Wundtherapie

Die Diagnostik, Therapie und Prävention chronischer Wunden gehört nach wie vor zu den großen und in Hinsicht auf die Alterung der Gesellschaft neu akzentuierten Aufgaben, der sich Ärzte und Pflegende aller Fachrichtung gemeinsam widmen müssen.

Ein gesunder Körper entwickelt keine chronischen Wunden. Wunden entstehen immer im Rahmen von Grundkrankheiten (Diabetes mellitus, pAVK, CVI etc.) Die systematische Erforschung der chronischen Wunde, ihrer verschiedenen Ursachen und möglichen Therapien wurde Anfang der 60er des vorherigen Jahrhunderts angestoßen. Sie gewann dann eine Eigendynamik mit dem Fortschreiten des theoretischen Verständnisses der Wunden sowie mit der Entwicklung von Wundauflagen, die der Wunde ein feuchtes Milieu zur Verfügung stellen. Es zeigt sich zudem, für viele überraschend, dass die chronische Wunde in einer älter werdenden Gesellschaft praktisch über Nacht zu einem massiven gesellschaftspolitischen Problem avanciert war. Derzeit geht man von ca. 3,5 Mio Menschen mit chronischen Wunden aus, wobei Ulcus cruris mit 1,5 Mio Patienten dominiert.

 

Ursache der Wundheilungsstörung

Grundsätzlich gilt bei der Therapie von Menschen mit chronischen Wunden: zuerst muss die Ursache der Wundheilungsstörung behoben werden, bevor der Heilungsprozess beginnen kann.

Dazu sollten folgende systemische Einflussfaktoren in die Gesamtbeurteilung einfließen:

  • Medikamente, die die Wundheilung beeinflussen können, sind: Antibiotika, Antikoagulantien (ASS, Heparin, Marcumar), Zytostatika, Diuretika, Kortikosteroide und andere.
     
  • Lebensalter. Mit zunehmendem Alter nimmt die Wundheilungsfähigkeit des Körpers ab. Die Elastizität der Haut lässt nach, sie wird dünn, produziert weniger Schweiß und kann schneller einreißen. Entsprechend erhöht sich das Verletzungs- und Infektionsrisiko.
     
  • Mobilisation des Patienten sorgt maßgebend für eine gute Durchblutung des Körpers. Die ausreichende Sauerstoffzufuhr wird gewährleistet und wirkt sich entscheidend auf den Wundstatus aus.
     
  • Ernährung. Eine ausreichende Ernährung ist ein unerlässlicher Bestandteil der Wundheilung. Dies beinhaltet sowohl eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr als auch die Substitution von Nährstoffen und Vitaminen. Inbesondere Vitamin C ist für den Kollagenaufbau unerlässlich.
     
  • Schmerzen beeinflussen und hemmen die Wundheilung. Sie führen zu einer reduzierten Beweglichkeit und wirken negativ auf die Stimmungslage.

 

Beurteilung des Patienten

Eine ganzheitliche Beurteilung des Patienten sollte am Beginn der Behandlung stehen. Auf folgende Punkte ist zu achten:

  1. Formulierung des Therapieziels: Kurativ oder palliativ?

a. Bekämpfung der Grundkrankheit

b. Lokale Wundtherapie

c. Mögliche chirurgische Interventionen

d. Allgemein unterstützende Maßnahmen

 

  1. Hat ein konservativer Therapieversuch allein Chancen oder sollten plastisch- chirurgische Maßnahmen erwogen werden?

a. Wenn die Ursache reversibel (akute Bettlägrigkeit nach Operation) ist und/ oder z.B. der Dekubitus erst kurze Zeit besteht, kann eine konservative Therapie versucht werden.

b. Wenn die Ursachen absehbar nicht reversibel sind (z.B. neurologische Ursachen) und/ oder ohne Heilungsaussicht oder mit Vergrößerungstendenzen, sollte eine chirurgische Deckung erwogen werden.

 

  1. Was ist bei der Lokaltherapie zu beachten?

a. Kontinuierliche Wundbeurteilung und schriftliche Dokumentation

b. Debridement, wenn notwendig wiederholen

c. Bekämpfung von bakterieller Kontamination und Infektion

d. Exsudatmanagement durch Einsatz phasenadaptierter Wundauflagen

 

  1. Zu den allgemeinen Maßnahmen zählen

a. Kontinuierliches Schmerzmanagement

b. Einschätzen des Ernährungsstatus

c. Kompressionstherapie (Ulcus cruris venosum)

d. Hautschutz zur Vermeidung von Rezidiven (besonders bei Ulcus Cruris)