Die Funktion des Venensystems

Funktion des Venensystems
Funktion des Venensystems

Im Blutkreislauf des Menschen zirkulieren ca. 5-6 Liter Blut. Das Herz pumpt das mit Sauerstoff angereicherte Blut in die Arterien und von dort in das Gewebe. Die Venen transportieren das verbrauchte Blut zum Herzen zurück.

Während dieses Vorganges befinden sich 15% des gesamten Blutvolumens in den Arterien und über 80% in den Venen. Die Hauptaufgabe der Venen, der Rücktransport des Blutes zum Herzen, wird durch die Arbeit der Venenklappen unterstützt. Durch ihre Ventilfunktion erlauben sie den Blutfluss ausschließlich in Richtung des Herzens.

Die Venenklappen wirken wie Schleusentore, die das Zurückfließen des Blutes in die Beine verhindern.

Venenkrankheiten

Venenkrankheiten
Venenkrankheiten

Man unterscheidet zwischen akuten und chronischen Venenkrankheiten.
Zu den akuten Venenkrankheiten zählen die oberflächliche Venenentzündung (Thrombophlebitis) und die tiefe Beinvenenthrombose. Dabei entsteht ein Blutgerinnsel, das die Vene verschließt. Einhergehende Entzündungen der Venenwand können zu dauerhaften Verschlüssen, einer Funktionsstörung des Venensystems und daraus folgend zu einer chronisch venösen Insuffizienz (CVI) führen.

Die chronischen Venenkrankheiten sind vorwiegend Krampfadern (Varikose) und die chronisch venöse Insuffizienz (CVI). Bei Krampfadern erweitern sich die Venen, es bilden sich Aussackungen und die Venenklappen können ihre Ventilfunktion nicht mehr ausüben. Somit staut sich ein Teil des Blutes in den Venen, weil das Blut der Schwerkraft folgend in den Beinen versackt. In Folge dessen kann es auch zu einer andauernden Venenschwäche kommen. Dies führt zu Schweregefühl und Schmerzen in den Beinen. Es können auch Schwellungen der Beine (Ödem), Hautveränderungen und ein Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris) auftreten.

Besenreiser

Hierbei handelt es sich um kleine, erweiterte Venen. Diese können an verschiedenen Bereichen des Beins auftreten. Bei Auftreten im Knöchelbereich kann dies ein Zeichen für eine CVI sein. Dieses sollte von einem Arzt bestätigt oder ausgeschlossen werden. Besenreiser können aus ästhetischen Gründen verödet werden. Unterstützend sollten Kompressionsstrümpfe getragen werden.

Krampfadern

Krampfadern sind unter der Haut liegende, geschlängelte, erweiterte Venen, in denen die Venenklappen nicht mehr funktionieren. Das Blut wird nicht mehr schnell genug zum Herzen zurücktransportiert. Es kommt zum so genannten „Venenstau“. Eine oberflächliche Venenentzündung ist eine häufige Komplikation bei ausgeprägten Varikosen. Es bilden sich Blutgerinnsel in der oberflächlichen Vene. Eine Venenentzündung sollte sofort vom Arzt behandelt werden um eine Ausdehnung zu vermeiden. Folge von nicht behandelten Krampfadern kann eine chronisch venöse Insuffizienz bis hin zum Ulcus cruris sein. Um Komplikationen zu verhindern und Symptome zu lindern, sollten Kompressionsstrümpfe getragen werden.

Ödeme

Venöse Ödeme sind Flüssigkeitsansammlungen, die typischerweise eindrückbar sind. Diese treten meistens in der Knöchelgegend auf, können aber auch auf den Fuß übergreifen. Das Blut in den oberflächlichen und/oder tiefen Beinvenen staut sich, dadurch wird Flüssigkeit aus der Blutbahn in das Gewebe gedrückt und verursacht ein venöses Ödem. Zusammen mit der Flüssigkeit können auch Blutbestandteile in das Gewebe übertreten. Dadurch entsteht die typische rötlich-bräunliche Verfärbung der Haut, die sog. Purpura jaune d’ocre. Sie ist ein typisches Zeichen für eine fortgeschrittene CVI. Da nicht alle Ödeme venöser Herkunft sind, sollten Sie Ihren Arzt zur Diagnose aufsuchen. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen kann helfen, Ödeme zu verringern oder ganz zu beseitigen.

Thrombose

Eine Thrombose entsteht, wenn sich innerhalb einer Vene ein Blutgerinnsel (Thrombus) bildet und die Vene dadurch verstopft. Die meisten Thrombosen bilden sich im tieferen Venensystem der Beine. Löst sich das Blutgerinnsel, wird dieses über den Blutkreislauf weiter in die Blutgefäße der Lunge transportiert und kann zur Lungenembolie führen. Je nach Größe des Gerinnsels sind teilweise schwere Gewebeschäden möglich. In besonders schweren Fällen können Lungenembolien zum Tod führen.
Je nach Lage und Ausdehnung der Thrombose können die Symptome sehr unterschiedlich sein. Eine tiefe Beinthrombose macht sich häufig beim Aufstehen bemerkbar. Plötzlicher Schmerz in der Wade, angeschwollenes Bein und Schmerzen bei Druck auf der Wade sind typisch. Allerdings verursacht die Thrombose in der Anfangsphase wenige Beschwerden. Es ist dringend ein Arzt aufzusuchen.

Anzeichen einer Venenschwäche

  • Schwellungen der Knöchel
  • Juckreiz, Ameisenkribbeln
  • Schwellungsneigung tagsüber (Ödembildung)
  • nächtliches Unruhegefühl in den Beinen
  • nächtliche Wadenkrämpfe
  • Druckgefühl über den betroffenen Venen
  • brennende Schmerzen
  • Hautveränderungen in der Umgebung der betroffenen Venen (verstärkte Pigmentierung, Ekzem)
  • Krampfadern

Therapie venöser Venenleiden

  • Invasive Maßnahmen z.B. Stripping bei Varizen
  • Konservative Therapie mittels physikalischer Kompression mit Kompressionsverbänden (Wechsel- oder Dauerverbände), Zweizug-Kompressionsstrümpfen

Medizinische Wirkung von Kompressionsstrümpfen

Medizinische Wirkung von Kompressionsstrümpfen
Medizinische Wirkung von Kompressionsstrümpfen

Kompressionsstrümpfe sind ein medizinisches Hilfsmittel, das mittels Druck von außen auf die Beine wirkt. Die Venen werden von außen komprimiert, der Venendurchmesser verringert und somit die Fließgeschwindigkeit in den Venen erhöht. Dadurch werden schwache Venenwände in Form gehalten und die Venenklappen können wieder schließen. Beschwerden wie schwere oder schmerzende Beine klingen ab, gefährliche Venenverschlüsse (Thrombosen) können verhindert werden. Durch die Kompression wird die Flüssigkeit wieder aus dem Gewebe gepresst, wodurch Ödeme abklingen.

Während der Kompressionstherapie sollte sich möglichst viel bewegt werden, denn dadurch wird die Wadenmuskelpumpe aktiviert und der Rücktransport des venösen Blutes unterstützt. Die Muskelaktivität drückt die Venen zusammen und pumpt so das Blut wieder in Richtung des Herzens.

Bei jeder Muskelkontraktion werden die Venen zusammengedrückt. Dadurch wird das venöse Blut Richtung Herz gefördert. Die beste Muskulatur für diesen Vorgang ist die Wadenmuskulatur.

Rundgestricke Kompressionsstrümpfe

"Rundgestrickte" Kompressionsstrümpfe werden in erster Linie bei Venenerkrankungen eingesetzt. Diese Art der Kompressionsstrümpfe wird mit gleichbleibender Maschenzahl über die gesamte Länge und mit variierender Maschengröße gefertigt. Diese Kompressionsstrümpfe sind sehr dehnbar (Langzugstrümpfe) und haben im Vergleich zu flachgestrickten Kompressionsstrümpfen einen niedrigeren Arbeitsdruck.  

Ruhe- und Arbeitsdruck

Unter Ruhedruck ist der Druck zu verstehen, den ein Kompressionsstrumpf auf das Hautgewebe ausübt, wenn die Muskulatur nicht bewegt wird. Je elastischer ein Kompressionsmaterial ist, desto höher ist der Ruhedruck, da das hochelastische Material sich bei Entlastung im Ruhezustand zusammen zieht.

Mit Arbeitsdruck wird der Widerstand bezeichnet, den der Kompressionsstrumpf der Muskulatur bei Bewegung entgegensetzen kann. Je unnachgiebiger das Kompressionsmaterial ist, desto höher ist der Arbeitsdruck.