Erfrierungen

Erfrierungen entstehen durch den Kontakt des Körpergewebes mit Kälte.



Symptome

Merkmale einer Erfrierung

Besonders Finger, Zehen, und das Gesicht sind gefährdete Körperstellen. Anzeichen für eine Erfrierung sind eine blasse, kalte, verhärtete und gefühllose Haut. Im fortgeschrittenen Stadium kommt eine Blasenbildung und eine blauschwarze Verfärbung der Haut dazu. Neben einzelnen Körperteilen kann auch der ganze Körper von Unterkühlung betroffen sein (Körpertemperatur unter 35°C).

Leichte Erfrierungen

Bei leichten Erfrierungen ist die Haut blass, kalt und gefühllos. Beim Erwärmen schmerzen die Körperteile dann oft stark.

Schwarze Verfärbung

Eine Schwarzfärbung der Haut ist eine Folge einer Gewebsnekrose, also einem Absterben der Zellen. Ist die Erfrierung so weit fortgeschritten, ist das Körperteil nicht mehr zu retten und muss amputiert werden.


Einteilung

Gradeinteilung

Grad 1

Grad 2

Grad 3

 
  • Rötung

  • Haut ist kühl, blass, verfärbt

 
 
  • Blasenbildung (teilweise blutgefüllt)

  • rötlich-bläuliche Verfärbung

 
 
  • Nekrose

  • Gewebe stirbt ab und verfärbt sich blauschwarz (tritt möglicherweise auch erst einige Zeit später auf)

 

Ursache und Entstehung

Von Unterkühlung spricht man, wenn die Körpertemperatur für mehr als 30 min unter 37°C liegt. Zittern und eine Blaufärbung der Lippen sind erste Anzeichen dafür.

Dauer der Entstehung

Eine Erfrierung tritt meistens über einen längeren Zeitraum (leichtere Kälteeinflüsse) oder sehr schnell (sehr starke Kälteeinflüsse) ein. Je kälter und feuchter die Temperatur, desto schneller kommt es zu einem Auskühlen des Körpers.

Ursache

Die Kälte führt zu einer Verengung der Blutgefäße, wodurch besonders die exponierten Körperteile wie Finger, Nase und Zehen schlechter durchblutet werden. Dadurch kühlt das Gewebe auch weiter aus, da weniger warmes Blut die Temperatur konstant halten kann. Bei Temperaturen unter -4°C bilden sich in den Zellen Eiskristalle, die dann zum Absterben der betroffenen Zellen führen. Dabei können   durch die in das umliegende Gewebe abgegebene Flüssigkeit Blasen entstehen (ähnlich wie bei einer Verbrennung).

Je länger und kälter die Temperatureinwirkung ist, desto größer wird der Gewebeschaden. Es kann bis hin zum Absterben von Fingern oder Zehen führen. Solche Folgeschäden (Autoamputation) können auch mehrere Monate dauern.

Erfrierung durch Kühlakku

Kühlakkus aus dem Tiefkühlschrank sollten nie direkt auf die Haut gelegt werden. Sie können ansonsten lokale Erfrierungen verursachen. Kühlpacks sollten immer in ein Handtuch oder anderen Stoff eingewickelt werden und nur kurzzeitig (15 min.) benutzt werden.


Risikofaktoren

Betroffene Personen

Alle Personen, die sich ungeschützt tiefen Temperaturen aussetzen, sind gefährdet. Hierzu zählen u.a. auch Wintersportler oder Bergsteiger, aber auch Obdachlose Menschen. Personen mit einer Durchblutungsstörung, z.B. bei Diabetes mellitus, sind ebenfalls stärker gefährdet.

Alkoholkonsum ist ein weiterer Risikofaktor, da sich die Gefäße weiten und somit, trotz des Gefühls der Wärme, vermehrt Wärme abgegeben wird.

Gefährdete Körperstellen

Gefährdet sind die besonders exponierten Körperteile wie Finger, Füße, Nase und Ohren.


Behandlung und Therapie

Je nach Umfang der Unterkühlung bzw. Erfrierung sollte ein Rettungswagen gerufen bzw. die Notaufnahme aufgesucht werden.

Durchführung einer Erwärmung

Leichte Unterkühlung und Erfrierungen ersten Grades lassen sich durch langsames Erwärmen mit Getränken, Kleidung oder Wasserbädern behandeln. Größere Verletzungen sollten professionell behandelt werden.
Im Akutfall ist die Vermeidung von Salben oder Cremes ratsam, da sie eher Feuchtigkeit auf der Haut halten, die weiter kühlt.

Schmerzmittel sind oft nötig, da der Prozess der Erwärmung sehr schmerzhaft sein kann.
Wichtig ist, dass das Erwärmen von betroffenen Personen oder Körperteilen nicht zu schnell passiert. Nasse Kleidung sollte möglichst durch trockene ersetzt werden und die Wärmezufuhr durch Decken und eine Mütze verstärkt werden. Reiben oder Drücken der betroffenen Körperteile sollte vermieden werden, da dies die Gewebeschäden verstärken könnte. Besteht die Möglichkeit, Wasser zu erwärmen, kann mit warmen, gezuckerten Getränken von innen und Wasserbädern (~37-38°C) von außen gewärmt werden.

Erstmaßnahmen

Falls Zweifel  über die Schwere der Erfrierung bestehen, sollte immer ein Rettungswagen gerufen werden.
Bei stärkerer Unterkühlung kann es zum Kreislaufkollaps bis hin zum Herzstillstand kommen.


Mögliche Komplikationen

Größere und stärkere Erfrierungen bzw. Unterkühlungen können zum Verlust von Körperteilen durch Amputation bis hin zum Tod führen.

Spätschäden

Das volle Ausmaß der Schäden wird oft erst nach mehreren Tagen oder Wochen sichtbar, weil sich das Gewebe nicht mehr regenerieren konnte. Es kann im späteren Verlauf z.B. zu Autoamputationen von Zehen oder Fingern kommen. Grad 1 und 2 heilen meistens komplikationslos und narbenfrei ab. Bei drittgradigen Erfrierungen ist der Gewebeschaden so groß, dass das Körperteil amputiert werden muss.

Erfrierungstod

Der Beginn einer Unterkühlung zeigt sich anhand von kalten, verfärbten Körperteilen und einem Zittern des Körpers. Durch das Zittern produziert der Körper Wärme. Dies gelingt allerdings nur bis zu einem bestimmten Grad, ab dem der Körper zu weit ausgekühlt ist. Hier ist dann auch die Gehirnfunktion beeinträchtigt, der Mensch wird träge, müde und ist kaum ansprechbar. Die Muskeln werden steif, ein Zittern ist nicht mehr möglich. Ab einer Körpertemperatur von unter 28°C besteht Lebensgefahr. Es kommt zum Zusammenbruch des Kreislaufs und zum Herzstillstand. Der Mensch kann diesen Zustand einige Zeit überleben, auch wenn er bereits wie tot wirkt. Wiederbelebungsmaßnahmen sollten deshalb im Zweifel immer ergriffen werden.


Heilungsverlauf

Erst- und zweitgradige Erfrierungen heilen meistens komplikationslos, wenn auch unter teilweise starken Schmerzen, ab. Bei drittgradigen Erfrierungen kommt es meistens zum Verlust der betroffenen Körperteile.

Vorbeugung

Eine Angemessene Kleidung ist bei längeren Aufenthalten in der Kälte  entscheidend. Ebenso sollte kalter Zugwind vermieden werden. Eisflächen sollten nicht betreten werden, da die Gefahr eines Einbruchs in das eiskalte Wasser besteht. Die Überlebenschancen sind in so einem Fall besonders gering, da Nässe die Auskühlung beschleunigt.  Alkohol ist nicht geeignet, um den Körper aufzuwärmen und sollte in der Kälte vermieden werden.