Die Kompressionsverbände dienen zur akuten Behandlung (Ekzeme, frische Phlebothrombosen, starke Ödeme, größere Ulcera), da sie dem individuellen Krankheitsbild entsprechend gewickelt werden können. Kompressionsstrümpfe sind erst sinnvoll, wenn eine Entstauung erreicht ist, so daß der Strumpf auch über einen längeren Zeitraum den Beinmaßen entspricht und wirkungsvoll eine erneute Vergrößerung des Beinumfangs verhindert.
Durch Kompressionsverbände werden krankhaft erweiterte Venen eingeengt, so daß die Venen wieder schließen, die Strömungsgeschwindigkeit des venösen Blutes sich erhöht und der Rücktransport des Blutes wieder normalisiert wird. So werden Flüssigkeitsansammlungen und Abfallstoffe aus dem geschädigten Gewebe wieder abtransportiert, Schwellungen und Ödeme bilden sich zurück, offene Geschwüre können abheilen. Die Gefahr, daß neue Entzündungen und Blutgerinnsel entstehen, wird entscheidend verringert. Außerdem dient der Kompressionsverband der Beinmuskulatur als Widerlager und verbessert so die Arbeit der natürlichen Venenpumpe - unsere Muskeln und Gelenke. Zusammen mit körperlicher Bewegung sorgt der Kompressionsverband schon beim ersten Anlegen für eine spürbare Linderung der Beschwerden. Der Kompressionsverband muß bis zu den Grundgelenken der Zehen reichen und die Ferse umschließen. Der Andruck der Binde fällt von der Knöchelregion nach proximal kontinuierlich ab.
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Wechselverband: |
In der Langzeittherapie werden unterschiedliche Verbände berücksichtigt. Der Wechselverband wird morgens und abends neu angelegt. Daher sollte der Patient in der Lage sein, den Wechsel eigenständig vorzunehmen. |
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Dauerverband: |
Der Dauerverband besteht aus Haft-und Klebebinden, die auch bei längerem Tragen rutschfesten Sitz gewährleisten. Häufig werden Zinkleimbinden hierfür verwendet. Der Dauerverband garantiert minimalen Ruhedruck und hohen Arbeitsdruck. |
Je unnachgiebiger das Material der Kompressionsbinden, desto stärker wird die Kompression auf die Venen.
Kurzzugbinden:
Kurzzugbinden verfügen über eine recht geringe Dehnbarkeit und ermöglichen so eine straffe Kompression bis in die tiefen Venen. Außerdem passen sie sich gut den Veränderungen des Beinumfangs bei der Abschwellung von Stauungen an. Kurzzugbinden sind geeignet zur Einleitung und Fortführung der Behandlung. Sie kann nach ärztlicher Einweisung vom Patienten selbst durchgeführt werden.
Langzugbinden:
Langzugbinden schmiegen sich durch höchste Dehnbarkeit der Beinform an und sorgen für eine Kompression der oberflächlichen Venen. Sie sind sowohl für die Nachbehandlung nach Abklingen der akuten Beschwerden als auch zur Erhaltungstherapie geeignet. Langzugbinden müssen vom Patienten nachts oder bei längeren Ruhepausen abgenommen werden, da sonst die feinen Hautblutgefäße zu sehr komprimiert werden.
Aufbau eines medizinschen Kompressionsstrumpfes:
Textilfaden (maschenbildend).
Elastischer Faden (maschenbildend), verantwortlich für die Längselastizität.
Elastischer Faden, flach eingebunden (Schußfaden), verantwortlich für die Querelastizität.
Rundstrickverfahren:
Kompressionsstrümpfe ohne Naht
Kompressionsstrümpfe ohne Naht werden im sogenannten Rundstrickverfahren gefertigt. Ein Ab- und Zunehmen der Maschen ist hierbei nicht möglich, so daß die Anzahl der Maschen über die gesamte Strumpflänge gleich bleibt. Die beingerechte Form wird durch die unterschiedliche Weite der Maschen gewährleistet (im Fesselbereich enger und im Oberschenkelbereich weiter). Strümpfe, die in diesem Verfahren hergestellt werden, sind aufgrund der fehlenden Naht von optischem Vorteil. Geeignet sind diese Strümpfe für die Kompressionsklassen I - III bei normaler Beinanatomie.
Flachstrickverfahren:
Kompressionsstrümpfe mit Naht
Kompressionsstrümpfe mit Naht werden auf Flachstrickmaschinen zweidimensional gestrickt und anschließend zusammengenäht. Da an beiden Seiten des Strumpfes ab- und zugenommen werden kann, ergibt sich eine variable Maschenzahl über die gesamte Länge. Bei extremen Beinformen ermöglicht das Flachstrickverfahren exakten anatomischen Sitz, hohe Querelastizität und Strapazierfähigkeit. Strümpfe im Flachstrickverfahren sind ideal für starke bis sehr starke Kompressionen und bei Kompressionsklasse IV obligatorisch.
Individuelle Maßanfertigung von Kompressionsstrümpfen ist empfehlenswert:
Bei extrem großen oder kleinen Patienten.
Bei starken Abweichungen von normalen Proportionen.
Bei speziellen Fußproblemen.
Basis des Abmessens (= b-Maß des Patienten), dieses muß auf jeden Fall mit der Maßtabelle übereinstimmen.Die Maßanfertigung berücksichtigt jede noch so kleine Abweichung des Beinmaßes und ergibt so eine optimale Paßform.Dies unterstützt eine verbesserte Therapieakzeptanz/Compliance.
Jährlich werden sechs Millionen Kompressionsstrümpfe verordnet, davon sind gut 25% Maßstrümpfe. Die individuelle Maßanfertigung von Kompressionsstrümpfen ist empfehlenswert bei extrem großen oder kleinen Patienten, bei starken Abweichungen von normalen Proportionen sowie bei speziellen Fußproblemen. Dies unterstützt eine verbesserte Therapieakzeptanz, da ein medizinisch wirksamer Druckverlauf bei richtigem Maßnehmen bzw. Abmessen 100%ig gewährleistet wird.
Das richtige Anmessen ist die entscheidende Voraussetzung für eine gute Paßform des Strumpfes und für den medizinisch richtigen Druckverlauf am Bein. Gut passende Strümpfe verbessern die Akzeptanz der Kompressionstherapie bei den Patienten.
Gemessen wird am unbekleideten Bein, das ödemfrei sein muß - die Fingerdruckprobe im Fesselbereich verschafft darüber Sicherheit: Bei Wasseransammlungen bleibt eine Delle zurück. Idealerweise erfolgt das Messen morgens nach dem abnehmen des Kompressionsverbandes. Während des Messens liegt der Patient mit ausgestrecktem Bein auf einer Liege, wobei der Fuß einen 90 Grad-Winkel zum Bein bildet. Die Muskulatur muß entspannt sein und das Maßband straff anliegen. Erst wenn alle benötigten Istmaße in das sogenannte Maßschema eingetragen sind, kann durch einen Vergleich mit den Werten einer gegebenen Sollmaßtabelle ermittelt werden, ob für den Patienten Serien- oder Maßanfertigung in Frage kommt. Dabei können in der Kompressionsklasse I bis zu 10% Abweichungen der Istmaße von den Tabellen-Sollwerten toleriert werden, bevor eine Maßanfertigung erforderlich wird. In der Kompressionsklasse II liegt dieser Toleranzwert bei 5% Abweichung. Im Hinblick auf die Längenmaße können Abweichungen von +/- 2 cm toleriert werden.
Kompressionsklassen bei Kompressionsstrümpfen:
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Klasse 1: |
Leichte Kompression, ca. 20 mmHg; 18,4 - 21,2 mmHg bei Schwere- und Müdigkeitsgefühl in den Beinen, bei geringer Varicosis ohne wesentliche Ödemneigung, sowie beginnender Schwangerschaftsvaricosis |
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Klasse 2: |
Mittlere Kompression, ca. 30 mmHg; 25,1 - 32,1 mmHg bei stärkeren Beschwerden, ausgeprägter Varicosis mit Ödemneigung, stärkerer Schwangerschaftsvaricosis, bei posttraumatischen Schwellungszuständen, nach Abheilung unerheblicher Ulcerationen oder oberflächlicher Thrombophlebitiden, nach Verödung und Varizenoperationen zur Fixierung des Behandlungserfolges |
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Klasse 3: |
Kräftige Kompression, ca. 40 mmHg; 36,4 - 46,5 mmHg bei Folgezuständen der konstitutionellen/postthrombotischen venösen Insuffizienz, schwerer Ödemneigung, sekundäre Varicosis, Athropie blanche, Dermatosklerose und nach Abheilung schwerer besonders rezidivierter Ulcera. |
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Klasse 4: |
Sehr kräftige Kompression, > 60 mmHg bei Lymphödemen und elefantiatischen Zuständen |
In den Kompressionsklassen I und II empfiehlt es sich die Strümpfe grundsätzlich mit Spitze abzugegeben (das Tragen von zusätzlichen Überstrümpfen kann entfallen).
In den Kompressionsklassen III und IV hingegen empfiehlt es sich die Strümpfe grundsätzlich ohne Spitze abzugegeben, damit zum leichteren Anziehen die Anziehhilfen genutzt werden können.
Medizinisch korrekter Druckverlauf:
Der Kompressionsdruck muß von der Fessel zum Oberschenkel hin kontinuierlich abfallen.
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Oberhalb des Knöchels |
= 100 % (Meßstelle b), der stärkste Druck |
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Unterhalb des Kniegelenks |
= 70 % |
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Mitte des Oberschenkels |
= 50 % |
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Am Ende des Oberschenkels |
=40 % |
Der Druck wird normalerweise in Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) gemessen
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Rezept = Urkunde: |
Änderungen und Ergänzungen des Rezeptes bedürfen einer erneuten Arztunterschrift mit Datumsangabe. |
Das Anziehen von medizinischen Kompressionsstrümpfen:
Beim Anziehen ist langsames und sorgfältiges Vorgehen erforderlich, damit der Strumpf faltenfrei sitzt und keine Einschnürungen hervorruft. Das Anziehen ist anfangs sicherlich ein wenig mühsam, mit zunehmender Übung allerdings wird das bald kein Problem mehr sein.
Pflegehinweise für medizinische Kompressionsstrümpfe:
Um die medizinische Wirkung zu wahren, sollten Kompressionsstrümpfe sehr schonend behandelt werden. Sie sollten ausschließlich mit Feinwaschmittel oder DRACO-Spezial-Waschmittel bei 30° C gewaschen und danach sorgfältig ausgewaschen werden. Kompressionsstrümpfe dürfen nicht geschleudert werden, vorsichtiges Ausdrücken und das Trocknen an der Luft sind angemessene Methoden, um die Funktion der Kompressionsstrümpfe zu erhalten. Desweiteren dürfen Kompressionsstrümpfe nicht gebügelt werden und nicht mit Salben, Fetten oder Lösungsmitteln in Berührung gebracht werden. Auch Sonnenbestrahlung und direkte Hitze können die Kompressionsleistung beeinträchtigen. Die feinen Strumpffasern können durch beschädigtes Innenfutter der Schuhe, hervorstehende Zehennägel und Steinchen zerstört werden.
Stützstrümpfe übernehmen im Gegensatz zu Kompressionsstrümpfen prophylaktische Aufgaben. Sie unterstützen und verbessern die Blutzirkulation. Insbesonders sind sie für Menschen geeignet, die einer vorwiegend sitzenden oder stehenden Berufstätigkeit nachgehen. Auch bei Passagieren auf Langstreckenflügen haben sich Stützstrümpfe zur Vermeidung einer Thrombose durch angewinkelte Beine bewährt.
In einem wissenschaftlichen Gutachten von Prof. Wienert, Dermatologische Phlebologie, Universität Aachen wird der Wirkung von Gilofa 2000 Stützstrümpfen Erhöhung des venösen Ausstroms (45%) bzw. der Strömungsgeschwindigkeit im Venensystem zugesprochen und Gilofa 2000 Stützstrümpfe als "echte Prophylaxe zur Verhinderung von Beinvenenerkrankungen" anerkannt. Außerdem tragen Stützstrümpfe deutlich zum Wohlfühlen bei, da sie deutlich die Schwellneigung und die Beinschwere am Abend reduzieren.
Wirkung der Stützstrümpfe:
Stützstrümpfe sind als Serienware freiverkäuflich erhältlich.