillarkraft Flüssigkeiten auf. Die gegebene Abdampfrate der Feuchtigkeit durch den Schaum ermöglicht den Erhalt eines physiologisch feuchten Milieus. Die Wundkontaktfläche kann mit Silikon beschichtet oder thermisch geglättet sein, um ein Verkleben mit dem Wundgrund zu vermeiden und einen möglichst atraumatischen Verbandwechsel zu ermöglichen. Die meisten Schaumverbände expandieren nach Flüssigkeitsaufnahme und quellen der Wundoberfläche entgegen. Dadurch wird ein enger Kontakt zur Wunde geschaffen, das Exsudat optimal abgeführt und die Granulation gefördert. Schaumstoffe ohne Deckfolie aus Polyurethan (PU), so genannte Cavity-Schäume, werden in saubere Wundhöhlen eingelegt und nehmen (z. T. unter beachtlicher Volumenzunahme) Wundexsudat auf und dienen als Wundfüller.  Des Weiteren gibt es noch Sonderformen für anatomisch schwer zu versorgende Stellen am Körper, wie beispielsweise an Ferse und Ellenbogen oder im Sakralbereich.

Einsatzgebiete für Schaumstoffwundauflagen

stark bis mäßig exsudierende Wunden, als Tamponade ohne PU-Film

Produkte (Schaumstoffwundauflagen) 

Alginate

Alginate werden aus Seealgen gewonnen und bestehen aus einem lockeren Faserverbund, der sich bei Kontakt mit Natriumsalzen, die in Blut und Wundexsudat vorhanden sind, unter Quellung in ein feuchtes, gelartiges Produkt verwandelt. Dabei werden Bakterien und Zelltrümmer eingeschlossen und je nach Produkt z.B. Calcium oder Zink abgegeben. Durch die Freisetzung der Calciumionen ist die hämostypische Wirkung der Alginate auch bei blutenden Wunden nach chirurgischem Debridement nutzbar. 

Einsatzgebiete für Alginate 

mäßig bis stark sezernierende Wunden, auch tiefe und zerklüftete Wunden; benötigen eine sekundäre Abdeckung.

Produkt (Alginate Wundauflage)

Hydrokolloide Wundauflagen

Hydrokolloide Wundauflagen sind meist zweischichtig aufgebaut. Den Kontakt zu der Wunde hat eine selbsthaftende Schicht, die aus einer hydrokolloidalen, flüssigkeitsabsorbierenden Mikrogranula besteht, die in eine hydrophobe Matrix eingebettet ist. Unter Aufnahme von Wundsekret verflüssigt sich die Hydrokolloidmasse in ein visköses Gel. Den Abschluss der Wundauflage bildet eine semiokklusive Polyurethanfolie. Deren hydroaktive Fähigkeit in Kombination mit dem Hydrokolloid weichen fibrinöse Beläge auf und lösen sie ab. Gleichzeitig kann mit dem Verband geduscht werden.

Einsatzgebiete für hydrokolloide Wundauflagen 

mittelstark exsudierende bis trockene Wunden; nicht-infizierte Wunden

Produkte (Hydrokolloide Wundauflagen)

Wundkontaktauflagen

Wundkontaktauflagen oder auch Wunddistanzgitter sind Wundauflagen, die ein Verkleben der eigentlichen Wundauflage mit der Wunde verhindern. Diese sind oft silikonbeschichtete Gitternetze, die den empfindlichen Wundgrund schützen können und überschüssiges Exsudat durch ihre Gitterstruktur in die Sekundärwundauflage leiten. Des Weiteren gewährleisten sie einen absolut atraumatischen Verbandwechsel.

Einsatzgebiete für Wundkontaktauflagen  

stark bis gering exsudierende sowie trockene, oberflächliche Wunden

Produkt (Wundkontaktauflage) 

Hydrogele

Hydrogele bestehen zu über 60 % aus Wasser und wirken befeuchtend auf die Wunde. Durch die erhöhte Feuchtigkeit lösen sie Nekrosen an oder auf und erleichtern das mechanische und autolytische Debridement. Hinzu kommt eine schnelle Schmerzlinderung bei sehr trockenen Wunden durch die zusätzliche Feuchtigkeit. Als Abdeckung des Gels kann im einfachsten Falle eine Sterilfolie oder auch ein Hydropolymerschaum verwendet werden. Klassische Hydrokolloidverbände sind als Abdeckung wenig geeignet, da die Hydrogele ihre Matrix angreifen und auflösen und somit der Wunde nicht mehr zur Verfügung stehen.

Einsatzgebiete für Hydrogele 

gering exsudierende bis trockene Wunden

Produkt (Hydrogel) 

Anforderungen Wundversorgung

Exsudationsphase

In der Exsudationsphase unterstützt die therapeutische Wundauflage die Selbstreinigungsmechanismen der Wunde. Ziel ist eine optimale Wundkonditionierung. Die Wundauflage dient dem Erhalt des idealfeuchten Wundmilieus bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Gasaustausches. Sie muss in der Lage sein, ausreichend Wundsekret zu absorbieren und die Bildung einer feuchten Kammer zu unterbinden. Mit der Aufnahme des Sekretes werden Bakterien und Zelltrümmer von der Wunde abgeleitet und in den Strukturen des Verbandes gebunden. Durch die Aufnahmen der überschüssigen Feuchtigkeit wird einer Mazeration der Wundränder vorgebeugt.

Die Wundauflage darf nicht mit der Wunde verkleben, muss einen Infektionsschutz bieten und die Wunde vor Auskühlung durch zu starke Verdunstungskälte schützen.

Ziel ist es, die Saugfähigkeit der Wundauflage so zu wählen, dass ein Verbandwechsel nicht häufiger als einmal täglich nötig ist. Die modernen Wundauflagen erlauben Tragezeiten von bis zu sieben Tagen. Die tatsächliche Dauer zwischen den Verbandwechseln muss aber auf die jeweilige Wundsituation abgestimmt sein. So ist eine Störung des physiologischen Wundmilieus auf ein Minimum reduziert.

Weitere Absicht bei der Auswahl der Wundauflage kann ggf. ein Auflösen von Belegen am Wundgrund (autolytisches Debridement) sein.

Granulationsphase

Oberstes Ziel in der Granulationsphase ist es, die Gewebeneubildung zu fördern und das neu gebildete Gewebe zu schützen. Um einen atraumatischen Verbandswechsel sicherzustellen, darf die Wundauflage nicht mit dem Wundgrund verkleben. Oben genannte Aufgaben, wie die Erhaltung des idealfeuchten Wundmilieus, Absorption von überschüssigem Wundsekret, Schutz vor Austrocknung und eine ausreichende Wärmeisolierung müssen auch in dieser Phase berücksichtigt werden. Je geringer die Frequenz der Verbandswechsel ist, desto besser heilt die Wunde ab.

Epithelisierungsphase

In der Epithelisierungsphase sollte die Zellteilung und die Zellwanderung im feuchten Milieu unterstützt werden. Dies wird durch einen ausreichenden Schutz vor Austrocknung erreicht. Atraumatische Verbandswechsel sind auch für das empfindliche neue Epithelgewebe obligat. Gleichzeitig muss die Wundauflage einen ausreichenden mechanischen Schutz bieten.

Je nach Wundheilungsphase tritt ein unterschiedlich ausgeprägter Exsudatüberschuss auf. Bildet die Wunde jedoch zu wenig Wundsekret und besteht die Gefahr der Austrocknung und eines Verklebens des Verbandes mit dem Wundgrund, kann Feuchtigkeit von außen beim Verbandwechsel zugeführt werden. Ebenso können je nach Anforderungen unterschiedliche Wundauflagen – primäre Wundauflagen (direkt auf den Wundgrund aufgebrachte, z.B. Wunddistanzgitter, Hydrogele) und sekundäre Wundauflagen (zur Abdeckung der Wunde, z.B. Schaumstoffauflagen) - kombiniert werden, um die jeweiligen Ziele zur Wundkonditionierung zu erreichen.