Ulcus cruris venosum

Definition

Ein Ulcus cruris venosum ist ein Substanzdefekt im pathologisch veränderten Gewebe des Unterschenkels infolge einer chronisch venösen Insuffizienz (CVI) (deutsche Gesellschaft für Phlebologie,Leitlinie1999). Mit einem Anteil von bis zu 80 Prozent stellt das Ulcus cruris venosum die größte Gruppe dar. Der restliche Anteil ist unterteilt in das ulcus cruris arteriosum und mixtum.
Wunden ulcus cruris venosum

 CVI Stadium nach Widmer(1989)

STADIUM BESCHREIBUNG
1 - Venenerweiterung/Besenreiser in der Knöchelregion und oberhalb des Fußgewölbes
- Knöchelödem
2 - Hyperpigmentierung der Haut
- Unterschenkelödeme
- Hautverhärtung, Haut ist glänzender und lässt sich nicht in Falten abheben
- Ockergelbe Verfärbung der Haut
3a - Abgeheiltes Ulcus cruris venosum
3b - Florides Ulcus cruris venosum

 

Causal-Therapie

Zur Abheilung eines Ulcus cruris venosum ist eine causale Therapie unerlässlich. Diese besteht zu einem in der Verbesserung des venösen Rückflusses durch Kompression und Bewegung und zum anderen durch chirurgische Maßnahmen wie beispielsweise die Sanierung der Venen.

Gleichzeitig erfolgen eine direkte Wundtherapie mit Wundreinigung und eine phasengerechte idealfeuchte Wundversorgung. Bei klinisch infizierten Wunden steht die Bekämpfung der Infektion mit im Vordergrund.

 

Diagnostik

Zur diagnostischen Abklärung gehören unter anderem:

  • Anamnestische Erfassung der Risikofaktoren
  • Klinische Untersuchung
  • Direktionale Dopplersonographie, evtl. Farbduplexsonographie
  • Bestimmung des Knöchel-Arm-Druck-Index
  • Digitale Substraktionsangiographie (DAS)

Die direkte Wundtherapie beim ulcus cruris venosum beinhaltet:

  • Wundreinigung
  • Debridement
  • Wundauflage

 

Wundreinigung

Am Beginn der Therapie steht die Wundreinigung. Sie befreit die Wunde von Nekrosen, Belägen, Fremdkörpern, Abfallstoffen und überschüssigem Wundexsudat (Panfil 2009).

  • infizierte Wunden mit Wund-Antiseptika reinigen
  • nicht infizierten Wunden mit NaCl 0,9% oder Ringerlösung reinigen
  • aseptischen Wunden von innen nach außen wischen
  • septischen Wunden von außen nach innen wischen

 

Debridement

Das Entfernen von abgestorbenem Gewebe dient der Verbesserung der Wundbedingungen und der Infektionsprophylaxe.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten eine Debridement durchzuführen:

  • Autolytisch
  • Chirurgisch
  • Biochirurgisch

Die Art ist abhängig vom Gewebetyp, Lokalisation, Wundtiefe und anderen Faktoren.

Das autolytische Debridement:
Verschiedene Wundauflagen z.B. Hydrogele, Alginate, DracoFoam Ulcus-Set und hydrokolloide Wundauflagen tragen dazu bei, das avitale Gewebeanteile aufgelöst werden.

Das chirurgische Debridement:
Das chirurgische Debridement ist die schnellste und effektivste Art der Wundreinigung dabei werden Nekrosen und Belägen aus der Wunde entfernt. Je nach Ausmaß der Wundreinigung ist eine Kurznarkose oder Lokalanästesie z. B. mit Emla ® -Creme erforderlich.

Das biochirurgische Debridement:
Für das biochirurgische Debridement werden steril gezüchtete Fliegenmaden der Gattung Lucilia sericata verwendet. Der Speichel der Maden verfügt über proteolytische Enzyme welche Nekrosen und Beläge verflüssigen.

Phasenadaptierte Wundauflage:
Für nicht-ischämische Wunden werden moderne bzw. idealfeuchte oder hydroaktive Wundauflagen verwendet. Die Auswahl des geeigneten Wundverbandes hängt ab vom Wundstadium, der Wundheilungsphase, klinischen Infektionszeichen, der Exsudationsmenge, Zustand des Wundrandes und den der Wundumgebung.
Weitere Aspekte sind Wirtschaftlichkeit, leichte Handhabung, Patientenbedürfnisse und die Akzeptanz der Wundauflage durch den Patienten.

Die geeignete Wundauflage kann über den Wundassistenten ermittelt werden.
 

Wunden

Wunden ulcus cruris venosum Granulationsphase
Wunden ulcus cruris venosum Granulationsphase 02
Wunden ulcus cruris venosum in der Granulationsphase mit Epithelgewebe
Ulcus cruris venosum
in der Granulationsphase
Ulcus cruris venosum
in der Granulationsphase
Ulcus cruris venosum in der Granulationsphase mit Epithelgewebe